Erzieherausbildung

Bildung ist Ländersache. Das hat auch Folgen für Ausbildungsberufe. In jedem Bundesland läuft die Erzieherausbildung ein wenig anders ab und auch die Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich teilweise voneinander. Selbst die einzelnen Fachschulen bzw. Fachakademien für Sozialpädagogik haben eigene Aufnahmekriterien anhand derer sie entscheiden, ob eine Schülerin oder ein Schüler aufgenommen werden kann oder nicht. Es ist daher wichtig, sich über die jeweiligen Bedingungen und Voraussetzungen im Hinblick auf die Erzieherausbildung direkt an den in Frage kommenden Ausbildungsstätten zu informieren.

 


Für wen kommt eine Erzieherausbildung infrage?


Wer den Beruf des Erziehers ergreifen möchte, sollte sich grundsätzlich gerne mit Menschen beschäftigen. Erzieherinnen und Erzieher arbeiten zwar hauptsächlich mit Kindern oder Jugendlichen, müssen sich aber auch mit Eltern, Institutionen und Behörden auseinandersetzen. Die "Arbeit am Kind" ist ein wichtiger Aspekt, aber längst nicht der Einzige.
Neben sozialer Kompetenz, Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen müssen  Interessenten Reflexionsfähigkeit mitbringen. Das eigene Handeln reflektieren und hinterfragen zu können bzw. zu wollen ist nicht nur eine wichtige Kompetenz, die während der Ausbildung gefragt ist. Auch im Berufsleben spielt sie eine große Rolle. Weiter sollten Erzieher belastbar, flexibel und lernbereit sein. Die Anforderungen, denen Erzieher täglich gerecht werden müssen, haben sich in den letzten Jahren verändert, das Arbeitspensum wächst. Es sollte daher die Bereitschaft bestehen, sich regelmäßig fortzubilden und sich selbst als Erzieherpersönlichkeit weiterzuentwickeln.
Nicht zuletzt zum Schutz der eigenen Gesundheit ist es zudem wichtig, auch in stressigen Situationen Ruhe zu bewahren.

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Wie sieht die Arbeitsmarktsituation für Erzieher aus?


Erzieher haben sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das liegt zum einen daran, dass die Branche generell sehr viele mögliche Einsatzbereiche bietet. Durch den hohen Anteil junger Frauen, die selbst ein Kind bekommen möchten, stehen außerdem sehr oft Jobs als Mutterschaftsvertretung zu Verfügung.
Zum anderen werden Erzieher händeringend gesucht, weil es seit 2013 einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes Kind gibt, welches das erste Lebensjahr vollendet hat. Hinzu kommt, dass für die nächsten Jahre eine Verrentungswelle von pädagogischem Personal erwartet wird.
Besonders männliche Erzieher werden sehr gerne eingestellt. Die Männerquote in Krippen und Kindergärten liegt momentan noch bei deutlich unter zehn Prozent. Es gibt bereits Kampagnen, die darauf abzielen diesen Zustand zu ändern und mehr Männer für den Beruf des Erziehers zu begeistern.

Welche Arbeitsfelder existieren für Erzieher?

Für Erzieher existieren sehr viele Arbeitsfelder. Gut ausgebildete Erzieher Pädagoginnen und Pädagogen können sich in der Regel eine Stelle aussuchen, die genau den persönlichen Interessen und Vorlieben entspricht.
In den letzten Jahren wurden vor allem viele Stellen in Krippen geschaffen. Dort betreuen Erzieher Kleinkinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Davon angesehen können Erzieher in Kindergärten arbeiten oder auch in der Schulkindbetreuung tätig sein. Zudem werden Erzieher in Heimen, Jugendeinrichtungen, Internaten, Krankenhäusern und Therapiezentren, Hotels und teilweise auch in Privathaushalten gebraucht.

 

Welche Voraussetzungen müssen Interessenten erfüllen? 

Wie bereits erwähnt, sind die Voraussetzungen für die Erzieherausbildung in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. Zuständig sind die jeweiligen Kultusministerien der Länder.  Über Einzelheiten in den Bundesländern  hat der Bildungsserver eine gute Seite, und in unserem Schulverzeichnis weiter unten  gibt es auch  weiter Informationen zu den Zugangsvoraussetzungen in den verschiedenen Bundesländern. In jedem Fall sollten Bewerber aber über einen mittleren Schulabschluss verfügen und idealerweise bereits eine Ausbildung als Kinderpfleger/in oder sozialpädagogische/r Assistent/in absolviert haben. Alternativ werden Abiturienten zugelassen, wenn sie ein längeres einschlägiges Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung vorweisen können. Auch wer eine nicht einschlägige Berufsausbildung hat, muss ca. ein Jahr sozialpädagogische Praxiserfahrung belegen, um an einer Fachschule bzw. an einer Fachakademie aufgenommen zu werden.
Jeder Aufnahmeantrag wird einzeln geprüft. Es besteht von Seiten der Schule keine Pflicht, einen Bewerber aufzunehmen. Zudem kann sie eigene Kriterien festlegen, anhand derer sie ihre Studenten auswählt. Meist muss ein Lebenslauf eingereicht werden. Hinzu kommt ein Motivationsschreiben und ein persönliches Vorstellungsgespräch. Schulen in privater oder kirchlicher Trägerschaft können die Annahme oder Ablehnung von Bewerbern auch von der Konfession abhängig machen.
Wichtig: Die Erzieherausbildung wird unabhängig davon, in welchem Bundesland sie absolviert wurde, überall anerkannt. Das bedeutet, dass Absolventen mit der staatlichen Anerkennung in ganz Deutschland tätig sein können.

 

Zugangsvoraussetzungen und Schulverzeichnis der Bundesländer


Bundesland Schulen und Zugangsvoraussetzungen
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Niedersachsen mehr erfahren
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Welche verschiedenen Formen der Erzieherausbildung gib es?

Die klassische Art, Erzieher zu werden ist der Besuch eine Fachschule für Sozialpädagogik. In Bayern heißt diese Fachakademie. Auch viele staatliche und private berufliche Schulen und Berufskollegs bieten häufig eine Erzieherausbildung an. Die Ausbildung wird bei den meisten Anbietern in Vollzeit absolviert, einige Schulen bieten aber auch Teilzeit- oder Abendkurse an. Diese richten sich in der Regel an pädagogische Ergänzungskräfte, die bereits in einem sozialpädagogischen Arbeitsfeld tätig sind.
Davon abgesehen existieren seit einigen Jahren auch einige  elementar pädagogische Studiengänge. Diese werden in der Regel von Fachhochschulen angeboten und qualifizieren die Absolventen für eine Tätigkeit in sozialpädagogischen Einrichtungen und darüber hinaus häufig auch für eine Leitungsposition. 
Eine weitere Möglichkeit, die staatliche Anerkennung als Erzieher/in zu erhalten ist die erfolgreiche Teilnahme an einer Nichtschüler- bzw. Externenprüfung. Diese Option kommt jedoch nur für sehr wenige Interessenten infrage.

 

Wie ist die Erzieherausbildung aufgebaut und wie lange dauert sie?

Regelmäßig erfolgen Leistungskontrollen durch schriftliche Tests, Präsentationen, Ausarbeitungen und Projektarbeiten sowie durch praktische Prüfungen in den jeweiligen Einrichtungen. Die Studierenden sollen das Gelernte in die Praxis umsetzen. An den meisten Fachschulen werden zudem Zwischenzeugnisse erstellt, um die angehenden Erzieher/innen über ihren Leistungsstand zu informieren.
Nach zwei Schuljahren erfolgt eine schriftliche Prüfung in Form von Klausuren. Inhalt sind in der Regel die theoretischen und praktischen  Lerninhalte der beiden zurückliegenden Jahre. Häufig müssen die Studierenden zusätzlich eine schriftliche Hausarbeit zu einem pädagogischen Thema anfertigen. Diese sollte wissenschaftlichen Standards entsprechen. An die bestandene Prüfung schließt sich das Berufspraktische Jahr bzw. Anerkennungsjahr an. Dieses absolvieren die angehenden Erzieher wieder in einer sozialpädagogischen Einrichtung. In der Regel müssen sie dort mindestens 30 Stunden pro Woche tätig sein, erhalten dafür aber erstmals eine Vergütung. Im Betreuungsschlüssel werden die Berufspraktikanten wie eine reguläre Zweit- bzw. Ergänzungskraft angerechnet.
Auch während des Anerkennungsjahres findet in regelmäßigen Abständen Unterricht an den Fachschulen statt, meist in Form von Blockunterricht. Zudem müssen wieder Praxisaufgaben erfüllt werden, die dann eine Bewertung von den hospitierenden Lehrern erhalten. Am Ende des Berufspraktikums erfolgt eine letzte Abschlussprüfung - in der Regel in Form eines Kolloquiums.


Was sind die Inhalte der Erzieherausbildung?

Die Inhalte der Ausbildung legt die jeweilige Schule anhand des Lehrplans fest, den das jeweilige Kultusministerium vorgibt.
Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist die Vermittlung von pädagogischem Fachwissen und von pädagogischer Handlungskompetenz. Dazu gehören die Erarbeitung von entwicklungspsychologischen Grundlagen, Lerntheorien, pädagogischen Strömungen sowie von Bildungsprozessen und Lerntheorien. Im Fach Deutsch/Kommunikation geht es um Kinderliteratur, Sprachentwicklung und Sprachstörungen sowie um Medien und Kommunikationstheorien. Außerdem erfahren die Studenten alles über Techniken der kreativen Gestaltung, über Bewegung und Bewegungserziehung und über die Abendzeitung von Musik und Rhythmik für Kinder. Weitere lernen die angehenden Erzieher, wie sie pädagogische Angebote ausarbeiten, durchführen und reflektieren und erhalten einen Einblick in die Dokumentation von Bildungsprozessen. Ergänzende Aspekte sind Elternarbeit, Projektarbeit, gruppendynamische Prozesse, naturwissenschaftliche Bildung sowie Integration und Inklusion. In einigen Fachschulen stehen auch Englisch, Religion, Religionspädagogik sowie das Erlernen eines Instrumentes auf dem Stundenplan. Manche Ausbildungszentren haben ein spezielles Schulprofil entwickelt und bieten ihren Studenten an, zeitgleich mit der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/ zum staatlich anerkannten Erzieher zusätzliche Qualifikationen zu erwerben. Fast immer ist es an den Fachschulen möglich, die Fachhochschulreife zu erhalten, manchmal sogar die allgemeine Hochschulreife.
Bei der methodischen und didaktischen Umsetzung des Unterrichts an den Fachschulen werden moderne Lernkonzepte umgesetzt. So arbeiten die Lehrer häufig fächerübergreifend und themenorientiert und bringen ihren Schülern unterschiedliche Methoden und Sozialformen näher wie zum Beispiel Gruppenarbeit, Projektarbeit, Rollenspiele, verschiedene Präsentationstechniken usw.


Was verdient eine Erzieherin/ein Erzieher während der Ausbildung?

Da die Erzieherausbildung zum größten Teil schulisch erfolgt, verdienen die Studierenden in dieser Zeit kein Gehalt. Kosten kommen jedoch auch nicht auf sie zu, ausgenommen für Bücher, Klassenfahrten, Kopien oder spezielles Lernmaterial. Nur sehr wenige Fachschulen erheben ein Schulgeld.
Studierende können jedoch Bafög beantragen, wenn sie während der Ausbildung nicht mehr zu Hause wohnen.
Während des Anerkennungsjahres erhalten die angehenden Erzieher eine Vergütung für ihre tägliche Arbeit. Je nach Anzahl der Wochenstunden und Träger der jeweiligen Einrichtung beträgt das Gehalt einer Erzieherin/eines Erziehers im Berufspraktischen Jahr zwischen 700 und 1000 Euro netto. Zum Vergleich: Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung startet bei etwa 1200 Euro netto
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