LGBT Familien in der Kita

Im Kindergarten kommen Kinder oft erstmals mit den Themen Vielfältigkeit und Diversität in Kontakt. Kinder, die in einer heterogenen Familie aufwachsen, stellen Fragen, die zu Verunsicherungen führen können. Somit wird den pädagogischen Einrichtungen eine Schlüsselrolle in der Stärkung von Kindern aus Regenbogenfamilien zugesprochen. Für die pädagogischen Fachkräfte bedeutet dies eine diversitäre Pädagogik zu leben und pädagogische Konzepte sowie den Alltag zum Umgang mit Vielfalt umzusetzen. Aber was genau sind Regenbogenfamilien? Sollte ich als Fachkraft auf etwas achten, wenn ich Kinder aus Regenbogenfamilien in meiner Gruppe habe? Wie kann der Vielfalt im Kindergarten adäquat begegnet werden? Auf all diese Fragen wird im folgenden Text eingegangen.

 

Was wird unter einer Regenbogenfamilie verstanden?  


Als Regenbogenfamilien werden Familien bezeichnet bei denen Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Partnern als eine Familie leben. Zu dieser vielfältigen Familienkonstellationen zählen Adoptiv- und Pflegefamilien sowie Familien, deren Kind aus einer heterosexuellen Partnerschaft stammt. (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2022).

Der Begriff Regenbogenfamilie leitet sich von der Regenbogenflagge, einem weltweiten Symbol für Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen ab. Laut einer Statistik des Statistischem Bundesamtes (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung) lebten im Jahr 2016 ca. 14.000 Kinder in Deutschland in einer Regenbogenfamilie.
 

Welchen Herausforderungen und Vorurteilen sind Regenbogenfamilien ausgesetzt?  


Ferdinand erzählt in der Kindergruppe, dass er heute von seiner Mama abgeholt wird. Als es klingelt und die Kinder zur Tür rennen ruft Ferdinand „Juhu abgeholt“. Anna, die neben Ferdinand steht schaut verwundert und sagt: „Aber Ferdinand, deine Mama hat doch blonde Haare und nicht braune so wie diese Frau.“ Ferdinand erwidert: „Ich habe eine Mama und eine Momie“. Anna schaut ihn an und sagt: „Oh das ist ja toll und wo ist dein Papa?“ Ferdinand wächst in einer Regenbogenfamilie auf. Für ihn ist seine Familienkonstellation selbstverständlich. Als Anna abgeholt wird erzählt sie ihrer Mutter ganz aufgeregt, dass Ferdinand zwei Mamas hat. Annas Mutter verunsichern die Fragen ihrer Tochter, da Sie keine Antworten auf die Fragen hat.

Laut unterschiedlicher Petitionen, haben Regenbogenfamilien noch immer nicht die gleichen Rechte und die Anerkennung der Gesellschaft trotz der "Ehe für alle", die vor über zwei Jahren eingeführt wurde (vgl. All out). In unserer Gesellschaft herrschen auch weiterhin Diskussionen um Regenbogenfamilien, mit den Argumenten, dass gleichgeschlechtliche Paare den Kindern keine entwicklungsangemessene Umgebung bieten können. Dies stellt die betroffenen Familien vor große Herausforderungen. Doch die Erfahrung zeigt, laut einer Studie der Universität Bamberg (https://www.uni-bamberg.de/news/artikel/regenbogenfamilie/), dass die individuelle Biographie der Kinder und ihre Familieneinbindung weitaus entscheidender ist als die Tatsache, dass die Familie aus zwei Vätern oder zwei Müttern besteht. Die Risikofaktoren, die das spätere Bindungsverhalten und die Bewältigung bestimmter Entwicklungsaufgaben negativ beeinflussen würden, sind im Wesentlichen identisch mit denen in anderen Familien.

 

Welche praktischen Umsetzungsmöglichkeiten gibt es für den pädagogische Alltag?  


Für die Auseinandersetzung mit Vielfalt und Diversität gibt es keine allgemein gültige Rezepte. Dafür sind die Rahmenbedingungen wie in den einzelnen elementaren Bildungsbereichen gearbeitet wird zu unterschiedlich. Dennoch gibt es praktische Tips die konzeptionell sowie im Alltag berücksichtigt werden können.

 

  • Formulierung bei Dokumenten

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Vielfalt und Diversität sowie die damit verbundene Wertschätzung fängt bereits bei der Formulierung auf Dokumenten und Formularen an. Achte darauf, dass Dokumente wie z. B. Anmeldeformulare, Elternbriefe oder die pädagogische Konzeption neutral formuliert sind. Statt „Vater“ und „Mutter“ sollten Begriffe wie Sorgeberechtigte oder Eltern verwendet werden. Verwende auch Bilder von gleichgeschlechtlichen Elternteilen für eure Dokumente. Auch bei dem Leitbild der Einrichtung sollte sensibel auf das Thema eingegangen werden.

  • Anmeldegespräch

Damit du als Fachkraft auf die individuelle Familiensituation und die jeweiligen Bedürfnisse eingehen kannst ist es wichtig, dass bereits beim Anmeldegespräch offen gesprochen wird. Eine offene Grundhaltung von deiner Seite sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein. Du kannst die Eltern fragen, wie ihr Kind sie bezeichnet. Nennt sich der eine Vater vielleicht „Papa“ und der andere „Vati“?

  • Kinderbücher

Achte darauf welche Kinderbücher es in deiner Gruppe gibt. Handeln die Geschichten von Familien mit Vater und Mutter oder wurde bei den dargestellten Familien auf Vielfalt geachtet. Die Bücher sollte für die Kinder jederzeit zugänglich sein, sodass sie diese auch eigenständig ansehen können und untereinander Gespräche entstehen. Bei manchen Büchereien gibt es sogar Vorlesestunden oder Bilderbuch Kino zum Thema Regenbogenfamilien.

Eine Literaturliste mit Kinderbücher zum Thema Regenbogenfamilie findet ihr hier:

https://www.siebenkilopaket.de/2017/05/04/buchtipps-9-kinderbuecher-fuer-regenbogenfamilien-und-gleichgeschlechtliche-eltern/

  • Pädagogischer Alltag

Für Kinder ist nicht der biologische Prozess von Bedeutung. Ihnen genügt eine schlichte Erklärung, dass Ferdinand, wie in dem Anfangs Beispiel beschrieben, zwei Mütter als Eltern hat, weil es Familien gibt, wo sich auch Gleichgeschlechtliche Menschen lieben. Du kannst also ein Projekt zum Thema Familie durchführen. Dabei werden Fragen der Kinder aufgegriffen, Bücher vorgelesen und gebastelt.

Auch könntest du im täglichen Sprachgebrauch darauf achten, dass Rollenspiele beispielsweise als „Familie Spielen“ betitelt werden anstatt „Vater-Mutter-Kind Spiele“. Um nicht auf einen Mangel hinzuweisen, achte auf Formulierungen: Anstatt - „Ferdinand hat keinen Papa“ - „Ferdinand hat zwei Mamas“.

  • Feierlichkeiten

Vor allem bei Festen wie Muttertag oder Vatertag solltest du darauf achten, dass alle Familienformen gleichermaßen wertgeschätzt werden. Die Kinder sollten bei der Übergabe vom Selbstgebastelten in keinen Loyalitätskonflikt gelangen und entscheiden müssen, ob sie das Muttertagsgeschenk Mama oder Mutti übergeben sollen. Hier kannst du dem Kind z. B. anbieten, zwei Geschenke zu basteln.

  • Team

Im pädagogischen Team sollte familiäre Vielfalt und speziell Regenbogenfamilien einThema sein. Hierzu gibt es interessante Fortbildungen oder aber auch Beratungsstellen wie beispielsweise dem österreichischen Verein FAmOS Regenbogenfamilie (https://www.regenbogenfamilien.at.). Aber auch die Regenbogenfamilien Zentren in Städten wie München, Berlin, Hamburg bieten Fortbildungen sowie Fachberatungen für Fachkräfte an. Du hast die Möglichkeit dich kostenlos z. B. über das Thema „Erziehung von Kinder in Regenbogenfamilien“ beraten zu lassen. Innerhalb des Teams ist es wichtig, dass ihr euch selbst reflektiert. Wie viel weißt du bereits über dieses Thema? Mitunter sind uns die eigenen Vorurteile gar nicht bewusst. Sich mit diesem Thema genauer auseinanderzusetzen ist für alle Beteiligten gewinnbringend. In deiner Einrichtung sollte auch Fachliteratur vorhanden sein, wie beispielsweise „Regenbogenfamilien ein Handbuch von Gerlach Stephanie“. Mit den Inhalten der Bücher solltest du dich innerhalb des Teams auseinandersetzen, sodass ihr eine einheitliche Linie fahren könnt. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit diese Bücher für alle Eltern der Einrichtung zum Ausleihen zur Verfügung zu stellen.

Eine Liste mit Büchern zum Thema Regenbogenfamilien findet ihr hier:

https://www.lesmamas.de/literatur

 

Bild: Shutterstock_2042830499

Quellen:

All out (2022): https://action.allout.org/de/a/regenbogenfamilien/
 

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2022): Familienportal.
 

https://familienportal.de/familienportal/lebenslagen/regenbogenfamilien
 

Bundeszentrale für politische Bildung (2022): https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/homosexualitaet/269064/regenbogenfamilien-in-deutschland/
 

FAMOS Regenbogenfamilien (2022): https://www.regenbogenfamilien.at

 

Lesben und Schwulenverband Berlin Brandenburg (2022): Regenbogenfamilienzentrum Berlin. https://berlin.lsvd.de/projekte/regenbogenfamilien-berlin/

 

Universtität Bamberg (2022): Nicht von schlechten Eltern. https://www.uni-bamberg.de/news/artikel/regenbogenfamilie/

 

 

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