Hier spielt die Musik - Musikalische Früherziehung in Krippe und Kita

Musik im Kindergarten

Die musikalische Früherziehung ist ein wichtiger Baustein in der frühkindlichen Bildung und Erziehung. In nahezu allen pädagogischen Konzeptionen und Rahmenprogrammen spielt die musikalische Früherziehung MFE eine große Rolle und dies bereits seit Langem. Berühmte Pädagogen wie Johann Amos Comenius, Friedrich Fröbel, Carl Orff oder Emile Jaques-Dalcroze nutzten die entwicklungsfördernde Wirkung von Musik für ihre Konzepte. Insbesondere für junge Kinder ist das Zusammenspiel von Bewegung, Sprache, Melodie und Rhythmus von enormer Wichtigkeit für die geistige und körperliche Entwicklung.

Comenius legte in seiner „Schule der frühen Kindheit“ besonderes Augenmerk auf das Singen und Lernen von Versen und Reimen. Er begründete unter anderem auch die Idee des lebenslangen Lernens

Friedrich Fröbel veröffentlichte seine Mutter- und Koselieder 1844, eine Sammlung von Liedern und Fingerspielen für Mütter von kleinen Kindern. Seine Sing-, Tanz- und Bewegungsspiele sind in vielen Kindereinrichtungen fest im Alltag integriert.

Carl Orff verdeutlichte den engen Zusammenhang von Musik und Bewegung in der frühen Musikerziehung. Er entwickelt eine elementare Musik, die nicht als Hörer sondern durch aktives Mitspielen, durch Bewegung, Tanz und Sprache erlebbar wird. Sie soll für alle zugänglich und kindgemäß sein.

Emile Jaques-Dalcroze entwickelte die Methode der rhythmisch-musikalischen Erziehung. Die rhythmische Gymnastik verbessert die Musikalität, die motorische Wendigkeit, die Konzentration, das Gedächtnis, die Achtsamkeit und die Fantasie. Die Bewegungen werden angesagt und werden von den Kindern im Rhythmus der Musik ausgeführt.

 

Was ist musikalische Früherziehung im Kindergarten? 

Die MFE dient zur Vorbereitung auf einen späteren Musik- und Gesangsunterricht. Sie findet hauptsächlich im Alter zwischen vier und sechs Jahren statt. Sie fördert Intelligenz, Begabung, kreatives Verhalten und soziale Kompetenzen auf spielerische Weise.

Sie fördert unter anderem in folgenden Bereichen:

- Musik

- Bewegung und Tanz

- Singen und Sprechen

- Rhythmik

- Gehörbildung

- Grundlagen des instrumentalen Spieles

- Soziale Komponenten

 

Eine Stimmschulung oder das Erlernen eines Instrumentes ist nicht das eigentliche Ziel der musikalischen Früherziehung im Kindergarten. Die Förderung eines grundlegenden Musikverständnisses und die mit den oben genannten Aktivitäten erlangten Fertigkeiten, erleichtern jedoch oftmals einen späteren Gesangs-, Tanz- oder Instrumentalunterricht.

 

Warum ist sie wichtig aus pädagogischer Sicht? 

Aus der Hirnforschung sind Zusammenhänge von Musik und Sprachentwicklung vielfach belegt. Gemeinsames Singen fördert die emotionale Bindung, schafft Vertrauen und hilft beim Lernen. Die Wiegenlieder der frühen Kindheit erzeugen Geborgenheit. Die Bewegung und der mütterliche Herzschlag werden bereits während der Schwangerschaft vom Kind wahrgenommen. Dieser Rhythmus wird mit den sanften Schaukelbewegungen in Erinnerung gerufen. Die Nähe und Wärme schaffen enge emotionale Bindungen. Mit dem Zusammenspiel von Worten, Melodie und Bewegung werden beide Gehirnhälften angeregt. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnen Kinder selbst zu singen, aus sich heraus. Sie drücken mit ihren Melodien ihre emotionale Befindlichkeit aus. Die Texte ergeben nicht immer einen Sinn, schulen jedoch den Sprachsinn, verbessern die Aussprache und erweitern den Wortschatz. Und sie sind voller Fantasie und Kreativität! Der nächste Entwicklungsschritt ist das Mitsingen von einfachen Melodien. Hier gibt es zahlreiche Beispiele von Fingerspielen und Kniereitern. Die Bewegungen der Hände und Finger ergeben ein kleines begleitendes Theaterstück zu den Versen. Das Gedächtnis wird trainiert. Dabei bestimmt das Kind das Lerntempo, nutzt seine Stärken. Lautmalereien werden von den Kindern begeistert aufgenommen und die entsprechenden Geräusche fördern wiederum die Lautbildung. Auch „Musik mit dem Körper“ verbindet das Singen mit Bewegung und schult die Koordination beim Klatschen und Stampfen. Handeln - Begreifen - Sprechen als komplexer Prozess ist grundlegend für die Intelligenzentwicklung. Im Gehirn werden Synapsen neu gebildet, was sich auch positiv auf spätere Schulleistungen auswirkt. Die interaktive Kommunikation mit der sozialen Umwelt wirkt hierbei prägend. Was direkt zu den Sozialkompetenzen führt, die durch MFE gefördert werden.Hören und Zuhören ist für das gemeinsame Singen und Musizieren unerlässlich. Auch die Möglichkeit der Präsentation eigener Kreationen, gefundener Töne oder Melodien ist vorhanden. So können Entdeckungen geteilt werden und Erfahrungen mit den „Zauberblumen“ gemacht werden. Nach Rafik Schami sind Töne empfindliche Zauberblumen, die erst in den Ohren der anderen zu wachsen beginnen. Will keiner zuhören, verwelken die Töne, sobald sie gespielt sind. Das bedeutet für die musizierenden Kinder, auf die Ohren der anderen zu achten.

 

Was kann inhaltlich bei der MFE gemacht werden? 

Eine inhaltliche Orientierung bietet der Bildungsplan Musik für die Elementar- und Grundstufe des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM). Der Bildungsplan ist in die folgenden sechs Bereiche gegliedert: Singen, Instrumentalspiel, Bewegung, Wahrnehmen/Erleben, Denken und Symbolisieren, Verbinden von Musik mit anderen Ausdrucksformen Die methodisch-didaktischen Ansätze der MFE ergeben einen Überblick über die vielfältigen inhaltlichen Möglichkeiten:

 

Gesang - Kinderlieder, Bewegungslieder, rituelle Lieder, Improvisation

Sensibilisierung des Gehörs - Geräusch- und Klangerzeugung mit unterschiedlichen Materialien,

Wahrnehmungsaufgaben zu Livemusik oder Tonträgern (Bewegung, Tanz, Hören)

Instrumente (Solo, Duo, Gruppe) verwenden in Klanggeschichten, zur Liedbegleitung, zur Improvisation, Wahrnehmung 

Tanz und Theater improvisiert oder geplant und geprobt 

Wahrnehmung - auditive Wahrnehmung, Traumreisen, Stilleübung, Raumwahrnehmung 

Sprache/Stimme - Verse, Reime, Fingerspiele, Gedichte, rhythmisierte Sprache, Atmung 

 

Im Kindergarten gibt es die Möglichkeit zur musikalischen Früherziehung im Rahmen der Tagesstruktur. Morgen- oder Stuhlkreise bieten Gelegenheit zur Einführung oder Erprobung neuer Inhalte. Lieder und Gedichte können vorgetragen, Instrumente vorgestellt werden. Über Musik sprechen, verdeutlicht die Wirkung auf sich und andere. Zur Erprobung von Instrumenten, beispielsweise des Elementaren Instrumentariums von Carl Orff, ist eine Kleingruppe empfehlenswert. Die Nutzung von Ritualen, wie Begrüßungs- und Verabschiedungslieder, Schlaflieder oder Feiern schaffen Sicherheit und Struktur im Kindergartenalltag. Musik kann anregen zu Bewegung und Tanz oder eine schöpferische Konzentration schaffen, um dabei zu malen oder zu träumen. Die MFE kann ein fester Bestandteil in der Wochenplanung sein, wie eine Musikstunde. Die Instrumente können erprobt werden, frei gespielt oder im Zusammenspiel wie ein Orchester erklingen.

 

Welche Materialien braucht man? 

So breit wie das Feld der MFE ist auch das mögliche Material. In Klanggeschichten lassen sich beispielsweise Geräusche mit Alltagsmaterialien wie raschelndes Papier, Flaschen in die gepustet wird, Kartons an die geklopft wird, klappernde Schlüssel und alles, was mit der Stimme oder Händen und Füßen an Geräuschen erzeugt werden kann, einbauen. Töne der Umwelt können erforscht werden: Wasser tropft, Sand oder Schnee knirscht beim Laufen, Türen quietschen, Tüten rascheln und das Atmen kann auch gehört werden. Instrumente können selbst gebastelt werden zum Beispiel aus kleinen Gefäßen die mit Gummibändern bespannt werden, Rasseln mit unterschiedlichen Füllungen, Trommeln aus Blumentöpfen mit Kleisterpapier bezogen und vieles mehr. Eine Rahmentrommel mit Erbsen gefüllt klingt bei sanfter Bewegung wie Meeresrauschen…Natürlich sind Instrumente verwendbar. Wenn die Orff-Instrumente vorhanden und den Kindern bekannt sind, können gemeinsame Klangerlebnisse erzeugt werden. Spielerisches Hörtraining kann angeboten werden, ordnen der Instrumente nach Klangarten, nach Tonlängen, nach Lautstärke….Die Verwendung von Tonträgern erfordert eine gezielte Auswahl und die jeweiligen Geräte zum Abspielen.

 

Was ist bei der Planung zu beachten? 

Kinder lernen am Beispiel und durch Probieren, auch in der musikalischen Früherziehung. Für beide Wege soll es Raum geben, für die kreative Erfahrung der Kinder ebenso wie für das angeleitete gemeinsame Musizieren. Die Möglichkeit zur Bewegung muss immer gegeben sein. Um spontane Aktionen zu unterstützen, können Musikinstrumente oder geräuscherzeugende Materialien so präsentiert werden, dass sie für die Kinder jederzeit erreichbar sind. Für zielgerichtete Aktionen können die Instrumente gemeinsam mit den Kindern ausgewählt werden Um Überforderung zu vermeiden, können Instrumente z. B. im Morgenkreis nach einander vorgestellt werden, dann von den Kindern erkundet werden. Sind alle Instrumente vorgestellt, können sich Hörübungen anschließen, Aufgaben zur Klanggestaltung, Begleitung zu Geschichten und große Projekte, wie Theateraufführungen können sich entwickeln. Bei aller Experimentierfreude ist ein achtsamer Umgang mit den Instrumenten zu fordern. Vereinbarte Spielregeln sind einzuhalten. Die Freude am Musizieren und die Liebe zur Musik anzuregen sind die Ziele der musikalischen Früherziehung im Kindergarten.

 

Wann ist es sinnvoll für die musikalische Früherziehung  externe Experten ins Haus zu holen, z. B. aus der örtlichen Musikschule?

Die musikalische Früherziehung im Kindergarten kann jedes Kind erreichen. Dabei geht es um die Grundlagen und die positiven Auswirkungen auf die Entwicklung der Sprache, der Koordination, der Konzentration, der Intelligenz. Für manche Kinder ergeben sich hier erste Kontakte zur Musik. Die pädagogische Fachkraft benötigt dafür nicht unbedingt musiktheoretische Kenntnisse oder muss über instrumentale Virtuosität verfügen. Die Kompetenz liegt hier vielmehr in Kreativität, Spontanität, Experimentierfreude und ganz besonders in der Empathie der Fremd- und Selbstbeobachtung, der sensiblen und wachen Wahrnehmung. Wenn die eigene Musikalität vermeintlich nicht ausreichend ist, ist es dennoch möglich, die Liebe zur Musik und die Freude am Musizieren zu vermitteln.

„Gestern haben wir das Lied anders gesungen!“ Hinter dieser kindlichen Aussage könnte ein musikalisches Talent sein und ein Grund, an eine intensivere musikalische Förderung zu denken.

Im Verband deutscher Musikschulen (VdM) sind etwa 950 öffentliche Musikschulen vertreten. Diese versorgen als Bildungspartner die Kindergärten, indem Musikschullehrkräfte im Kindergarten  breite musikalische Angebote vermitteln, bis hin zum Erlernen eines Instruments. Oftmals gibt es auch Fortbildungen für die Erzieher.

 

In diesem Sinn hier der Hinweis auf den bundesweiten „Musik in der Kita-Kongress“. Zum vierten Mal findet dieser Kongress Anfang November in der staatlichen Musikschule in Hamburg statt. Es werden die neuesten Erkenntnisse der musikalischen Früherziehung vermittelt und Praxisworkshops veranstaltet. Der Kongress ist besonders für Erzieher interessant, denn praktische Umsetzung steht im Mittelpunkt.



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