Regeln im Kindergarten

Regeln im Kindergarten und Symbole für diese Regeln begleiten Kinder und Erwachsene  im Alltag. Auch, um ihn zu erleichtern und den Grundstein für die Gemeinschaft zu legen. Doch welche Regeln braucht es hierfür?
 

Timo ist aufgeregt. Er erzählt am Essenstisch bei sich zu Hause, dass es eine neue Regel im Kindergarten gibt: Er muss jedes Essen probieren und den Probierklecks  aufessen. Sein Bruder Lenni erwidert: „Bei uns in der Gruppe dürfen sofort alle Kinder gleich zum Spielen aufstehen, wenn sie fertig gegessen haben.“ Jedes Spiel muss aber aufgeräumt werden, bevor ein Neues benutzt wird.
 

Diese zwei Beispiele zeigen, dass der Kindergartenalltag von vielen verschiedenen Regeln bestimmt wird. Auch im Alltag finden sie sich: im Straßenverkehr, im Schwimmbad oder im Hausflur eines Mehrfamilienwohnhauses. Ob die Regeln von allen Beteiligten mit guten Gewissen anerkannt werden ist wiederum eine andere Frage. Diese Tatsache macht das Thema Regeln und Grenzen auch etwas schwieriger.
 

Aber was sind Regeln? Laut Duden (2022) sind Regeln:

 

„… aus bestimmten Gesetzmäßigkeiten abgeleitete, aus Erfahrungen und Erkenntnissen gewonnene, in Übereinkunft festgelegte, für einen jeweiligen Bereich als verbindlich geltende Vorschrift.“
 

Was den pädagogischen Alltag betrifft, haben sich Regeln im Kindertagesbereich sehr gewandelt. Bis weit in die 1990er Jahre wurden Erwachsenen als die „Chefs“ bezeichnet, die allein entscheiden konnten, was für die Kinder gut und richtig ist.
 

Mittlerweile haben sich nicht nur die Denkweisen der Menschen geändert, auch die pädagogische Haltung von Fachkräften hat sich Aufgrund Ansätzen wie Partizipation und Kinderrechte gewandelt. In vielen Einrichtungen sind beispielsweise Kinderkonferenzen integriert, bei denen die Kinder den Alltag aktiv mitgestalten können. Dabei lernen sie Chancen und Grenzen von Partizipation, Regeln und Grenzen kennen.
 

Wir sind alle mit individuell geltenden Regeln erzogen worden und haben unterschiedliche Ansichten und Meinungen über die „richtige“ Erziehung von Kindern. Im Kindergarten arbeiten mehrere Pädagogen mit vielfältigen Erfahrungen was das Thema Regeln betrifft. Somit sind also allgemein gültige Regeln im Kindergarten unverzichtbar um Klarheit und Struktur zu schaffen.

 

Regeln im Kindergartenalltag sind unverzichtbar  

Regeln, wie das gegenseitige ausreden lassen sind der Grundstein für eine Gemeinschaft, da sie grundlegend für eine funktionierende Interaktion sind. Das gilt auch für das kindliche Spiel. Rollenspiele oder das Bauen in der Bauecke können nur gelingen, wenn sich an die entsprechenden Regeln gehalten wird. Eine davon könnte sein, dass das Gebaute von einem Kind stehen gelassen werden sollte bis es das Kind selbst wieder aufräumt.
 

Auch erleichtern Regeln den Alltag. Wenn es für bestimmte Bereiche Regeln gibt, muss nicht täglich neu diskutiert werden ob im Winter eine Mütze angezogen werden muss oder an welchen Tag die jeweilige Gruppe in den Bewegungsraum darf. Das gewinnt Zeit und Kraft und der Fokus kann auf das Spiel und die individuelle Entwicklung und Förderung des Kindes gelegt werden.
 

Regeln können auch eine Chance sein, eine Umgebung zu schaffen, in der Kinder sich entfalten können. Wenn sie wissen, das jedes Kind die gleichen Rechte hat, beispielsweise auf das Recht auf einen Platz im Sandkasten, können sie sich unbeschwert im Alltag bewegen. Der Tagesablauf wird mit Regeln überschaubarer und schafft Sicherheit, Ordnung und Orientierung. Wichtig dabei ist jedoch, dass Regeln nicht überhand nehmen, da diese sonst die Kreativität hemmen. Anhand des Beispiels mit dem Sandkasten wäre eine Regel, die die Kreativität eingrenzen würde z. B. es dürfen keine Stöcke mit in den Sandkasten genommen werden, sondern nur mit den Sandförmchen gespielt werden.
 

Es gibt jedoch Regeln und Grenzen, die die psychische oder physische Gesundheit von Kindern sicherstellen. Diese sind nicht verhandelbar. Auch können Sie mit Kindern nicht diskutiert werden. Solche sind beispielsweise wie verhaltet sich die Kindergruppe bei einem Ausflug wenn sie über die Straße gehen oder dass eine Wunde ärztlich versorgt werden muss, auch wenn das Kind das gerade nicht möchte.

 

Es gibt aber auch Regeln, die umgesetzt werden „weil das bereits immer so gemacht wurde in dieser Einrichtung“. Ein Beispiel. Ronja (4 Jahre) hat heute bereits zu Hause gefrühstückt und möchte beim gemeinsamen Frühstück nichts mehr essen, sondern  weiterspielen. Es gilt jedoch die Regel, dass alle Kinder gemeinsam aufstehen. Ronja langweilt sich am Frühstückstisch und lenkt ihre Sitznachbarn Lisa und Leon vom Essen ab.
 

Solch eine kulturell geprägte Regel solltest du als Fachkraft regelmäßig hinterfragen. Das bedeutet jedoch nicht, diese direkt zu revidieren. Es könnte ausprobiert werden, dass Ronja nach dem Essen zwar aufstehen darf, sich aber ruhig in die Leseecke setzen muss. So lenkt sie kein anderes Kind von der Mahlzeit ab.
 

Bestehende Regeln sollten generell regelmäßig hinterfragt werden, da sich die Gruppendynamik stetig ändert. Kinder kommen und gehen und somit verändern sich auch die verschiedenen Charaktere der Gruppe. Wenn du in einem Jahr viele Vorschulkinder hast, die sehr selbständig sind, brauchst du wahrscheinlich andere Regeln im Umgang mit der Schere als in einer Gruppe mit vielen 3- jährigen.
 

Regeln sind somit für ein harmonisches Miteinander unverzichtbar und erfüllen eine Schutzfunktion. Wenn die bestehende Regeln stetig reflektiert werden und auf die individuelle Kindergruppe angepasst werden schränken sie Kinder auch in ihrer Entwicklung nicht ein.
 

Die Herausforderung bei Verhaltensregeln, die beispielsweise das gemeinsame Miteinander im Kindergarten erleichtern ist, dass wir Menschen unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen haben. Dies führt bei der Einführung und Umsetzung oftmals zu Konflikten oder Schwierigkeiten.

 

Gemeinsam mit Kindern Regeln und Grenzen erarbeiten und umsetzen  

Um Regeln einzuführen und eine möglichst hohe Akzeptanz und Durchsetzbarkeit zu erzielen, solltest du vorab alle Beteiligten mit ins Boot geholt werden. Das bedeutet das pädagogische Team, die Eltern und die Kinder.
 

 

pädagogische Team:
 

Ein langfristiger Erfolg bei Kindern kann nur erzielt werden, wenn die Regeln von allen ErzieherInnen mitgetragen werden und diese auch dahinterstehen. Somit ist es sinnvoll, bevor die Regeln mit Kindern erarbeitet werden, zuerst innerhalb des Teams im Rahmen einer Teamsitzung besprochen werden. Bei der Einführung von Gruppenregeln sollten sich die GruppenkollegInnen einig sein.

 

Eltern:
 

Um Diskussionen oder Ärger zu vermeiden sollten Eltern frühzeitig und umfassend über die Hintergründe neuer Regeln informieren werden, beispielsweise bei einem  Elternabend. Nur wenn Eltern und Pädagogen zusammen arbeiten, können Regeln wie  „Kein Spielzeug von zu Hause!“ mitnehmen erfolgreich umgesetzt werden.

 

Kinder:
 

Sobald das Team und die Eltern sich einig sind, können neue Regeln gemeinsam mit Kindern erarbeitet werden. Die Beteiligung von Kinder an der Entwicklung von Regeln fördert die Bereitschaft diesen Regeln zu folgen.

 

Eine gute Methode neue Regeln einzuführen ist in Form einer Kinderkonferenz. Die Kinder werden dabei befragt, was ihnen beispielsweise beim Spielen in der Puppenecke wichtig ist. Die Antworten der Kinder werden vom pädagogischen Personal gesammelt. Du kannst auch abfragen was die Kinder überhaupt nicht möchten oder blöd finden, wenn sie in der Puppenecke spielen.

Die gesammelten Punkte werden dann visualisiert anhand von Bildern auf einer Magnettafel oder einem Whiteboard. Auch hier ist es sinnvoll die Kinder zu involvieren. Die Tafel wird dann gut sichtbar im Gruppenraum, oder in den jeweiligen Funktionsecken angebracht.

 

Es gibt aber auch Regeln, die nicht mit Kindern gemeinsam erarbeitet werden können. Hier handelt es sich um Regeln wie das Einhalten von Gesetzen, Vorschriften, Themen zum Kindeswohl (§ 8a). Beispiele sind hierfür: Die richtige Handhabung von Werkzeug im Werkraum. Das ist Voraussetzung für die Sicherheit des Kindes.
 

In diesem Fall gibt es keine Diskussionsmöglichkeit. Auch Toilettenregeln, wie zum Beispiel die aRegel, dass jedes Kind seine Privatsphäre hat, wenn es diese möchte, müssen von Erwachsenen vorgegeben werden.

 

 

Beispiele für Regeln im Kindergarten


Es kann zwischen gruppeninternen und gruppenübergreifenden Regeln unterschieden werden.

 

  • Gruppeninterne Regeln

     Die Gruppenregeln im Kindergarten ergeben sich aus dem Zusammenleben der Kinder und ErzieherInnen in den einzelnen Gruppen. Im besten Fall werden Sie gemeinsam mit den Kindern erarbeitet. Ein Beispiel hierfür können die Regeln beim Essen in der Kindergartengruppe sein. Dadurch, dass die Kinder der jeweiligen Gruppen in unterschiedlichen Haushalten leben und somit individuelle Regeln kennen, würden sich die Kinder ohne einen gemeinsam geltende Regel beim Essen in der Gruppe unterschiedlich verhalten. Dies würde zu Streit, Chaos und Unzufriedenheit führen.

     
  • Gruppenübergreifende Regeln

    Die gruppenübergreifenden Regeln werden meist von pädagogischen Personal festgelegt. Ziel ist es, ein gruppenübergreifendes Arbeiten zu ermöglichen und dabei die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Die Toilettenregeln im Kindergarten oder die Regel wie Kinder sich in der Holzwerkstatt verhalten sollten, sind Beispiele für gruppenübergreifende Regeln. Da in solchen gemeinschaftlich genutzten Räumen Kinder aus allen Gruppen Zugang haben ist hier eine für alle geltende Regeln wichtig. Toilettenregeln sind notwendig, da in einer Einrichtung mehrere Kinder die selben sanitären Anlagen benutzen. Durch klare Regeln kann die Privatsphäre der einzelnen Kinder gewahrt werden. Du als Pädagog*in bist auch verantwortlich für das Wohl des Kindes, das mit dem § 8a (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) geregelt ist. Klare Regeln verhindert, dass Grenzen der jeweiligen Kinder verletzt werden. Eine solch Grenzverletzung kann zum Beispiel sein, dass ein anderes Kind ungefragt beim Toilettengang oder wickeln zusieht. Vor allem für die jüngeren Kinder, die sich noch nicht so gut artikulieren können ist dies wichtig. Regeln in der Holzwerkstatt sind aus mehreren Gründen wichtig. Zu Hause beispielsweise kann eine lockere Handhabung mit Hammer erfolgen, weil die jeweiligen Erziehungsberechtigten andere Einstellungen und Erziehungstile haben. Zudem sind nur die eigenen Kinder zu beaufsichtigen und keine Teilgruppe. Im Kindergarten ist es dir als Pädagog*in aber meist nicht möglich eine „eins zu eins Betreuung“ zu gewährleisten. Ausführliche Regeln im Umgang mit dem Werkzeug schützen also die Kinder vor Gefahren aber auch dich als Verantwortlichen das du deiner Aufsichtspflicht und deinem Schutzauftrag nachgehen kannst.

 

Auch kann bei den Regeln unterschieden werden für wen sie gültig sind:

die Kinder betreffend
Beispiele hierfür sind :

  •  Gruppenraumregeln (z. B. wie viele Kinder dürfen gleichzeitig in die Bauecke
  • Abmelden beim Verlassen der Gruppe (z. B. mit Symbolen oder Bildern)
  • Essensregeln

 

die Eltern betreffend:
Beispiele hierfür sind :

  • Einhalten der Bring- und Abholzeiten
  • Information über Krankheit des Kindes

 

Eine frühzeitige Information (bestenfalls gleich morgens zur Bring-Zeit) über die Erkrankung eines Kindes kann als Präventionsmaßnahme gesehen werden. Bei Kopfläusen müssen alle Eltern der Gruppe informiert werden, damit sie alle Kinder kontrollieren und die entsprechenden Hygienemassnahmen ergriffen werden können. Von Seiten der Kindergruppe sind solche Maßnahmen z. B. alle Kuscheltiere waschen. Aber auch zu Hause, bei den betroffenen Familien, muss zwingend alles gewaschen werden.

 

das pädagogische Personal betreffend:

Es gibt auch Regeln, die für ErzieherInnen im Kindergarten gelten. Diese ergeben sich  sich aus dem Gesetz (wie z.B. arbeiten nach dem jeweiligen Bildungsplanes) oder sind in der Dienstanweisung für die Mitarbeiter des Hauses niedergeschrieben. Hier können Satzungen des jeweiligen Trägers mitgezählt werden. Auch hast du als Pädagoge eine Vorbildfunktion. Du solltest also das Einhalten von Regeln vorleben.

 

Diese Beispiele verdeutlichen, dass Regeln alle Akteure in einer Einrichtung betreffen. Sie schützen deine und aller Gesundheit und bewahren dich, wenn du sie einhältst vor Möglichen Aufsichtspflichtverletzungen. Ebenso erleichtern sie dir deine tägliche  Arbeit.

 

Beispiele für die Veranschaulichung von Regeln im Kindergarten

 

Regeln als Symbole

Bei einer Vorschulstunde könntest du die Kinder anregen sich Symbole auszudenken. Die Symbole können von den Vorschulkindern gezeichnet und an            eine Magnetwand angebracht werden, sodass sie für alle

Kinder sichtbar sind. So kann beispielsweise in der Puppenecke ein Symbol angebracht werden, wieviele Kinder in der Ecke zeitgleich spielen dürfen oder dass das Trinken in der Puppenecke verboten ist. Für das Symbol, dass die Anzahl regelt können Würfelaugen gezeichnet werden. Das Trinkverbot kann mitweinen durchgestrichenen Glas symbolisiert werden.

 

Verhaltensregeln als Bilder

Regeln können auch als Bilder visualisiert werden. Auch hier können Kinder die Bilder zeichnen. Eine weitere Möglichkeit ist es, dass du                                vorgedruckte Bilder im Rahmen eines Stuhlkreises zeigst diese dann zusammen mit den Kindern besprochen werden, wo diese Bilder angebracht werden können. Eine Verhaltensregel die als Bild dargestellt wird kann das Händewaschen sein. Ein  Bild auf den Hände und Seifenblasen dargestellt werden.

 

Regeln als Piktogramme

Piktogramme eignen sich gut für die Darstellung von Regeln oder Dienste im Kindergarten, die von Kindern übernommen werden. Eine Gießkanne kann für den Blumendienst stehen. Hier kann gemeinsam mit Kindern eine Magnettafel gestalten werden, auf der alle Dienste in Form von Piktogrammen vorkommen. Die Kinder können sich dann Beispielswiese wöchentlich für die jeweiligen Dienste einteilen.

 

Regeln als Bildkarten

Ebenso können Regeln gut als Bildkarten veranschaulicht werden.Es können  genau so gut wieder Verhaltensregeln oder Symbole verwendet werden.

 

Wichtig ist es, dass du die Bedeutung aller Symbole nochmal mit alle Kindern besprichst. So vermeidest du Unklarheiten.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, das richtig eingesetzte Regeln in keinster Weise die Kreativität der Kinder hemmen. Sie geben lediglich eine Richtlinie für alle Beteiligten in deinem pädagogischen Alltag. 

 

Quellen:

Duden (2022): https://www.duden.de/rechtschreibung/Regel

Bild:

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