Eltern kennen ihr Kind wie niemand sonst – pädagogische Fachkräfte erleben es hingegen täglich in einem anderen Umfeld. Genau deshalb sind regelmäßige Entwicklungsgespräche in der Kita unverzichtbar: Sie schaffen Klarheit, gleichen Beobachtungen ab und fördern eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Kinder verbringen oft mehr als die Hälfte ihres Tages in der Kita, wo sie spielen, lernen, soziale Erfahrungen sammeln und neue Fähigkeiten entwickeln. Dabei zeigen sie manchmal ein anderes Verhalten als zu Hause. Im Austausch erkennen Eltern und Erzieher*innen Gemeinsamkeiten und Unterschiede und können so die Entwicklung des Kindes optimal begleiten.
Das Entwicklungsgespräch ist damit ein Schlüssel zu einer echten Erziehungspartnerschaft und legt die Basis für die bestmögliche Förderung jedes einzelnen Kindes.
Inhalt
- Entwicklungsgespräche in der Kita – die wichtigsten Fragen und Antworten vorweg
- Wie gelingt die Vorbereitung auf das Entwicklungsgespräch?
- Welche Einstiege eignen sich für ein Entwicklungsgespräch in der Kita?
- Was sind wichtige Themen für ein Entwicklungsgespräch in der Kita? Beispiele aus der Praxis
- Welche Hürden und Probleme erschweren die Durchführung von Entwicklungsgesprächen?
- Was passiert nach dem Entwicklungsgespräch in der Kita?
- Weitere Praxistipps zur Durchführung von Elterngesprächen in der Kita
- Und zum Schluss: Unsere kostenlose Entwicklungsgespräch Kita- Vorlagen als PDF
Entwicklungsgespräche in der Kita – die wichtigsten Fragen und Antworten vorweg
1.Was ist ein Entwicklungsgespräch in der Kita?
Ein Entwicklungsgespräch findet in regelmäßigen Abständen statt und dient dem Austausch zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften. Inhaltlich geht es um die Entwicklung des jeweiligen Kindes – was kann es schon? Wo liegen seine Interessen? Welche Herausforderungen muss es noch meistern? Abzugrenzen ist das Entwicklungsgespräch von anderen Formen des Gesprächs zwischen Kita und Elternhaus beispielsweise dem Aufnahme- oder Erstgespräch, dem Tür-und-Angel-Gespräch, dem Konfliktgespräch, dem Eingewöhnungs- und Abschlussgespräch.
2. Wie oft findet ein Entwicklungsgespräch statt?
Das Entwicklungsgespräch findet mindestens einmal im Jahr statt. Bei Kindern unter drei Jahren oder dann, wenn ein besonderer Förderbedarf besteht, ist es sinnvoll alle sechs Monate den Austausch mit den Eltern zu suchen.
3.Wie lange dauert ein Entwicklungsgespräch?
Ein Entwicklungsgespräch in der Kita sollte idealerweise zwischen 30 und 45 Minuten dauern. Besteht darüber hinaus noch Gesprächsbedarf sollte lieber ein Folgetermin vereinbart werden.
4.Wer nimmt an einem Entwicklungsgespräch teil?
Am regelmäßigen Entwicklungsgespräch nimmt mindestens ein Elternteil und eine pädagogische Fachkraft teil. Meist übernimmt der/die Bezugserzieher*in diese Aufgabe. Häufig ist es sinnvoll, wenn eine zweite Fachkraft die Protokollführung übernimmt. Manchmal muss ein Dolmetscher hinzugezogen werden, zudem kann es sinnvoll sein auch Therapeuten oder Sozialpädagogen mit einzubeziehen, die in der Familie tätig sind.
5.Sind Entwicklungsgespräche in der Kita Pflicht?
Alle Kita-Gesetzte der einzelnen Länder schreiben explizit einen regelmäßigen Austausch über die Entwicklung des Kindes mit den Eltern im Sinne einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft vor. Genauere Informationen sind in den einzelnen Gesetzestexten nachzulesen.
Wie gelingt die Vorbereitung auf das Entwicklungsgespräch?
Bevor du die Eltern zum Entwicklungsgespräch einladen kannst, solltest du dich auf das Gespräch vorbereiten. Wichtige Handlungsschritte im Vorfeld:
- Ausfüllen von Entwicklungs- und Beobachtungsbögen,
- Freie Beobachtung des Kindes in verschiedenen Situationen und Anfertigung von Notizen als Gesprächsgrundlage,
- Austausch mit anderen pädagogischen Fachkräften und ggf. Therapeuten über die Entwicklung des Kindes: Sie haben möglicherweise Dinge beobachtet, die dir entgangen sind
- Anfertigung eines Gesprächsleitfadens (stichpunktartig) auf der Grundlage folgender Fragen:
• Womit beschäftigt sich das Kind am liebsten?
• Wer sind seine bevorzugten Spielpartner*innen?
• Wie kommuniziert das Kind?
• Wie verhält es sich im Umgang mit Kindern und Erwachsenen?
• Was sind die aktuellen Interessen des Kindes?
• In welchen Bildungsbereichen macht das Kind gerade Entwicklungsfortschritte?
• Welche Lernfelder gibt es? Welche Herausforderungen hat das Kind zu bewältigen?
• Welche Fragen hat die Kita an die Eltern? Welche Entwicklungsziele gibt es?
- Heraussuchen von Material, welches die Entwicklung des Kindes veranschaulichen kann, beispielsweise Spiel- und Lernmaterial, Fotos, Bilder und Bastelarbeiten
- Festlegung des Gesprächstermins in Absprache mit den Kolleginnen und Kollegen
- Unmittelbar vor dem Gespräch: Vorbereitung des Raumes (lüften, Getränke bereitstellen, Material und Notizen bereitlegen)
Tipp: Manche Kitas orientieren sich im Hinblick auf Entwicklungsgespräche an der üblichen Vorgehensweise an Schulen und bieten Elternsprechtage an. Das hat den Vorteil, dass die Eltern sich selbst für einen Gesprächstermin eintragen. Zudem ist die Zeitspanne für das Gespräch vorgegeben. Der Nachteil: Findet das Gespräch außerhalb der Kita-Öffnungszeiten statt müssen die Eltern eigenständig die Betreuung ihres Kindes organisieren.
Nimm gerne auch unsere Checkliste für das Entwicklungsgespräch zur Hilfe. Du kannst sie hier kostenlos herunterladen.

Welche Einstiege eignen sich für ein Entwicklungsgespräch in der Kita?
Zunächst begrüßt du die Eltern und bedankst dich für ihr Kommen. Danach nehmen alle Platz - warte, bis sich die Eltern hingesetzt haben, bevor du dir selbst einen Platz in dem von dir vorbereiteten Raum aussuchst.
Nun gilt es einen guten Einstieg in das Gespräch zu finden. Um Vertrauen zu schaffen und zunächst die Eltern zu Wort kommen zu lassen kannst du dich erkundigen, ob die Eltern irgendwelche Fragen oder Anliegen haben, die ihnen wichtig sind.
Alternative Gesprächseinstiege könnten sein:
- „Sie wissen ja, dass wir mit allen Eltern regelmäßig über die Entwicklung ihrer Kinder sprechen. Ich bin schon sehr gespannt zu erfahren, was Manuel zu Hause über die Kita erzählt.“
- „Schauen Sie mal, was Leyla gestern gemalt hat. Sie wollte unbedingt, dass ich Ihnen das Bild zeige. Man erkennt schon sehr gut, dass sie bereits detailreich malt und ein Körperschema entwickelt hat.“
- „Vor ein paar Tagen ist mir aufgefallen, dass Henry schon vier Monate in der Sonnenblumengruppe ist. In dieser Zeit hat er sich enorm weiterentwickelt.“
Wichtig ist, dass die Eltern wissen, warum sie zum Gespräch eingeladen wurden. Daher sollten pädagogische Fachkräfte zu Beginn erklären, dass regelmäßige Entwicklungsgespräche für alle Kinder vorgesehen sind. Das nimmt Eltern die Unsicherheit.
Erläutere außerdem den Ablauf des Gesprächs sowie den zeitlichen Rahmen und erkläre, dass du die Inhalte protokollierst, damit Vereinbarungen schriftlich festgehalten werden können. Transparenz ist wichtig für erfolgreiche Entwicklungsgespräche in der Kita, stärkt das Vertrauen und bildet die Basis für eine erfolgreiche, stabile Bildungs- und Erziehungspartnerschaft.
Was sind wichtige Themen für ein Entwicklungsgespräch in der Kita? Beispiele aus der Praxis
Im Mittelpunkt eines jeden Entwicklungsgesprächs in der Kita steht das jeweilige Kind. Idealweise tauschen sich Eltern und pädagogische Fachkräfte darüber aus, wie sie das jeweilige Kind erleben – in der Kita und zu Hause.
Das Entwicklungsgespräch findet regelmäßig statt, so dass Ergebnisse des Entwicklungsprozesses besprochen und festgehalten werden können. Wichtige Fragen und Themenschwerpunkte für das Entwicklungsgespräch könnten sein:
- Aktuelle Interessen und Vorlieben des Kindes: Womit beschäftigt es sich zu Hause gerne? Wie sieht sein Spielverhalten in der Kita aus?
- Wo liegen die Stärken des Kindes?
- In welchen Bildungsbereichen (Sprache, Naturwissenschaften, Mathematik, Bewegung usw.) hat es sich seit dem letzten Gespräch weiterentwickelt? Was hat sich seitdem verändert?
- Wie interagiert das Kind mit anderen Kindern und Erwachsenen? Hat es Freunde bzw. feste Spielpartner? Kann es seine Bedürfnisse äußern und um Hilfe bitten? Sucht das Kind eher den Kontakt zu Gleichaltrigen, zu jüngeren Kindern oder zu Erwachsenen?
- Löst sich das Kind in der Bringsituation leicht von seinen Bezugspersonen? Kommt es gerne in die Kita?
- Gibt es Entwicklungsbereiche, in denen das Kind möglicherweise einen erhöhten Förderbedarf hat? Decken sich die Beobachtungen der Kita mit denen der Eltern? An wen können sich Eltern im Hinblick auf das Stellen on Diagnosen und Therapiemöglichkeiten wenden?
Wichtig: Zu Beginn des Gesprächs solltest du zuerst positive Entwicklungen herausstellen und Stärken beschreiben. Zudem ist ein Entwicklungsgespräch nicht der geeignete Rahmen um gravierende Probleme anzusprechen, beispielsweise herausforderndes Verhalten oder den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung.
Welche Hürden und Probleme erschweren die Durchführung von Entwicklungsgesprächen?
Folgende Probleme können dir die Durchführung von Entwicklungsgesprächen in der Kita erschweren:
- Eltern erscheinen nicht/ verweigern die Kooperation
- Eltern sind unzufrieden
- Eltern zweifeln die Aussagen der Kita an („Zu Hause verhält sich unser Sohn nicht so.“)
Grundsätzlich gilt: Wenn Eltern der Einladung der Kita zu einem Entwicklungsgespräch nicht nachkommen, kann das zu Lasten des Kindes gehen – insbesondere dann, wenn möglicherweise ein therapeutischer Handlungsbedarf besteht, das Kind nur unregelmäßig in die Kita kommt, der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung im Raum steht oder wenn es Probleme innerhalb der Familie gibt. Wende dich dann unbedingt an die Kita-Leitung: Sie kann die Familie offiziell per E-Mail, telefonisch oder auf dem Postweg zum Gespräch einladen.
Stellt sich während eines Gesprächs heraus, dass Eltern unzufrieden sind mit der Arbeit der Kita solltest du ebenfalls vorschlagen, die Konfliktpunkte in einem weiteren Gespräch gemeinsam mit der Kita-Leitung durchzugehen – so gewinnst du Zeit und kannst dir Rückendeckung einholen.
Wenn Eltern deine Beobachtungen infrage stellen solltest du zunächst ruhig bleiben: Es kann sich um eine Schutzbehauptung handeln, dass sich das betreffende Kind zu Hause angeblich ganz anders zeigt als in der Kita. Die Aussage kann aber ebenso der Wahrheit entsprechen, denn das Verhalten eines jeden Menschen ist kontextbezogen und vom jeweiligen System abhängig, indem er sich aufhält und mit anderen interagiert. Zweifle daher die Aussage der Eltern nicht an, sondern signalisiere Verständnis: Eltern sind immer als Experten für ihr Kind anzusehen.
Was passiert nach dem Entwicklungsgespräch in der Kita?
Nach dem Entwicklungsgespräch in der Kita solltest du deine Beobachtungen, Aussagen der Eltern, sowie Fragen, Maßnahmen und Zielsetzungen in einem Protokoll übersichtlich festhalten.
Gib das fertige Protokoll den Eltern mit und bitte diese, sich alles in Ruhe noch einmal durchzulesen. Wenn es keine Beanstandungen gibt, unterschreiben alle am Gespräch beteiligten Personen das Protokoll. Dieses wird dann in der Kinderakte aufbewahrt, die Eltern erhalten eine Kopie.
Weitere Praxistipps zur Durchführung von Elterngesprächen in der Kita
Folgende Tipps können dir helfen ein Entwicklungsgespräch in der Kita professionell durchzuführen:
- Nutze Anschauungsmaterial, beispielsweise Spiel- und Lernmaterial, Fotos, Videos oder das Portfolio des Kindes. So können sich Eltern sich ein viel besseres Bild von der Entwicklung ihres Kindes machen – insbesondere dann, wenn das Kind noch nicht selbst in der Lage ist von seinen Erlebnissen in der Kita zu berichten.
- Beobachtungsbögen und andere Methoden zur Dokumentation von Bildungsprozessen können dir helfen, die Entwicklungsfortschritte des Kindes zu erfassen und zu belegen.
- Es ist immer angenehmer Entwicklungsgespräche zu zweit durchzuführen- eine pädagogische Fachkraft übernimmt die Gesprächsführung, die andere notiert in Stichpunkten alle wichtigen Gesprächsimhalte und ergänzt gegebenenfalls Informationen und Beobachtungen.
- Wenn du weißt, dass Eltern die deutsche Sprache nicht gut genug beherrschen, um dem Gespräch folgen zu können, bitte diese rechtzeitig für einen Dolmetscher zu sorgen. Es ist für die Eltern immer angenehmer, wenn sie Freunde oder Familienmitglieder für diese Aufgabe gewinnen können- es geht immerhin um den Austausch sehr persönlicher Informationen, die man möglicherweise nicht mit Fremden teilen möchte.
- Stelle möglichst gezielte, offene Fragen und erkundige dich immer danach, ob für Eltern noch Unklarheiten bestehen. Du kannst nicht voraussetzen, dass jeder sich mit den Strukturen und Ritualen einer Kita auskennt und sich mit der Konzeption auseinandergesetzt hat.
- Erkläre deine Beobachtungen zur Entwicklung des jeweiligen Kindes anschaulich und nutze Beispiele. Fachwörter solltest vermeiden oder, wenn das nicht möglich ist, sehr genau erläutern.
- Suche den Blickkontakt zu den Eltern, sprich deutlich und langsam. Bleibe stets freundlich und sachlich, versuche gleichzeitig, die Gesprächsatmosphäre angenehm und locker zu gestalten.
Und zum Schluss: Unsere kostenlose Entwicklungsgespräch Kita- Vorlagen als PDF

Wenn es darum geht Entwicklungsgespräche in der Kita professionell vorzubereiten, durchzuführen und zu protokollieren ist es sinnvoll auf fertige Vorlagen zurückzugreifen: Das erspart dir im stressigen Kita-Alttag sehr viel Zeit und Arbeit. Unsere Entwicklungsgespräch-Vorlagen für die Kita kannst du kostenlos herunterladen, ausdrucken und immer wieder verwenden!
