Praxisfragen: Strafen und logische Konsequenzen als Erziehungsmaßnahme

Erziehen ohne Strafen? Immer wieder kritisieren einige Pädagogen die Strafe als Erziehungsmaßnahme, weil sie einen Machtmissbrauch der Erwachsenen gegenüber den Kindern darstelle und ihnen psychisch schaden könne.
Die meisten Erziehungswissenschaftler sehen aber realistisch, dass Kinder Grenzen und Regeln brauchen und um diese durchzusetzen sind Strafen nicht immer vermeidbar. Im Praktikum wirst du wahrscheinlich ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Manchmal reicht die Androhung von Strafe aus, damit das Kind sein Verhalten ändern bzw. ein nicht erwünschtes Verhalten nicht länger zeigt. Macht es jedoch weiter mit dem, was es nicht tun soll musst du eine angekündigte Konsequenz auch umsetzen. Andernfalls wird das Kind dich nicht mehr ernst nehmen können.
Damit Strafen hilfreich sind und den gewünschten Effekt haben, müssen sie jedoch gezielt und nicht willkürlich eingesetzt werden. Weiter sollten sie in einem Zusammenhang mit dem „Vergehen“ stehen.

Beispiel:
Tim, 3,8 Jahre alt, wirft in der Bauecke mit Spielzeug herum. Du forderst ihn auf, dies zu unterlassen und erklärst ihm, warum sein Verhalten nicht richtig ist. Er könnte andere Kinder verletzen oder die Spielsachen kaputt machen. Weiter machst du Tim klar, dass er nicht mehr in der Bauecke spielen kann, wenn er sich nicht an die Regeln hält.
Wirft Tim nun erneut Spielzeug, muss er aus der Bauecke raus und sich eine andere Beschäftigung suchen. Da Tim aber neu im Kindergarten ist und noch relativ jung, erscheint es angemessen, dass er bereits am nächsten Tag eine neue Chance erhält sich zu bewähren und wieder in der Bauecke spielen darf.
Florian hingegen ist Vorschulkind und besucht den Kindergarten bereits seit fast drei Jahren. Er kennt die Regeln genau. Wirft er mit Spielzeug darf er möglicherweise mehrere Tage lang nicht in der Bauecke spielen.

Das Beispiel zeigt, dass Strafen bzw. Konsequenzen immer so gewählt sein müssen, dass sie für die jeweilige Situation angemessen sind. Eine Rolle spielen Alter und Entwicklungstand des jeweiligen Kindes aber auch individuelle Vereinbarungen oder eventuelle „Vorgeschichten“ (Tim ist wütend, kann sich noch nicht richtig ausdrücken und wirft deshalb mit Spielzeug).
Wichtig ist, dass die Strafe unmittelbar auf das Fehlverhalten folgt, damit das Kind den Zusammenhang versteht.

Sind logische Konsequenzen besser als Strafen?

Alternativ zu Strafen greifen Pädagogen gerne auf „logische Konsequenzen“ zurück. Sie sind eine logische Folge des kindlichen Verhaltens bzw. ergeben sich daraus.

Beispiel:
Anna, 2,5 Jahre, sitzt bereits eine halbe Stunde vor ihrem Teller mit dem Mittagessen. Sie wurde von der Erzieherin bereits mehrfach aufgefordert weiter zu essen, alle anderen Kinder sind bereits fertig. Anna hört nicht, stattdessen beginnt sie mit dem Löffel in ihrem Teller herum zu matschen und ihre Nudeln auf dem Boden zu verteilen.
Daraufhin nimmt die Erzieherin Anna den Teller weg und erklärt: „Du hast wohl keinen Hunger mehr, Anna. Du spielst mit deinem Essen und das ist nicht richtig. Also ist das Mittagessen für dich beendet. Hebe bitte die Nudeln vom Boden auf.“

In diesem Beispiel ist die Konsequenz aus Annas Verhalten, dass die Erzieherin ihr den Teller wegnimmt und die Mahlzeit für beendet erklärt. Ihren Dreck muss sie selbst beseitigen, weil sie ihn verursacht hat. Man könnte nun darüber stritten, ob die Konsequenz wirklich „logisch“ ist. In einem anderen Beispiel ist das hingegen ganz klar:

Hannes, 5 Jahre, kippelt mit seinem Stuhl. Die Erzieherin warnt: „Hannes, lass’ das sein! Du fällst vom Stuhl und tust dir weh!“
Hannes hört nicht auf sie und fällt kurze Zeit später wirklich vom Stuhl. Er erschreckt sich und stößt sich den Kopf an – eine logische Konsequenz aus seinem Verhalten, die kein Eingreifen der Erzieherin erforderlich machte. Wahrscheinlich hat Hannes daraus gekehrt, in Zukunft nicht mehr auf dem Stuhl herumzuturnen. Aber: Auch wenn er selber Schuld an seiner Situation ist sollte die Erzieherin ihn trotzdem trösten. Sätze wie: „Siehst du, ich habe es dir doch gesagt!“ oder: „Du brauchst jetzt nicht weinen, du bist selbst für deine blauen Flecken verantwortlich“ wären unangemessen hart und würden eine verbale Erniedrigung darstellen. Das Kind braucht jetzt Trost und der Schmerz ist Strafe genug.

Hier noch einmal die wichtigsten Fakten zu Strafen und logischen Konsequenzen zusammengefasst:
- Strafen sollten angekündigt werden und in einem angemessenen Verhältnis zum Fehlverhalten stehen,
- Strafen müssen unmittelbar auf das nicht erwünschten Verhalten folgen,
- Über das Strafmaß und die Strafdauer muss individuell entschieden werden. Berücksichtigt werden sollte das Alter des Kindes, seine Rolle in der jeweiligen Situation, sein Entwicklungsstand, die Vorgeschichte seines Verhaltens usw.
- Strafen funktionieren nur dann, wenn das Kind diese auch als solche empfindet,
- Logische Konsequenzen stehen in einem noch direkterem Zusammenhang mit dem Verhalten des Kindes, der Übergang zur Bestrafung ist jedoch fließend,
- Kollektivstrafen sind zu vermeiden,
- Konsequenzen auf Regelverstöße sollten im Idealfall gemeinsam mit den Kindern erarbeitet werden (Partizipation!) und müssen immer wieder im Hinblick auf ihre Wirksamkeit hin hinterfragt werden
- Strafen sollten nicht die erste Wahl sein, wenn es um Erziehungsmethoden geht. Lob, Motivation, das Aufzeigen von Konfliktlösungsstrategien und das Schaffen von Anreizen, das gewünschte Verhalten zu zeigen, sind bessere Maßnahmen

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