Isolation und soziale Distanzierungen in der frühen Kindheit – Bildung daheim

 Frank Francesco Birk, Akoélé Sistagan Biam, Sandra Mirbek

1. Einleitung

Der COVID-19 (Corona-Virus) ist weiterhin allgegenwärtig. Pädagogische Einrichtungen sind geschlossen, Notgruppen sind zum Teil eingerichtet und in manchen Bundesländern herrscht eine Maskenpflicht. Diese Situationen verändern den pädagogischen Alltag sehr. Weiter sind Isolation und soziale Distanzierungen ein neues Thema und zentralen Bestandteil für die Pädagogik der frühen Kindheit geworden. Schutzmaßnahmen sind, dass z.B. Personen bestimmte Orte nicht aufsuchen oder ihren Wohnraum nicht verlassen dürfen, Bildungseinrichtungen geschlossen sind und (Groß-)Veranstaltungen sowie (Familien-)Feiern untersagt sind. Diese Maßnahmen werden von der Bundesregierung bzw. den Landesregierungen getroffen, um eine Ausbreitung des Corona-Virus zu einzudämmen. Dieser Beitrag möchte Spielideen mit Alltagsmaterialien vorstellen sowie die Möglichkeit von Online-Portale mit Video- oder Messaging-Diensten für die synchrone Kommunikation aufzeigen, um soziale Kontakte aufrecht zu erhalten und Bildungsangebote zuhause anzubieten. Die nachfolgenden Spiele sollen Abwechslung bringen und den Kindern, trotz der Ausnahmesituation, freudige Momente bringen.

 

2. Spiele mit Alltagsmaterialien

Durch die Hamsterkäufe haben nun viele Haushalte eine Menge an Eierkartons, Toiletten- oder Küchenpapierrollen. Diese Waren sind zwar zum einen Mangelwaren, aber die Abfallprodukte sind trotzdem vielfältig vorhanden. Alltagsmaterialien können einen kindgerecht-spielerischen Zugang zu den Kindern erleichtern. Zudem führen sie nicht zu zusätzlichen Anschaffungskosten, sodass auch Familien mit geringeren finanziellen Ressourcen die Möglichkeit haben die Kinder niederschwellig zu fördern.

Spediteur: Das Kind transportiert möglichst viele Eierkartons (geschlossen oder geöffnet) als Turm, gehalten mit den Händen oder mit verschiedensten Körperteilen.

Verklemmt: Das Kind klemmen den Eierkarton zwischen seine Knie (oder andere Körperteile) und geht (oder hüpft) vorwärts bzw. rückwärts.

Wurfbude: Das Kind wirft (bewegt, kickt) den Eierkarton hoch und fängt ihn wieder auf, in ein zuvor festgelegtes Ziel; möglichst hoch oder weit.

Orchester: Mit Materialien (z.B. Glöckchen, Perlen) gefüllte Eierkartons werden als Rasseln benutzt, um Geräusche und Rhythmus zu erzeugen. Die Kinder können über ein Videotelefonat beispielsweise ein Krachorchester nachspielen.

Baustelle: Das Kind baut Türme, Mauern, Häuser, Pyramiden, Begrenzungen, Formen, Linien, geometrische Flächen mit waagerecht liegenden oder senkrecht stehenden Toiletten- und Küchenpapierrollen. Als Hilfsmittel kann z.B. Klebeband zur Befestigung eingesetzt werden.

Stopptanz: Das Kind stellt eine Toiletten- und Küchenpapierrolle auf seinen Kopf und fängt an zu tanzen. Er kann selbst aussuchen, wann er zum Tanzen aufhört. Dabei muss er das Gleichgewicht halten. Alternativ kann die Tanzphase mittels Musik gesteuert werden, die von einem Elternteil oder Geschwisterkind mit Abstand sowie einem Freund via Videochat (z.B. Skype) etc. ein- oder ausgeschaltet wird.

3. Die Bedeutung von Medien in der sozialen Isolation und Ausgangssperre

Auch Kinder im Kindergarten-Alter sind oftmals mit YouTube, WhatsApp oder Skype vertraut und nutzen diese in ihrer Freizeit. Medien gewinnen gerade in der Quarantäne sowie in der sozialen Isolation an Bedeutung. Die Sehnsucht nach den Freunden aus der Kita ist groß. Aus diesem Grund können Videoanrufe durchgeführt werden. Es können Online-Spielgruppen geleitet werden oder über diese Ideen für die Freizeitbeschäftigung bereitgestellt werden. Diese können privat organisiert oder von den Fachkräften der pädagogischen Einrichtungen angeleitet werden. Somit können die Kinder auch Kontakt mit den ihnen bekannten Erzieherinnen und Erziehern halten. Alternativ können wöchentliche Spiel- und Beschäftigungsideen per Newsletter/Mail versandt werden oder Spiel- und Bewegungsangebote mit den Kindern via Online-Portale durchgeführt werden. Diese ist besonders bei Kindern aus den sogenannten bildungsfernen Schichten von Nöten, da diese in der Regel über weniger finanzielle Ressourcen sowie Zeit verfügen bzw. sich deren Situation aufgrund (drohender) Kurzarbeit oder Jobverlust weiter verschlechtert hat.  Hierfür muss - in Absprache mit dem Träger - jedoch oftmals auf datenschutzkonforme Plattformen zurückgegriffen werden, welche den Kindern in der Regel noch nicht vertraut sind, aber ähnliche Funktionen bieten. Im nachfolgenden werden Spiele dargestellt, welche online durchgeführt werden können.

Bewegungen darstellen: In einem Videotelefonat mit mehreren Personen ruft einer ein Wort in die Runde und alle führen eine passende Bewegung hierfür durch. Dabei können die Kinder eigene Ideen einbringen und somit ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Unsere Vorschläge sind:

  • Wackelpudding: Schüttelt euren Körper
  • Kreisel: Dreht euch um euch selbst im Kreis
  • Meereswellen: Macht mit den Armen Wellenbewegungen nach oder wiegt euch mit dem ganzen Körper hin und her
  • Basketball: Macht Dribbel-Bewegungen mit den Händen
  • Publikum: Klatscht, jubelt und werft die Arme in die Höhe
  • Gitarre: Spielt Luftgitarre
  • Faultier: Bewegt euch ganz langsam

Variation: Die Kinder können unterschiedliche Tierarten, Situationen (z.B. Riesenrad nachstellen, an der Tankstelle, im Supermarkt), Gegenstände (z.B. Instrumente, Haushaltsgeräte, Fahrzeuge) oder Aktivitäten (z.B. Sportarten, Musikinstrumente spielen) auswählen und darstellen. Hierbei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Kimspiel:  Eine Person zeigt über den Bildschirm fünf Gegenstände und jeder merkt sich diese. Welche waren es? Die Kinder soll diese (in der richtigen Reihenfolge) benennen.

Variation: Ein Kind legt aus bis zu zehn Alltagsmaterialien ein Kunstwerk. Die anderen merken sich dieses Kunstwerk und bauen es nach. Hierfür müssen die identischen Gegenstände (z.B. Besteck, Alltagsmaterialien, Naturmaterialien) im Haushalt vorhanden sein. Eine Auswahl an zur Verfügung stehenden Materialien kann zuvor festgelegt werden.

 

4. Analoger Kontakt

Neben dem Kontakt durch elektronische Medien gibt es auch vielfältige weitere Möglichkeiten mit den Kindern in Verbindung zu bleiben. Neben den dargestellten Aktionen können den Kindern auch virtuelle oder reale Pakete gepackt werden. So können den Kindern zum Beispiel Bastelanleitungen und Bastelmaterialien sowie Anleitungen zu Bewegungs- Sing- oder Gesellschaftsspielen zugestellt werden. Möglich ist auch die Kinder zu einer Mal-Aktion aufzurufen. Dabei können die Kinder zu Hause Bilder malen und diese dann – mit ihrem Namen versehen – in den Briefkasten der Kita werfen. Die pädagogischen Fachkräfte können diese anschließend zum Schutz vor Wind und Nässe laminieren und dann im Eingangsbereich der Kita (z.B. am Eingangstor zum Garten) aufhängen. Somit können die Kinder bei Spaziergängen zu ihrer Kita ihre Bilder sowie die ihrer Freundinnen und Freunde betrachten und beispielsweise auch ihre Großeltern animieren dort vorbei zu schauen.

 

5. Fazit

Die Corona-Krise wird uns noch länger begleiten als uns lieb ist. Pädagogische Fachkräfte sollten überlegen, wie Bildung auch im häuslichen Umfeld geschehen kann und wie sie die Eltern dabei unterstützen können. Alltagsmaterialien haben sich als positives Medium erwiesen, um die aktuelle Situation zu meistern. Die Kinder erhalten die Möglichkeit kreativ zu sein und ins Spiel zu kommen. Online Angebote durch Online-Portale mit Video- oder Messaging-Diensten. Für die private Kommunikation der Kinder mit Freunden oder Familienmitgliedern können auch Dienste wie Skype oder WhatsApp genutzt werden, um den Kontakt trotz der aktuellen Maßnahmen zur Isolierung und sozialen Distanzierung aufrechtzuerhalten.

 

Autor*innen

Akoélé Sistagan Biam ist Erziehungswissenschaftlerin (M.A.; B.A.) und Germanistik (DEUG2). Derzeit ist sie sozialpädagogische Fachkraft im Bereich der Erziehungshilfe. Ihre Schwerpunkte sind Psychomotorik und interkulturelle Beratung.

Frank Francesco Birk ist Doktorand an der Universität zu Köln und heilpädagogische Fachkraft. Seine Schwerpunkte sind Psychomotorik, Natur-, Heil- und Kulturpädagogik.

Sandra Mirbek ist Doktorandin an der Goethe-Universität Frankfurt und pädagogische Fachkraft. Ihre Schwerpunkte sind Bewegung, Sprache, Inklusion und Heilpädagogik.

 

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