Fachakademien für Sozialpädagogik Bayern

Die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher in Bayern

Die Erzieherausbildung wird im Bundesland Bayern an einer Fachakademie für Sozialpädagogik absolviert und dauert in der Regel drei Jahre. Sie kann auch in Teilzeit absolviert werden und dauert dann sechs Jahre.
Zur Zeit (Stand: Oktober 2016) existieren in Bayern insgesamt 54 Fachakademien, davon 17 in Oberbayern, 7 in Niederbayern, 4 in der Oberpfalz, 4 in Oberfranken, 10 in Mittelfranken, 5 in Unterfranken und 7 in Schwaben.
Bei der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher handelt es sich, vom letzten Ausbildungsjahr abgesehen, um eine vollzeitschulische Ausbildung mit mehreren Praxisphasen.

Zugangsvoraussetzungen für die Erzieherausbildung in Bayern

Grundsätzlich müssen alle Interessenten, die in Bayern eine Erzieherausbildung absolvieren wollen, einen mittleren Schulabschluss nachweisen. Davon abgesehen müssen sie folgende Kriterien erfüllen:

-    eine abgeschlossene zweijährige pädagogische, pflegerische oder rehabilative Erstausbildung nachweisen

oder

-    eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf nachweisen sowie den Besuch eines sozialpädagogischen Seminars

oder

-    das zweijährige sozialpädagogische Seminar erfolgreich abgeschlossen haben

oder

-    eine vierjährige Berufstätigkeit nachweisen.

Zudem müssen die Bewerber ein ärztliches Gutachten vorlegen aus dem hervorgeht, dass keine gesundheitlichen Gründen gegen die Ausübung des Erzieherberufes sprechen. Auch ein polizeiliches Führungszeugnis wird verlangt.
Die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz erfolgt direkt bei der Fachakademie.
Bewerber, welche bereits die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife erlangt haben oder die Klasse 11 in einer Fachoberschule für Sozialwesen erfolgreich besucht haben oder ein freiwilliges soziales Jahr bzw. den Wehrersatzdienst in einer sozialpädagogischen Einrichtung absolviert haben, werden in der Regel direkt für den Besuch des 2. Jahres des sozialpädagogischen Seminars zugelassen und benötigen vier Jahre bis zum Abschluss der Ausbildung.
Wer mindestens ein Kind im eigenen Haushalt großzieht oder großgezogen hat, kann je nach Ermessen der jeweiligen Fachakademie entweder sofort mit der Erzieherausbildung beginnen oder zumindest das erste Jahr des sozialpädagogischen Seminars auslassen und sofort mit dem zweiten Ausbildungsjahr beginnen.
Bewerber, deren Muttersprache nicht deutsch ist, müssen nachweisen, dass sie die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen (Sprachniveau B2).
Bei den meisten Fachakademien müssen die Bewerber einen Lebenslauf und ein Anschreiben vorlegen aus dem ersichtlich wird, warum die Ausbildung angestrebt wird.  Je nach Träger der jeweiligen Fachakademie kann der Aufnahme auch ein persönliches Gespräch voran gehen. Wenn mehr Bewerbungen eingehen als Ausbildungsplätze vorhanden sind, berücksichtigen viele Schulen auch Kriterien wie soziales Engagement oder den Notendurchschnitt des letzten Abschlusszeugnisses.
Um den Erzieherberuf auch für Männer und Abiturienten attraktiver zu machen, startete zum Schuljahr 2016/2016 ein Modellversuch zur sogenannten „Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphase“ („OptiPrax“). Ziel dieses Modellversuchs ist die mittelfristige Reform der Fachschulausbildung, die dadurch erreicht werden soll, dass sich der Praxisanteil erhöht und eine Vergütung der Ausbildung ermöglicht. 

 

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Ablauf und Ausbildungsinhalte der Erzieherausbildung in Bayern

Die meisten angehenden Erzieherinnen und Erzieher in Bayern absolvieren zunächst das ein- oder zweijährige sozialpädagogische Seminar. Wird diese Erstausbildung bestanden, erhalten die Absolventen den Berufsabschluss der „staatlich anerkannten Kinderpflegerin“ bzw. des staatlich anerkannten Kinderpflegers“ und können damit in der sozialpädagogischen Praxis tätig sein.
Die Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher dauert weitere drei Jahre und baut auf der Erstausbildung auf. In den ersten zwei Jahren werden folgende Fächer und Lernbereiche unterrichtet:
-    Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik
-    Sozialkunde,
-    Mathematisch-naturwissenschaftliche Erziehung,
-    Ökologie und Gesundheitspädagogik,
-    Recht und Organisation,
-    Literatur und Medienpädagogik,
-    Deutsch,
-    Englisch,
-    Religionspädagogik,
-    Praxis- und Methodenlehre,
-    Kunst- und Kunstpädagogik,
-    Musikpädagogik,
-    Bewegung und Bewegungserziehung
Zudem bieten die einzelnen Fachakademien verschieden Wahlfächer an.

Die Unterrichtsfächer sind verknüpft mit praxisorientierten pädagogischen Lernfeldern. Die Vermittlung der Unterrichtsinhalte erfolgt zudem kompetenz- und ressourcenorientiert.

Die genauen Lehr- und Lerninhalte der Fachakademien in Bayern sowie die Anzahl der dafür vorgesehen Unterrichtseinheiten können hier nachgelesen werden:

Erzieherausbildung in Bayern - Kosten und Vergütung

Da die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher eine in erster Linie schulische ist, verdienen die angehenden Pädagogen erst im Anerkennungsjahr Geld.
Wer zuvor das sozialpädagogische Seminar besucht, bekommt in der Regel für die Zeit, welche längere Praxisphasen in der gleichen Einrichtung beinhaltet, eine monatliche Aufwandsentschädigung. Diese wird jedoch mit dem Träger ausgehandelt.
Schulgeld wird nicht erhoben, allerdings müssen die Auszubildenden in jedem Halbjahr einen gewissen Eigenanteil leisten, der zum Beispiel Kopierkosten beinhaltet oder aber die Anschaffung von Lehrbüchern. Während sie den schulischen Teil der Erzieherausbildung absolvieren, können die Studierenden Bafög beantragen.
Das Anerkennungsjahr bzw. Berufspraktikum wird vergütet. Je nach Träger verdienen angehende Erzieher 1100 bis 1300 Euro netto.
Die Stadt München zahlt ihren Mitarbeitern zusätzlich eine Arbeitsmarktzulage und die sogenannte „München-Zulage“ (Zur Zeit ca. 120 Euro brutto und 23 Euro pro Kind). Zudem werden Erzieher nicht wie in anderen Städten und Gemeinden in die Tarifgruppe S6 eingruppiert, sondern steigen direkt bei S8 ein. Sie erhalten zusätzlich ein vergünstigtes Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel und eine Altersvorsorge. Das Beschäftigungsverhältnis ist in der Regel unbefristet.
In der sogenannten Basisstufe als Berufsanfängerin nach dem Anerkennungsjahr etwa einem Gehalt von 1.860 Euro netto in Steuerklasse I bei Vollzeitbeschäftigung. (Stand: 2015).
Nach zwei Jahren als Angestellte der Stadt München verdienen ledige Erzieherinnen dann ca. 2220 Euro netto. 
Bei kirchlichen oder privaten Trägern kann der Verdienst abweichen. In der Regel orientieren sich diese jedoch aufgrund des großen Fachkräftemangels an den geltenden Tarifen. Gerade in größeren bayerischen Städten wie München und Nürnberg gibt es viele Krippen und Kitas, welche ihre Mitarbeiter sogar über Tarif bezahlen, weil sie auf gutes Personal angewiesen sind um ihre Qualitätsstandards zu erfüllen.

Möglichkeiten der Weiterqualifizierung

Wer während der schulischen Erzieherausbildung das Fach Mathematik belegt und später zusätzliche Prüfungen ablegt kann die Fachhochschulreife erhalten.
Aufbauend auf die Berufsausbildung besteht anschließend die Möglichkeit an jeder beliebigen Fachhochschule in Deutschland ein pädagogisches Studium aufzunehmen wie beispielsweise „Soziale Arbeit“ oder „Kindheitspädagogik“.
Davon entstehen können Erzieher viele verschiedene Zusatzqualifikationen erwerben, zum Beispiel in den Bereichen Sprache und Sprachförderung, Sport und Bewegung, Prävention, Kunst und Gestalten, Erlebnispädagogik, Montessori-Pädagogik usw.

Viele kirchliche und öffentliche Institutionen wie die VHS bieten regelmäßig entsprechende Kurse und Weiterbildungen an. Auch die Fachakademien selbst sind oft Träger entsprechender Weiterbildungsangebote die oft auch ausbildungsbegleitend absolviert werden können.

Hilfreiche Informationen incl. regionalen Ansprechpartnern findet man auch hier http://www.schulberatung.bayern.de/schulberatung/index.asp

Auch zuständig,

 

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