Raumgestaltung in Krippe und Kita – von gewollter Unordnung und Strukturen im Wandel

Dass die Raumgestaltung in Krippen und Kitas ein großes Thema ist begreift jeder der im Netz nach nach entsprechenden Informationen sucht. Alleine in den letzten zehn Jahren sind zahllose Ratgeber und Fachartikel erschienen, in denen praktische Tipps zur Gestaltung von Gruppenräumen gegeben werden, die aber auch wissenschaftliche Aspekte zur Bedeutung von Raum- und Materialnutzung durch Kinder beleuchten. Bedingt durch die Tendenz eine größeren Altersmischung in Regelgruppen zu etablieren (Kinder zwischen zwei und sechs bzw. sieben Jahren werden in vielen Einrichtungen zusammen betreut) gewinnt die Thematik noch einmal zusätzlich an Relevanz.

Doch was bedeutet das jetzt konkret für pädagogische Fachkräfte und Einrichtungsleitungen, die weder Innenarchitektur studiert haben noch über die baulichen und finanziellen Ressourcen verfügen um alles was sich Kinder, Eltern und Fachleute im Hinblick auf eine zeitgemäße Raumgestaltung und -Planung wünschen, umzusetzen?

Nachfolgend haben wir versucht alle wichtigen Aspekte zum Thema möglichst umfassend zu beleuchten und Theorie und Praxis in Einklang zu bringen.
 

Raumgestaltung für Kitas und Krippen –  grundlegende Aspekte aus praktischer und pädagogischer Sicht

Wir Erwachsene kennen es von uns selber: Es gibt Räume, in denen wir uns gerne aufhalten, weil sie zum Beispiel hell und freundlich gestaltet sind, weil sie großzügig und weitläufig scheinen, weil sie Geborgenheit bieten oder einfach, weil es in ihnen gut riecht. Kurz: Die Atmosphäre in einem Raum muss stimmen, damit dieser zum Verweilen einlädt.

Kindern ergeht es ähnlich, allerdings interagieren diese anders mit einem Raum. Während Erwachsene kein Problem damit haben sich stundenlang in ein Café zu setzen und dort nahezu bewegungslos zu verharren, weil sie zum Beispiel in ein Gespräch mit der besten Freundin vertieft sind, brauchen Kinder die Möglichkeit sich zu bewegen und Dinge im wahrsten Sinne des Wortes „in die Hand“ zu nehmen. Ein Raum und alle Dinge, die in ihm zu finden sind, muss das Explorationsverhalten eines Kindes positiv beeinflussen, Selbstbildungsprozesse anregen und alle seine Sinne ansprechen.[1]

Zu berücksichtigen bei der Raumgestaltung in Kitas sind daher

-          die Akustik,

-          das Licht und die Farbgestaltung,

-          die Möglichkeit zum Lüften und Heizen des gesamten Raumes,

-          die Raumaufteilung,

-          die Möglichkeit sich zu bewegen,

-          die Möglichkeit sich zurückzuziehen,

-          die Möglichkeit zur Hygiene und Pflege,

-          die Möglichkeit zum (gemeinsamen) Essen, Trinken, Singen und Spielen

-          die Möglichkeit eigenen Interessen gezielt und möglichst ohne Störungen von außen nachzugehen

 

Weil gerade in älteren Gebäuden die Gruppenräume weniger großzügig gestaltet sind als in Neubauten, setzen Kita-Architekten und Zusammenarbeit mit den Leitungen und Teams häufig auf mehrere Ebenen, um den Raum in die Höhe zu erweitern. Für Kinder hat das mehrere Vorteile: Sie können sich bewegen (Treppen steigen, klettern, rutschen, in Höhlen kriechen…) und verändern gleichzeitig ihre Perspektive, weil sie den Raum von oben betrachten.
 

Raumkonzepte bei Montessori, Pikkler, Reggio und im offenen Kindergarten – die wichtigsten Ansätze und Strukturen

Wie Kita-Räume gestaltet werden können ist nicht zuletzt abhängig von der jeweiligen Konzeption. Natürlich sollten grundsätzlich die Interessen der Kinder und ihre individuellen Bildungsdispositionen bei allen Überlegungen hinsichtlich der Raumgestaltung im Vordergrund stehen. Allerdings ist die Auslegung bei den einzelnen Konzepten teilweise sehr unterschiedlich.

In der Montessori-Pädagogik sind viele Materialien bereits vorgegeben. Diese sollen innerhalb des Gruppenraumes immer einen festen Platz haben, damit die Kinder sich besser orientieren können. Die übersichtliche und minimalistische Raumgestaltung setzt sich auch fort, wenn es um Wanddekorationen geht. Maria Montessori sprach sich gegen auffällige Farben und überladene Dekoration aus, damit das Kind in seinem Tun nicht abgelenkt wird. Boden- und Tischteppiche bieten beim Arbeiten (so nennt Montessori die Beschäftigung mit dem Material) Orientierung, Übersicht und Begrenzung. Tische und Stühle können bewegt und immer wieder neu angeordnet werden.

In klassischen Montessori-Einrichtungen beschäftigen sich die Kinder ausschließlich mit Montessori-Material und es gibt weder eine „Puppenecke“ noch einen Bauteppich. 

In der Reggio-Pädagogik spielt der Raum als sogenannter „dritter Erzieher“ eine besonders wichtige Rolle. Er soll dem Kind gleichzeitig Geborgenheit und Bildungsanreize bieten. Allerdings wird der Begriff des Raumes viel globaler interpretiert: Zum „Raum“ gehören auch externe Strukturen, die Umgebung des Kindes außerhalb der Kita, also das Dorf bzw. der Stadtteil mit seiner Infrastruktur und seinen Gebäuden. Diese Sichtweise beeinflusst auch die Architektur klassischer Reggio-Einrichtungen. Diese sind mit großen, oft bodentiefen Fensterflächen ausgestattet, damit die Kinder einen guten Blick nach draußen haben, gleichzeitig aber auch jeder von außen einen guten Einblick in die Lebenswelt der Kinder hat. Transparenz, Partizipation, Ästhetik und Flexibilität spielen in der Raumgestaltung eine entscheidende Rolle.[2]

Immer beliebter in deutschen Kitas wird die Umsetzung offener oder teiloffener Konzepte.

Die Idee des offenen Kindergartens knüpft an den großen Bewegungsdrang und an das natürliche Explorationsbedürfnis von Kindern an, dem geschlossene, in ihrer Funktion festgelegte Räume nicht gerecht werden können. Während es in klassischen Kitas Funktionsecken innerhalb der einzelnen Gruppenräume gibt, werden in offen arbeitenden Einrichtungen Funktionsräume zur Verfügung gestellt. Diese greifen im Hinblick auf Gestaltung und auf die Einrichtung verschiedene Bedürfnisse von Kindern auf (z.B. kreatives Gestalten, Rollenspiele, Forschen und Entdecken, Ruhe und Geborgenheit, Bewegung, Aneignung von Sachwissen, Essen und Trinken, naturwissenschaftliche Bildung, Mathematik, Sprache und Literacy usw.). Weiter bestimmen Projekte, Angebote und selbstbestimmtes Lernen den Alltag bei der Umsetzung des offenen Konzeptes, welches selbstverständlich auch die Zusammenarbeit mit den Eltern beeinflusst, denn in den Räumlichkeiten sind Mütter und Väter immer willkommen.

Die Pikler-Pädagogik geht auf die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler (1902-1984) zurück. Neben Zeit, die sich besonders in beziehungsvoller Pflege ausdrückt, bildet der Raum einen wichtigen Grundpfeiler bei Pikler. Damit sich ein Kind ganz auf sein eigenes Tun konzentrieren kann, plädierte Emmi Pikler ähnlich wie Maria Montessori für eine reizarme Umgebung. Weil gerade Babys und Kleinkinder hauptsächlich durch Bewegung lernen, kommt dieser in der Pikler-Pädagogik eine besondere Bedeutung zu. Pikler entwickelte Rampen und Leitern, die junge Kinder dazu einladen den Raum zu erkunden. Klassisches Spielzeug hingegen empfand sie als überflüssig – in Pikler-Kitas beschäftigen Kinder sich vor allem mit Alltagsgegenständen. Ein weiterer interessanter Ansatz in der Pikler-Pädagogik ist, konträr zu dem seit Langem überwiegend praktizierten Systems der Altersmischung, das Leben und Lernen in altershomogenen Gruppen. Pikler sah, dass die Bedürfnisse bei Kindern verschiedenen Alters zu unterschiedlich sind um allen gleichermaßen gerecht zu werden, daher trennte sie zum Beispiel Krabbelkinder und solche die schon eigenständig laufen konnten räumlich voneinander.

Alle hier kurz exemplarisch vorgestellten Konzepte beinhalten unterschiedliche Sichtweisen im Hinblick auf die Raumgestaltung. Bei allen steht das Wohl des einzelnen Kindes im Mittelpunkt, seine Bedürfnisse werden ernst genommen. Die praktische Umsetzung unterscheidet sich jedoch enorm. Zudem wird deutlich, dass die Architektur eines Gebäudes, welche sich im Nachhinein nicht oder nur sehr wenig verändern lässt, einen großen Einfluss auf die Raumgestaltung hat und dieser auch Grenzen setzt. So ist es beispielsweise schwer in einem mehrstöckigen Gebäude, welches ursprünglich als Schule genutzt wurde, ein offenes Konzept zu etablieren.


  

Partizipation in der Raumgestaltung für Kitas – gemeinsam Bildungsräume schaffen

Früher wurden Räume in Kitas oft jahrelang nicht verändert und wenn, dann ausschließlich durch das pädagogische Personal. Inzwischen hat sich längst die Einsicht durchgesetzt, dass Räume für Kinder auch von Kindern mit- und umgestaltet werden sollten.

Kinder nehmen den Raum um sich herum anders wahr als Erwachsene und haben auch andere Vorstellungen davon, wie Möbel und Material genutzt werden können. Abhängig davon, in welchem Entwicklungsstadium sich ein Kind befindet, so erkundet es auch seine Umwelt.

 

Fallbeispiel:

Lio, Sophie und Anton sind zwischen 1,8 und 2,3 Jahre alt. Sie besuchen eine Kinderkrippe, ihre Eingewöhnung ist abgeschlossen. Neugierig erkunden sie ihren Gruppenraum, allerdings scheint das angebotene Spielmaterial gerade nicht interessant für sie zu sein.

Stattdessen hat Lio eines morgens die Idee einen Zug aus Stühlen zu bauen. Anton und Sophie sind begeistert, die Kinder schieben alle verfügbaren Stühle der Gruppe zusammen. Lio übernimmt die Rolle des Zugführers, Sophie und Anton spielen die Passagiere. Schon bald ist ein lebhaftes Rollenspiel im Gange.

Die Gruppenleistung beobachtet die Kinder in ihrem Tun und ist froh, dass sie erst vor Kurzem sehr viel Material aus der Gruppe geräumt hat. Einige Eltern empfanden den Raum anschließend als ziemlich leer, aber die pädagogische Fachkraft konnte sich durchsetzen – ihr war aufgefallen, dass den Kindern zu wenig Platz blieb um sich zu bewegen und eigene Spielideen zu entwickeln.

 

Das Beispiel zeigt, dass Kinder Räume und Mobiliar oft anders nutzen als Erwachsene es von ihnen erwarten. Es kommt nicht auf die Masse des Materials an und auch nicht darauf, den Kindern nur vermeintlich „pädagogisch wertvolle“ Anregungen zu bieten.

Ältere Kinder wünschen sich oft Rückzugsorte und Flächen, die sie ganz individuell nutzen können. Höhlen bauen, deckenhohe Türme aus Lego errichten, den Nebenraum in eine Dschungellandschaft verwandeln: Kinder werden gerne kreativ, wenn es darum geht Räume und Material so zu nutzen wie sie es gerade brauchen.

Im Hinblick auf die Raumgestaltung in Krippen und Kitas kann man aus diesen Beobachtungen einige wichtige Schlüsse ziehen:

 

  1. Kinder sollten immer in die Raumgestaltung mit einbezogen werden (z.B. bei Kinderkonferenzen)
  2. Kleinkinder haben andere Ansprüche an ihre Umgebung als ältere Kinder
  3. Räume für Kinder müssen sich verändern, weil sich Interessen und Bedürfnisse verändern
  4. Weniger ist mehr: Kita-Räume müssen Kindern ausreichend freie Flächen bieten, die individuell genutzt werden können und dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht werden
  5. Ideal sind Möbel, die nicht so sehr zweckgebunden sind
  6. Pädagogische Fachkräfte sollten aushalten können, dass Kinder sich ihren Raum zu eigen machen und Material und Möbel in ihr Spiel miteinbeziehen

 

Partizipation und Mitbestimmung können im Alltag nur konsequent umgesetzt werden, wenn dabei auch die Raumnutzung und Raumgestaltung Berücksichtigung findet. Wie wäre es zum Beispiel mit einem eigenen Raum für Vorschulkinder oder einem Kleinkindbereich?

Teams können sich regelmäßig zusammensetzen und Beobachtungen sowie Wüsche der Kinder zusammentragen. Selbst in älteren Gebäuden, deren Architektur die Umsetzung moderner Bildungskonzepte vermeintlich unmöglich machen, lassen sich häufig Lösungen finden wie die vorhandenen Raumstrukturen besser genutzt werden können. Gruppenübergreifende Arbeit kann hier ein guter Ansatz sein, ebenso die Überlegung häufiger die Bildung altershomogener Teilgruppen zu ermöglichen.
 

„Forscherraum“ oder „Atelier“ – welche Räume eine Kita wirklich braucht

Umfragen bei Kita-Teams haben gezeigt, dass viele Kinder das angebotene Material nicht nutzen, dass sich trotz einer ausreichenden Menge an abwechslungsreichem Spielzeug Langeweile breit macht oder dass Kinder oft „nicht angemessen“ mit dem angebotenen Materialien umgehen. [3]

Trotzdem bleibt oft alles beim Alten, weil die pädagogischen Fachkräfte nicht wissen wo sie ansetzen sollen und die räumlichen Voraussetzungen als nun einmal gegeben und unveränderlich hinnehmen.

Ein Problem besteht auch darin, dass Erwachsene ein anderes Verständnis von Ordnung haben als Kinder. Letztere verstehen nicht, warum sie am Nachmittag ein Bauwerk aufräumen sollen an dem sie den ganzen Tag gearbeitet haben oder warum sie einen Maltisch nicht nutzen dürfen um sich darunter eine Höhle zu bauen.

Der Pädagoge Gerd E. Schäfer hat sehr viel zum kindlichen Spiel geforscht und zahlreiche Fachbücher zum Thema veröffentlicht. Frühkindliche Bildungsprozesse, so Schäfer, lassen sich nicht erzwingen. Die Bereitschaft sich Dingen zu widmen ergibt sich aus der Attraktivität des Materials genauso wie aus der inneren Bereitschaft des Kindes sich mit etwas zu beschäftigen. Konkret bedeutet das: Nur weil Erwachsene Material sinnvoll und pädagogisch wertvoll finden hat das einzelne Kind noch lange keine Lust sich automatisch damit zu beschäftigen. Vielleicht sind seine Bildungsthemen gerade ganz andere.

Für die Raumgestaltung lassen sich daraus einige Thesen ableiten, die zeigen, dass Pädagogen eine mehr kindliche Sicht auf die Nutzung von Raum und Material an den Tag legen sollten:

 

  1. Mut zur Unordnung: Struktur und Ordnung geben dem Kind zwar Orientierung, können es aber auch in seiner Kreativität einengen und es frustrieren. Es sollte Bereiche in der Kita geben, die nicht ordentlich verlassen werden müssen.
  2. Flexibel bleiben: Einen Kita-Raum neu zu gestalten kann aufwändig und zeitintensiv sein. Dennoch lohnt es sich Räume nicht so sehr auf einen Nutzungszweck festzulegen. Natürlich lässt sich aus einem Waschraum schlecht ein Rollenspielbereich zaubern, aber vielleicht ein Atelier oder eine Wasserwerkstatt.
  3. Mehr wertfreies und neutrales Material einsetzen: Kartons, Decken, Rohre, Naturmaterialien, Podeste und Stühle unterschiedlicher Größe sind Gegenstände die Kinder flexibel nutzen können. Das regt ihre Fantasie an, sie müssen kreativ werden und gleichzeitig brauchen die Erwachsenen nicht zu fürchten, dass teure Spielsachen kaputt gehen.
  4. Räume „atmen“ lassen: In vielen Kitas sind die Räume sehr voll. Auf den ersten Blick ist alles da, was die Kinder brauchen, aber diese werden eben auch vor vollendete Tatsachen gestellt. Besser ist es, wenn sich die Ausgestaltung des Raumes an den Interessen der Kinder orientiert und mit ihnen gemeinsam wächst und sich verändert.

 

Tipp zum Weiterlesen:

Hier findest du einen interessanten Artikel zum spielzeugfreien Kindergarten, der noch einmal andere Aspekte der Raumgestaltung in Kitas beleuchtet:

https://www.betzold.de/blog/spielzeugfreier-kindergarten/

Welche Räume eine Kita braucht und welche Teilbereiche ein „Regelgruppenraum“ mindestens haben sollte ist also von vielen Faktoren abhängig und kann nicht pauschal beantwortet werden.

Notwendig sind auf jeden Fall

  • Wasch-, Toiletten- und Wickelräume,
  • Räume, die so großzügig geschnitten sind, dass die Kinder wirklich Bewegungsfreiheit haben und die idealerweise unterschiedlich genutzt werden können (Turnhalle),
  • Räume, in denen sich Kinder zurückziehen können (Schlaf- und/oder Ruheräume),
  • Räume, in denen Kinder kreativ werden können, ohne dass Schmutz und Dreck ein Problem darstellen,
  • Räume, in denen Eltern wie Kinder sich willkommen fühlen und Informationen finden (Flur, Eingangsbereich)

Darüber hinaus sollte bei der Raumgestaltung in Kitas stets bedacht werden, welche Grundbedürfnisse im Zusammenhang mit Selbstbildungsprozessen Kinder zwischen 0 und 6 Jahren haben:

  • Exploration und Rückzug,
  • Bewegung,
  • Verwandlung und Rollenspiel,
  • Forschen und Entdecken,
  • Bauen und Konstruieren,
  • Kreativität und Phantasie ausleben,
  • Soziales Miteinander erleben und Beziehungen aufbauen
  • Rituale,
  • Kultur erleben und interkulturelle Erfahrungen machen,
  • Grenzen erfahren, Regeln kennenlernen und Freiheit spüren,
  • Rhythmen und wiederkehrende Elemente entdecken (Wochen-, Monats- und Jahresrythmus, Feste und Feiern im Jahreskreislauf)
     

Gestaltung des Außengeländes – es geht auch ohne Klettergerüst und Schaukel

Früher schien es, als wollten sich sich Kitas regelrecht gegenseitig überbieten im Hinblick auf die Gestaltung des Außengeländes. Ein ansprechender Kita-Garten sollte möglichst viele Klettergerüste, Rutschen und andere „Erlebnisgeräte“ vorzuweisen haben.

Heute geht der Trend eher in Richtung „naturnahes Außengelände“ mit unterschiedlichen Bodenstrukturen, Wiesenflächen, Büschen und Hecken, natürlichem Baumbestand und Matschanlage im Sandkasten.

Der Gedanke dahinter ist der, dass das Außengelände einer Kita kein „Spielplatz“ im klassischen Sinne ist, sondern den Kindern Natur und Umwelt näher bringen soll. Lernen mit allen Sinnen – das funktioniert in einem naturnahen Außengelände besonders gut. Der zweite Aspekt ist natürlich der, dass ein Außengelände Kinder dazu anregen soll sich zu bewegen.

Neben den bereits genannten Elementen bieten sich Barfußpfade, an Bäumen befestigte Kletterseile, Kräuter- und Gemüsegärten, Weidentipis und Sitzgelegenheiten aus Holz an, um den äußeren Kita-Bereich interessant zu gestalten. Kinder mögen es, wenn Gärten möglichst ursprünglich aussehen – hoch stehendes Gras und Sträucher, hinter denen man sich verstecken kann, sind reizvoller als eine gepflegte Rasenfläche.

Der Vorteil an einem neu angelegten Garten besteht allerdings darin, dass zum Beispiel künstliche Hügellandschaften geschaffen werden können.

Was ist sonst noch wichtig bei der Gestaltung des Außengeländes für eine Kita?

 

  • Schattenplätze,
  • unterschiedliche Spielbereiche für Klein- und Vorschulkinder (z.B. Matsch- und Buddelecke, Fußballfeld, Spielhäuschen,…)
  • Sitzgelegenheiten, um Frühstück und Snack auch im Freien abhalten zu können,
  • Gerätehäuschen oder andere Möglichkeiten, um Fahrzeuge, Sandspielzeug usw. vor der Witterung zu schützen,
  • die Klärung der Frage, wer für die Pflege und Instandhaltung des Außengeländes zuständig ist
     

Fazit: Gemeinsam flexibel bleiben und Räume kreativ nutzen

Kitas und Krippen sind Orte der Veränderung. Sie wachsen und entwickeln sich weiter – eben genau so wie die Kinder, die darin spielen und lernen. Wenn pädagogische Fachkräfte flexibel bleiben, sich an den Bedürfnissen der Kinder orientieren und auch einmal bereit sind Strukturen zu hinterfragen, so wirkt sich das automatisch positiv auf die Raumgestaltung aus. Den „perfekten“ Raum gibt es nicht – wenn aber Kinder, Eltern, Träger und Fachpersonal an einem Strang ziehen und gemeinsam immer wieder neu überlegen, welche kleinen Veränderungen die größtmöglichen Effekte erzielen können, dann werden Kita-Räume für Kinder Orte des ganzheitlichen, Individuellen Lernens.

 


[1] Vgl. Wiebe, Valentina (2011): Grundlagen der Raumgestaltung für Kinder in den ersten drei Lebensjahren unter der Berücksichtigung entwicklungsbedingter und bedürfnisorientierter Aspekte. Verfügbar unter: https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen//KiTaFT_Wiebe_2011.pdf

[2] Vgl. Knauf, T. 2005 
Reggio-Pädagogik: kind- und bildungsorientiert

Verfügbar unter:
https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/paedagogische-ansaetze/moderne-paedagogische-ansaetze/1138

[3] Vgl. Dr. Haug-Schnabel, Gabriele (2016): Raumgestaltung als verantwortungsvolle Aufgabe. Verfügbar unter:

https://www.nifbe.de/component/themensammlung?view=item&id=608:raumgestaltung-eine-verantwortungsvolle-aufgabe&catid=88


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