Verkehrserziehung im Kindergarten: Ziele und Anregungen für die Praxis

Verkehrserziehung Kindergarten

Bereits von Geburt an nehmen Kinder auch am Straßenverkehr teil – zunächst beschützt von Erwachsenen, doch mit zunehmendem Alter immer selbstständiger. Die Verkehrserziehung im Kindergarten hat daher zum Ziel die Kinder frühzeitig auf ein sicheres Verhalten im Verkehr vorzubereiten, denn spätestens dann, wenn sie den Schulweg alleine bewältigen müssen sollten Kinder sich im Straßenverkehr zurecht finden.

Warum Verkehrserziehung im Kindergarten wichtig ist - Ziele und Grundlagen

Der Bildungs- und Erziehungsauftrag im Kindergarten beinhaltet, dass Kinder lernen selbstständig zu werden und Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Und damit müssen die Kinder auch auf die Teilnahme im Straßenverkehr vorbereitet werden. Denn Kinder nehmen im Laufe ihres Lebens immer intensiver als Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr teil. Marie darf vielleicht schon mit fünf Jahren alleine zu ihrer Oma laufen, die nur drei Häuser weiter wohnt. Und Linus spielt immer öfter mit seinen Freunden aus der Nachbarschaft in der Anliegerstraße. Marlon traut sich als Vorschulkind schon alleine zum Bäcker und spätestens mit dem Schulbeginn müssen die Kinder ihren Schulweg meistern können. Damit sie in all diesen Situationen wichtige Verkehrsregeln kennen, sich angemessen verhalten und Gefahren einschätzen können, ist die Verkehrserziehung für Kindergartenkinder so wichtig. Die pädagogischen Feinziele sind dabei:

Die Kinder

  • kennen wichtige Verkehrsregeln.
  • kennen die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer.
  • nehmen den Straßenverkehr ernst.
  • kennen die Gefahren des Straßenverkehrs.
  • können die Gefahren in unterschiedlichen Situationen wahrnehmen.
  • wissen, wie sie auf Gefahren reagieren können.
  • haben eine ausreichende Konzentration und Reaktionsfähigkeit.
  • sind motorisch in der Lage am Straßenverkehr teilzunehmen.

Verkehrserziehung im Kindergarten: Anknüpfungsmöglichkeiten an die Lebenswelt der Kinder

Eine altersgerechte Verkehrserziehung ist Bestandteil aller Bildungs- und Erziehungspläne der einzelnen Bundesländer. Dem Thema Verkehr kann man sich durch dessen Lebensnähe auf viele verschiedene Arten nähern, denn sobald Kinder aus dem Haus treten werden sie damit konfrontiert. Verkehr gibt es überall, schon im Kleinkindalter werden die Kinder selbst zu Verkehrsteilnehmern. Die meisten Vierjährigen können heute bereits Fahrrad fahren, vorher sind Rutschautos, Dreiräder und Roller beliebt.

Die Verkehrserziehung kann das ganze Kindergartenjahr hindurch immer wieder Thema sein oder als Projekt intensiv angeboten werden. Sie kann angepasst werden an kleinere Kindergartenkinder oder an Vorschulkinder.

Letztere sollten sich mit Blick auf die bevorstehende Einschulung intensiver mit dem Thema auseinandersetzen, damit sie in der Lage sind ihren Schulweg eigenständig zu meistern. Doch bereits mit den Kleinsten lassen sich erste Schritte innerhalb der Verkehrserziehung aufgreifen.

Mögliche Themenschwerpunkte der Verkehrserziehung im Kindergarten im Überblick:

- Verkehrsteilnehmer
Welche gibt es (Fußgänger, Fahrradfahrer, Autos, LKWs, Motorrad etc.)? Wie gut geschützt sind die einzelnen Verkehrsteilnehmer? Was sind besondere Gefahren?

- Gefahren im Straßenverkehr
Wo drohen Gefahren? Was kann passieren? Welche Besonderheiten gibt es in welcher Jahreszeit?

- Passender Eigenschutz im Straßenverkehr
Welche Kleidung kann mich schützen? Welche Hilfsmittel gibt es? Wie ist ein Laufrad- oder Fahrradfahrer am besten geschützt?

- Verkehrsregeln und Verkehrsschilder
Wie verhalte ich mich an einer Kreuzung, Ampel oder auf dem Gehweg? Was sind die wichtigsten Verkehrszeichen?

- Motorik, Konzentration und Reaktion für den Straßenverkehr
Die Kinder trainieren mit Übungen und Spielen ihre Fähigkeiten.

Die Verkehrserziehung in der Kita: Angebote methodisch und didaktisch vielseitig umsetzen

Für die Verkehrserziehung für Kindergartenkinder lässt sich die breite Methodenvielfalt der Pädagogik nutzen. Wichtig ist nur, dass die Kinder dort abgeholt werden, wo sie stehen und dass das Material beziehungsweise die Angebote altersgerecht und möglichst anschaulich gestaltet werden. Je ansprechender das Thema angegangen wird und je intensiver die Kinder daran beteiligt werden, desto größer wird der Erfolg sein. Und Erfolg bedeutet in diesem Fall, dass die Kinder wichtige Strategien und wichtiges Wissen rund um das Thema Straßenverkehr verinnerlicht haben. Es darf also gerne experimentiert und erfahren werden, damit die Inhalte möglichst gut abgespeichert werden.

- Bilder bzw. Bilderbücher als Grundlage
Spielerisch, ansprechend und trotzdem intensiv: So sollten Angebote zur Verkehrserziehung im Kindergarten sein: Bilder zur Darstellung sind damit immer eine gute Wahl. Kinder können Bilder meist viel besser abspeichern als gesagte Worte. Die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer, typische Gefahrensituationen und passende Kleidung - fast alle Themen können mit Bildern oder didaktisch aufbereiten Bilderbüchern veranschaulicht werden. Ausmalbilder helfen dabei Inhalte zu festigen, im Gesprächskreis dienen Bilder als Erzählimpuls.

Doch es darf natürlich auch noch kreativer sein: Vielleicht entsteht ein eigenes Verkehrsbuch aus gemalten Bildern der Kinder oder es werden Fotos in der Nachbarschaft gemacht, die dann auf einer Projektwand angeordnet werden.

- Lernen im Spiel
Alle Pädagogen wissen: Spielen ist nicht nur spielen. Kinder lernen im Spiel für das weitere Leben. Sie können dabei probieren, erfahren und lernen durch ihre gemachten Erfahrungen. Deshalb sind für die Verkehrserziehung im Kindergarten Spiele und Fingerspiele geeignet. In Rollenspielen können die Kinder richtiges und falsches Verhalten ausprobieren und gemeinsam besprechen, Fingerspiele vermitteln wichtige Regeln und bleiben lange im Gedächtnis und körperliche Spiele können die Reaktion und Wahrnehmung verbessern während kognitive Spielinhalte die Konzentrationsfähigkeit ausbauen. Verkehrssituationen können auch mit Spielzeugautos oder Tretfahrzeugen nachgespielt werden.

- Ausflug in den Straßenverkehr
Vor allem für Vorschulkinder zur Vorbereitung auf den Schulweg ist es wichtig, auch durch die tatsächliche Teilnahme am Straßenverkehr zu lernen. Ein Ausflug im Rahmen der Verkehrserziehung mit Kindergartenkindern gehört daher einfach dazu. An Kreuzungen, an der Ampel, bei ruhendem Verkehr oder an der belebten Bundesstraße können die Erzieher und Kinder direkt vor Ort besprechen, welche Gefahren drohen und wie man sich richtig verhält. Solche praktischen Übungen und Ausflüge bleiben den Kindern oft sehr lange im Gedächtnis. Vielleicht gibt es sogar eine kleine Abschlussprüfung und eine Urkunde danach?

- Die Experten befragen
Die Verkehrserziehung im Kindergarten ist auch eine Aufgabe der Polizei. Ausgebildete Verkehrspolizisten kommen daher auf Anfrage in die Einrichtung und übernehmen einen Teil der Verkehrserziehung. Sie schildern aus ihrem Alltag, bringen Materialien mit, begleiten einen Spaziergang im Straßenverkehr oder schauen mit den Kindern spezielle Präventionsfilme an. Da Kindergartenkinder oft begeistert sind von der Polizei, werden sie diesem Besuch entgegenfiebern und sind bestimmt besonders motiviert.

- Elternarbeit
Neben der Arbeit mit den Kindern selbst, darf auch Elternarbeit in das Projekt einbezogen werden. Diese dient dazu, das Thema auch bei den Eltern bewusst zu machen und Wissen aufzufrischen. Oft ist es auch wichtig, dass Eltern frühzeitig damit beginnen Kinder selbstständig Erfahrungen machen zu lassen, damit diese im Straßenverkehr sicherer werden. Diese Themen können beispielsweise im Rahmen eines Elternabends, eventuell mit Beteiligung eines Verkehrspolizisten, angesprochen werden. Aber auch ein Eltern-Kind-Verkehrstraining am Nachmittag oder ein Thementag am Wochenende wäre denkbar.

Verkehrserziehung mit Kindergartenkindern: Ideen und Anregungen für die Praxis

- Verkehrsspiel: Ampel
Die Kinder laufen oder rennen durch die Turnhalle oder den Garten. Dabei müssen sie immer die Ampel (Erzieherin) im Blick haben. Diese hält einen grünen Ball, eine grüne Karte oder ein Tuch hoch. Wechselt das Signal auf rot (roter Ball, rote Karte, rotes Tuch) müssen die Kinder möglichst schnell in ihrer Position "einfrieren".
(Verbesserung der Konzentration, Festigung der Verkehrsfarben)

- Straßenverkehr im Außengelände
Im Garten wird mithilfe von Straßenmalkreide, Verkehrsschildern, Ampeln, Pylonen und Markierungen ein Parcours aufgebaut. Die Kinder müssen diesen absolvieren und dabei vorher besprochene Verkehrsregeln einhalten. Diese Übung eignet sich besonders auch für kleiner Kinder, die noch nicht bei einer Übung im tatsächlichen Straßenverkehr teilnehmen können.
(Einüben von richtigem Verkehrsverhalten)

- Kleidung wählen
Die Kinder erhalten eine große Kiste mit unterschiedlicher Kleidung und Ausrüstung. Sie sollen ein Kind mit der besten Kleidung für den Straßenverkehr ausstatten (für die Dunkelheit, den Winter, den Sommer, für das Fahrradfahren etc.)
(Eigenschutz kennenlernen)

- Den Verkehr beobachten
Alle Kinder stellen sich an eine Straße und beobachten ganz still für einige Minuten den Verkehr und alles, was sie sehen können. Im Anschluss wird gesammelt, was alles beobachtet wurde. Haben alle das Gleiche gesehen oder gibt es Unterschiede?
(Konzentrationsfähigkeit und Wahrnehmung verbessern)

- Verkehrsspiel: 3 Möglichkeiten
Die Erzieher stellen eine Situation im Straßenverkehr dar (als Rollenspiel, Bildkarte oder mit Spielzeugautos und Spielfiguren). Anschließend erhalten die Kinder drei Wahlmöglichkeiten, wie sich die Verkehrsteilnehmer richtig verhalten sollten. Diese Möglichkeiten hängen als Bilder an der Wand oder an einem Stuhl. Die Kinder sollen sich zu der Möglichkeit stellen, die sie für richtig halten.
(Kennenlernen von richtigem Verkehrsverhalten)

- Bei mir zu Hause
Die Kinder (und Eltern) erhalten als Hausaufgabe, eine Gefahrenquelle des Straßenverkehrs in der Umgebung des eigenen Zuhauses zu fotografieren, zu malen oder zu filmen. In der Projektgruppe werden diese Beispiele dann nach und nach besprochen: Warum ist diese Situation oder Stelle gefährlich? Wie verhält man sich dort falsch? Wie richtig?
(Gefahrenquellen kennenlernen und angemessenes Verhalten erlernen)

 

Weitere Informationen sowie Übungen zu verschiedenen Bereichen der Verkehrserziehung findest du hier:

https://verkehrserziehung.bildung-rp.de/fileadmin/user_upload/verkehrserziehung.bildung-rp.de/Kusel/JVS/GDV-Verkehrserziehung_leicht_gemacht.pdf

https://www.verkehrswacht-medien-service.de/kindergarten/verkehrserziehung-im-kindergarten/


Fazit: Die Verkehrserziehung als lebenspraktische und vielseitige Aufgabe in der Kita

Die Verkehrserziehung im Kindergartenalter ist fester und wichtiger Bestandteil im Kindergartenjahr. Doch die Pflicht wird durch die Vielzahl an Methoden und praktischen Möglichkeiten der Umsetzung in und außerhalb des Kita-Alltags zur abwechslungsreichen Selbsterfahrung für die Kinder und die ErzieherInnen.

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