Erzieherausbildung und Krippenpädagogik

Die Gebäude stehen, die Nachfrage nach Krippenplätzen ist hoch, doch wo sind die qualifizierten Betreuungskräfte für Kleinkinder?
Seit 2013 hat jedes Kind in Deutschland ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen rechtlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Daher wurden in den letzten fünf Jahren zahlreiche Krippen gebaut und zusätzlich Tagesmütter und -Väter ausgebildet, um den Bedarf decken zu können.
Trotzdem herrscht in vielen Regionen ein regelrechter Mangel an Erziehern. Vor allem in größeren Städten finden die Träger von Kitas und Kindergärten nicht mehr genügend qualifiziertes Personal. Erzieherinnen und Erzieher profitieren von dieser Situation, weil vor allem private Träger ein höheres Gehalt zahlen, um geeignete Betreuungskräfte zu finden und die Qualitätsstandards in ihren Einrichtungen aufrecht erhalten zu können.

Die Kleinkindpädagogik kommt in der Erzieherausbildung zu kurz

Je nach Bundesland dauert die Erzieherausbildung vier bis fünf Jahre. Pädagogisches Fachwissen soll vermittelt und mit praktischen Erfahrungen in sozialpädagogischen Einrichtungen verknüpft werden. Da bisher nur wenige Erzieher nach ihrer Ausbildung im U3-Bereich tätig waren, hat die Krippenpädagogik nur einen geringen Anteil am Lehrplan. Für Erzieher, die mit Kindern unter drei Jahren arbeiten möchten und vom Kindergarten in die Krippe wechseln ist das ein großes Problem. Sie arbeiten nach dem Motto "Learning by Doing", häufig fehlt es an konkretem Fach- und entwicklungspsychologischem Grundlagenwissen. Die Arbeit mit Kleinkindern und deren Eltern unterscheidet sich stark von der mit Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Fachkräfte, die ihre Wissenslücken schließen möchten, um den pädagogischen Anforderungen und gültigen Qualitätsstandards gerecht zu werden, sind darauf angewiesen mitunter kostspielige Fort- und Weiterbildungen zu besuchen. In Baden-Württemberg werden entsprechende Kurse an mehreren Fachschulen und Berufskollegs angeboten. Es ist zu überlegen, ob möglicherweise eine Spezialisierung während der Ausbildung sinnvoll erscheint.
Andernfalls wird die Erzieherin immer mehr zu einer Art universalen Fachkraft, von der verlangt wird möglichst flexibel zu sein. Die Grenzen des individuellen Lern- und Leistungsvermögens sind schließlich nicht unendlich weit gesteckt.
Die Bereitschaft, sich ständig fortzubilden, ist eine wichtige Voraussetzung für alle, die diesen Beruf ergreifen möchten. Doch niemand kann alle pädagogischen Bereiche und Anforderungen des Alltags mit Kindern professionell abdecken, ohne dass die Qualität der Arbeit leidet.


Qualifiziert, aber laut Gesetz keine pädagogische Fachkraft

Multiprofessionelle Teams sind in der freien Wirtschaft längst keine Seltenheit mehr. Nicht jeder kann in jedem Fachgebiet ein Experte sein, daher ergänzen sich Fachkräfte mit unterschiedlichen Ausbildungen und Qualifikationen optimal, wenn sie an einem Strang ziehen.
In sozialpädagogischen Bereichen sieht das ähnlich aus. In der Praxis bleibt dieser sinnvolle Ansatz aufgrund fragwürdiger Gesetze jedoch häufig Wunschdenken.
In den meisten Bundesländern gelten lediglich Erzieher mit staatlicher Anerkennung und einschlägiger Ausbildung als pädagogische Fachkraft. Daher können trotz des großen Mangels an Betreuungskräften keine Logo- oder Ergotherapeuten eingestellt werden, auch wenn es sich um integrative Einrichtungen handelt. Selbst Lehrer dürfen in der Regel nicht in Krippen oder Kindergärten arbeiten und in Nordrhein-Westfalen gilt die Kinderpflege-Ausbildung als Auslaufmodell.

Viele Experten fordern die Akademisierung der Erzieherausbildung

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland zu den wenigen Ländern, in denen Früh- und Elementarpädagogen nicht studieren müssen. In Skandinavien ist die Ausbildung für Erzieher schon vor Jahrzehnten akademisiert worden, dafür werden die jeweiligen Fachkräfte aber auch erheblich besser bezahlt als in Deutschland. Auch hierzulande werden seit einigen Jahren an mehreren Fachhochschulen Studiengänge für Frühpädagogik angeboten. Auf die Bezahlung der Erzieher wirkt sich dieses Studium allerdings bisher nicht positiv aus. Gleiches gilt im Übrigen für Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, die in Kindertageseinrichtungen tätig sind. Selbst für eine Leitungstätigkeit ist ein Studium nicht zwingend notwendig. In der Regel entscheiden Berufserfahrung und persönliche Kompetenzen darüber, ob eine pädagogische Fachkraft die Leitung einer sozialpädagogischen Einrichtung übernehmen kann.

Fazit: Die Erzieherausbildung in Deutschland scheint im Hinblick auf viele Aspekte nicht mehr zeitgemäß zu sein und den alltäglichen Herausforderungen im pädagogischen Alltag nicht länger gerecht zu werden. Eine stärkere Binnendifferenzierung der Ausbildung könnte Abhilfe schaffen, ebenso eine neue Definition des Begriffs der "pädagogischen Fachkraft" und eine bundesweit einheitliche Ausbildung.
Eine Akademisierung der Ausbildung allein wird hingegen wohl nicht ausreichen, um Erzieher auf ihre vielseitigen und komplexen Aufgaben in der pädagogischen

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