Fachkräftemangel in Kitas – können Studiengänge im Bereich Kindheitspädagogik der dramatischen Entwicklung entgegenwirken?

Seit 2011 bieten alle 16 Bundesländer Studiengänge im Bereich Kindheitspädagogik an. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen soll die vorschulische pädagogische Arbeit aufgewertet und die Betreuungsqualität in Krippen und Kitas verbessert werden. Neben Österreich ist Deutschland das einzige europäische Land, in dem ein Studium für pädagogische Fachkräfte im Elementarbereich  nicht obligatorisch ist. Ein weiterer wichtiger Grund für das wachsende Angebot neuer Studiengänge im pädagogischen Bereich ist der Versuch den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Die Politik möchte mehr Interessenten mit Fachabitur oder der allgemeinen Hochschulreife dafür gewinnen in Krippen und Kitas zu arbeiten. Doch ist diese Rechnung aufgegangen?

 

So viele Menschen wie nie arbeiten im elementarpädagogischen Bereich

Bereits im April 2017 hat die Weiterbildungsinitiative für frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) versucht diese Frage zu beantworten und entsprechende statistische Daten ausgewertet. Insgesamt ist die Zahl derjenigen Arbeitnehmer, die in der frühen Bildung arbeiten, aufgrund des Ausbaus der Kindertagesbetreuung stark angewachsen. Rechnet man Personen die in der Kindertagespflege tätig sind hinzu, so arbeiteten Mitte letzten Jahres 615.000 Menschen im elementarpädagogischen Bereich. Damit gehört die Branche gesamtwirtschaftlich gesehen zu den am stärksten wachsenden. Aber: Trotz dieser rasanten Entwicklung erwarten Experten, dass der Fachkräftemangel in Krippen, Kitas und anderen pädagogischen Einrichtungen in den nächsten Jahren nicht abnehmen, sondern eher noch größer werden wird. Obwohl zunächst die Zahl der ausgebildeten Fachkräfte, die eine Fachschule oder Hochschule mit der entsprechenden Qualifikation verließ stark anwuchs (55.000 Absolventen im Jahr 2017), ist für die nächsten Jahre ein Rückgang dieser Zahlen zu erwarten. Bereits im Schuljahr 2014/2015 begannen erstmals weniger junge Frauen und Männer eine Fachschulausbildung als im Vorjahr – in den Jahren zuvor sah der Trend noch anders aus.

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Der drohende Fachkräftemangel alarmiert Experten

Aber wie sieht es mit den Studiengängen im Bereich der frühen Kindheit aus – nimmt hier das Interesse zu? Leider ist auch das nicht der Fall: Seit 2015 stagniert die Zahl derjenigen Personen, die ein kindheitspädagogisches Bachelorstudium aufnehmen. Den Experten bereitet diese Entwicklung Kopfzerbrechen, denn der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder im Vorschulalter und damit nach ausgebildeten Fachkräften steigt noch stärker an als zunächst erwartet. Bis zum Jahr 2025 werden voraussichtlich 260.000 pädagogische Fachkräfte hinzukommen. Das reicht aus, um das Personal zu ersetzen, welches altersbedingt ausscheidet. Durch den Anstieg der Geburtenrate, durch die Zuwanderung und durch den gestiegenen Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren werden dennoch mehrere zehntausend Stellen nicht mit gut ausgebildetem Personal besetzt werden können. Gleichzeitig die Betreuungsqualität zu verbessern, etwa im Hinblick auf den Betreuungsschüssel, scheint unter diesen Umständen unmöglich zu sein. Die WiFF-Leiterin, Professorin Dr. Anke König, fordert das Einsetzen eines Modernisierungsprozesses in der Bildungsbranche. Um den komplexen pädagogischen Aufgaben sowie den Herausforderungen im Management-Bereich angemessen begegnen zu können sollten mehr Perspektiven für akademisch Qualifizierte geschaffen werden. Auch Menschen mit Migrationshintergrund sowie Männer müssten laut König noch stärker angesprochen werden. Die Betreuungsqualität hingegen könne nur durch vielfältige Möglichkeiten der Professionalisierung und der Spezialisierung  verbessert werden.

 

Es fehlen finanzielle Anreize und Möglichkeiten der Weiterqualifizierung

Insgesamt zeigt die Entwicklung, dass es nach wie vor für viele potentielle Fachkräfte nicht attraktiv ist im pädagogischen Elementarbereich zu arbeiten. Die Aufgaben werden anspruchsvoller und komplexer, die Erwartungshaltung größer. Das Gehalt hingegen entspricht immer noch nicht ansatzweise dem Lohnniveau von Lehrern. So lange keine Stellen geschaffen werden, die einen Studienabschluss voraussetzen, aber auch dementsprechend vergütet werden, wird sich an der schwierigen Situation wohl wenig ändern. Warum sollten Abiturienten ein Studium im pädagogischen Bereich aufnehmen, wenn sie später keine Stelle finden die auf ihre akademische Ausbildung zugeschnitten und angemessen bezahlt wird? Diese Frage sollten sich vor allem die Politiker stellen, denn andernfalls wird die Qualität in der frühen Bildung eher ab- als zunehmen.

Stand der Informationen: Februar 2018

Quelle:

https://www.weiterbildungsinitiative.de/aktuelles/news/detailseite/data/trotz-starkem-ausbau-kitas-stehen-vor-fachkraeftemangel/

 

 

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