Vorbereitungszeit in Kita und Krippe – warum der „Dienst am Kind“ nicht ausreicht für eine gute pädagogische Arbeit

Wird es bei Lehrern als Selbstverständlichkeit angesehen, dass ein Teil ihrer Arbeitszeit der Vor- und Nachbereitung von Unterrichtsstunden gilt, geht man im Falle von Erzieherinnen eher davon aus, dass sie ihre Dienstzeit mit direktem Dienst am Kind zubringen. Doch wann sollen Portfolios geschrieben, Angebote und Projekte vorbereitet, Elterngespräche geplant, Beobachtungen ausgewertet werden? Wann hat die Erzieherin Zeit, um in einer Fachzeitschrift zu blättern? Wie sieht es mit Einkäufen, Besprechungen, usw. aus? Viele Erzieherinnen stehen für alle diese Dienste außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit zur Verfügung. Noch immer gibt es Einrichtungen, in denen Einkäufe und Besorgungen nicht als Dienstzeit gelten. Von Vorbereitungszeit wollen viele Träger gar nichts wissen und auch Eltern reagieren leicht verschnupft, wenn eine Erzieherin ihre Verfügungszeit einfordert. Da stellt sich doch direkt die Frage: Sprechen wir Lehrern die Zeiten auch ab? Sicher nicht. Und deshalb sollten auch Erzieherinnen für ihre Vorbereitungszeit einstehen. Dabei gilt es, sich als Team zu positionieren, die Wichtigkeit dieser Zeiten außerhalb der Kinderschar herauszustellen und vor allem auch aufzuzeigen, dass alle Seiten von diesen Zeiten profitieren. Leider gibt es bisher keine bundeseinheitliche Regelung für die Verfügungszeiten und in keinem deutschen Bundesland einen Rechtsanspruch. In einigen Arbeitsverträgen sind Verfügungszeiten benannt. Diese gelten jedoch häufig nur für die (Gruppen)-Leitung.

 

Verfügungszeiten von Erzieherinnen und Erziehern aus rechtlicher Sicht

Es steht außer Frage, dass gut durchdachte pädagogische Arbeit nicht ausschließlich durch den intuitiven „Dienst am Kind“ geleistet werden kann. Vielmehr braucht es Vor- und Nachbereitungszeiten, in denen sich Erzieherinnen zurückziehen können, um Gespräche zu planen, Beobachtungen auszuwerten, etc. In manchen Arbeitsverträgen sind diese Verfügungszeiten mit einkalkuliert. Viele andere hingegen beinhalten sie nicht. Für alle Erzieherinnen, die keine arbeitsvertragliche Regelung vorweisen können, besteht demnach kein Rechtsanspruch auf Verfügungszeit. Anders ist es bei denen, die es im Arbeitsvertrag stehen haben. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Diskussion um den Bildungsauftrag von Kitas zu einem ersten Umdenken bei Trägern führt und einige mittlerweile nachträgliche Ergänzungen zu den Arbeitsverträgen ihrer Mitarbeiterinnen eingefügt haben. Schau also zunächst einmal in deinem Vertrag nach, wie es bei dir geregelt ist.Selbst wenn es nicht speziell im Vertrag geregelt ist, kannst du gemeinsam mit deinen Kollegen versuchen, Freiräume für jede einzelne Fachkraft zu schaffen, in denen diese ihre Vorbereitungszeit nehmen kann. Dabei solltest du allerdings immer im Hinterkopf behalten, dass ohne eine feste vertragliche Regelung kein gesetzlicher Anspruch besteht.

 

Verfügungszeiten gehören zum ErzieherInnen-Job

Keine Zeit für Vorbereitungszeit?

Personalmangel wird häufig als Grund für ausgefallene Vorbereitungszeit angegeben. Doch dieser Grund zählt nicht. Immerhin – und auch hier müssen die Lehrer wieder als Beispiel herhalten – wird in den Schulen die Anwesenheitsdauer der Lehrer auch nicht verlängert, nur weil Kollegen ausfallen. Mit einem gut strukturierten Dienstplan lassen sich Vor- und Nachbereitungszeiten fast immer einhalten. Auch dann, wenn Personal fehlt. Dieses fehlende Personal darf nicht der Grund für schlechtere pädagogische Arbeit sein. Mit fehlenden Vorbereitungszeiten in der Kita geht aber automatisch auch Qualitätsverlust einher. Wer keine Zeit hat, seine Arbeit zu reflektieren, neue Impulse aufzunehmen und zu planen, kann sich nicht weiterentwickeln. Stillstand heißt Rückschritt. Auch und gerade in der pädagogischen Arbeit mit Kindern. Hier gilt also das klare Plädoyer für alle Erzieherinnen und Kita-Leitungen für die Verfügungszeit zu kämpfen und Träger und Eltern zu überzeugen.

 

Feierabend ist nicht Verfügungszeit

Damit du als Fachkraft wahrgenommen wirst und deine Professionalität herausstellst, musst vor allen Dingen Folgendes klar machen: NEIN, ich gehe nicht nach Dienstschluss einkaufen. Ich führe keine Dienstgespräche nach der Arbeit und wenn ich mich mit Fachliteratur eindecke, dann, weil ich es für mich tue. Niemand kann von mir verlangen, dass ich außerhalb meiner bezahlten Arbeitszeit, Projekte vorbereite, Portfolios von Kindern bearbeite oder ein Elterngespräch plane. Ich bin Arbeitnehmerin mit einer vorgegebenen Dienstzeit. Danach bin ich Hausfrau, Mutter, Ehefrau, Freundin, Bekannte, Mensch. Aber nicht dem Dienst verpflichtet. Dafür stehe ich aber pünktlich zu Dienstbeginn meinem Arbeitgeber wieder mit vollem Einsatz zur Verfügung. Nur erwarte ich einen ebenso professionellen Umgang mit mir als Fachkraft. Dazu gehört auch, mir Vorbereitungszeit während meiner Dienstzeit einzugestehen und diese im Dienstplan zu verankern.

 

Klare Regeln für die Vor- und Nachbereitungszeit in der Kita

Die Verfügungszeiten in der Kita müssen von der Leitung in Absprache mit dem Träger so in den Dienstplan etabliert werden, dass sie zum Alltag dazugehören. Alle Planungen, die durch das Fehlen einer Fachkraft schon wieder zunichte gemacht werden, sind nutzlos und helfen niemandem. Daher gilt es, ein genaues Augenmerk auf die Dienstplangestaltung zu legen. Gute Zeiten zur Vor- und Nachbereitung sind außerhalb der Stoßzeiten, in denen viele Kinder betreut werden müssen. Setze dich mit deinem Team zusammen und organisiere ein Brainstorming zu den verschiedenen Fragen, die bei der Planung zur Vorbereitungszeit aufkommen:

 

• Was will ich während der Verfügungszeit erledigen?

• Wo würde ich meine Verfügungszeit am liebsten verbringen?

• Welche Zeiten halte ich für sinnvoll?

• Wo finde ich Zeiten im Dienstplan, die unser Team als Verfügungszeit nutzen könnte? Warum?

 

Gut ist, wenn jede Erzieherin diese Frage erst einmal für sich selbst beantwortet und dann im Teamgespräch an die Auswertung erfolgt. Was brauche ich? Was wollen wir erreichen? Und welchen Stellenwert hatte die Vorbereitungszeit bisher in unserer Arbeit?

 

Den Dienstplan in der Kita effektiv gestalten

Sicher, die Dienstplangestaltung ist Sache der Kita-Leitung und sie ist am Ende auch dafür verantwortlich, dass alles funktioniert. Trotzdem ist es besonders wichtig, das Team in die Planung einzubeziehen. Viele Augen sehen einfach mehr. Und vielleicht hat die Leitung in manchen Dingen auch einen anderen Blick auf die Situation, als die Erzieherin. Gerade bei freigestellten Leitungen fehlt hin und wieder der Einblick in die konkreten Anforderungen in einer Gruppe oder einem Projektraum. Es kann durchaus möglich sein, dass ein Projektraum in einer offenen Einrichtung zu verschiedenen Uhrzeiten stark frequentiert ist, zu anderen Zeiten hingegen weniger. Da wäre es doch bestens, die zuständige Erzieherin dann in die Vorbereitungszeit zu schicken, wenn der Raum problemlos von der Kollegin allein geführt werden kann. Um herauszufinden, welche Zeiten für die Kolleginnen in den einzelnen Gruppen oder Funktionsräume sinnvoll und angebracht sind, lohnt sich eine Analyse der Ist-Situation. Hierfür sammelt das Team Zahlen und Fakten über einen Zeitraum von etwa vier Wochen. Folgende Fragen können dafür eine Orientierung bieten:

• Wie viele Kinder sind wann in welcher Gruppe anwesend?

• Von wie vielen Eltern wurde ich wann angesprochen?

• Wann sind Besucher in der Einrichtung?

• Zu welchen Tages- und Wochenzeiten werden besondere Aktivitäten durchführt?

• Wann sind Kollegen allein in einem Gruppenraum? Wann zu zweit oder sogar zu dritt?

Jeder nimmt anschließend seine Auswertungen mit ins Teamgespräch und anschließend entscheidet jede Gruppe getrennt, welche Zeiten als Verfügungszeiten dienen könnten. Im Anschluss daran liegt es bei der Leitung, sich die Auswertungen genau anzuschauen und die entsprechende Planung vorzunehmen. Nachdem ein Dienstplan gestaltet wurde, lohnt es sich in jedem Fall, erneut im Team darüber zu reden und mögliche Änderungen gemeinsam anzugehen.

 

Klare Ansage an den Träger

Trägervertreter, gerade dann, wenn sie ehrenamtlich tätig sind oder aus einem Bürojob kommen, können die vielen Hintergründe, die es bei der Planung von Vorbereitungszeiten zu berücksichtigen gibt, nicht immer nachvollziehen. Daher gilt es Klarheit zu schaffen und den Träger für das Anliegen zu sensibilisieren. Meist hilft es schon, wenn jemand sagt: „Naja, den Einkauf können Sie doch aber schnell auf dem Heimweg noch erledigen.“ so zu reagieren: „Klar kann ich das. Und wie oft haben Sie Ihr Druckerpapier schon nach Dienstschluss besorgt?“ Wird den Verantwortlichen der Spiegel vorgehalten und gelingt eine klare Positionierung, dann trägt das auch dazu bei, dass Erzieherinnen nicht als „spielende Kindergartentante“ wahrgenommen werden, sondern als die Fachkraft.

 

Vor- und Nachbereitungszeiten sind wichtige Aspekte in der Erzieherarbeit

Von kluger Planung der Verfügungszeiten für die Erzieherinnen profitiert am Ende die gesamte Einrichtung. Erzieherinnen, die wissen, dass sie für ihre pädagogischen Planungen entsprechend Zeit zur Verfügung haben, können sich in vollem Maße den Kindern widmen, wenn „Dienst am Kind“ ansteht. Wer aber ständig gehetzt ist, weil noch zig Sachen erledigt werden müssen, ohne dafür Zeit zu haben, brennt aus. Nicht zuletzt das sind Gründe für häufig auftretende psychische Belastungsreaktionen im Bereich der Kita-Erzieher. Verwaschene Dienstzeiten durch Arbeiten, die von Zuhause aus erledigt werden, sorgen für Frust und wenig Gelegenheit, auszuspannen. So beginnt oft ein Teufelskreis, aus dem manch eine Erzieherin sich kaum mehr befreien kann. Kinder brauchen Erzieherinnen, die für ihren Job und ihre wichtige Aufgabe brennen. Man kann aber nur für etwas brennen, wenn man auch Zeit hat, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

 

Was mache ich in der Vorbereitungszeit?

Vielleicht kennst auch du Kolleginnen, die nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Da kommt auch die Frage auf, was sie mit der zugeteilten Verfügungszeit anfangen sollen. Gerade in Einrichtungen, in denen diese Zeiten neu eingerichtet werden, gibt es diese Fragen gar nicht so selten. Auch hier kann das Teamgespräch dazu genutzt werden genaue Ziele festzulegen, was die Vorbereitungszeit bringen und welche Situationen vermieden werden sollen: Es ist nämlich ein No-Go in der Gruppe zu sitzen und an einem Portfolio zu arbeiten, während man eigentlich Dienst am Kind hat. Das gilt selbstverständlich auch für private Erledigungen während der Vorbereitungszeit. Sinnvoll ist es Ziele festzulegen und immer wieder gemeinsam zu reflektieren, ob diese auch eingehalten werden. Mögliche Zielvorgaben können sein:

 

• Wir halten unsere Portfolios aktuell (im Rhythmus von spätestens zwei Monaten werden sie bearbeitet)

• Wir planen unsere Angebote immer eine Woche im Voraus, um Absprachen mit Kollegen treffen zu können

• Wir führen jede Woche mindestens eine Beobachtung durch, die wir während der Verfügungszeit auswerten

• Wir planen anstehende Elterngespräche mindestens eine Woche vorab

• Wir planen unsere Projekte immer eine Woche vorab

• Wir nutzen die Verfügungszeit zur Nachbereitung von Festen, Feiern, Elternabenden, besonderen Veranstaltungen

 

Wer seine Vorbereitungszeit als Erzieherin so nutzt, kann auch auf kritische Bemerkungen von Eltern entsprechend reagieren. So wirkst du kompetent und beweist eine professionelle Arbeitshaltung.



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