Systemische Beratung in Kindertageseinrichtungen

Systemische Arbeit im Kindergarten

Text: Sandra Leitl

Viel zu wenig Zeit bei der Übergabe, Konflikte mit Eltern oder im Team: Herausforderungen im Kita-Alltag erfordern Lösungen. Wie hier die systemische Beratung helfen kann.

Die dreijährige Marie* tut sich schwer, wenn sie sich von ihrer Mama verabschieden muss. Sie weint sehr viel, will nicht loslassen. Die Fachkräfte starten ein Entertainment-Programm, um sie abzulenken und möchten Marie so helfen. Die Gründe, warum sie so viel weint, können sich die Mutter von Marie und die Fachkräfte nicht erklären. Bei diesem Fall kann die systemische Beratung helfen.

Unabhängig ob Leitung, Erzieherin im Gruppendienst oder „Springer“ – Themen wie Personalmangel, gestresste Eltern, Bürokratie-  fordern das Team in der Kita. Eltern wünschen sich flexible Bring- und Abholzeiten mit ausführlichen, individuellen Tür- und Angelgesprächen sowie längere Betreuungszeiten. Sie erwarten, dass die Gewohnheiten der Kinder, die sie von zu Hause kennen, täglich berücksichtigt werden. Dadurch entsteht Druck bei der Leitung, den pädagogischen Fachkräften, den Kindern sowie den Eltern, diesen Spagat für alle Beteiligten gut zu meistern. Eine systemische Beratung erkennt vorhandene Ressource und findet Lösungen.

Was ist systemische Beratung?

Die Systemische Beratung bezieht sich auf die Grundlagen der Systemtheorie, der systemischen Familientherapie und der Beratungswissenschaft. Derzeit gibt es keine einheitliche Definition von systemischer Beratung, die beispielsweise als Zweizeiler in einem Fachbuch nachgelesen werden kann. Dennoch kann der systemische Ansatz als eine Haltung beschrieben werden, die Wirklichkeit zu sehen.

Der systemische Ansatz

Von dem systemischen Ansatz werden daraus therapeutische und beraterische Herangehensweisen abgeleitet. Menschen sind Teil eines großen, sozialen Geflechtes. Sie leben in sozialen Verbindungen, in denen Wechselwirkungen und Dynamiken entstehen. Daraus resultieren Schwierigkeiten, Unruhen und Unstimmigkeiten, aus der Interaktion mit der Umwelt sowie ihren Beziehungen. Die systemische Beratung zielt auf die Erweiterung von Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten ab und ist ressourcenorientiert. 

Berater und Therapeuten setzen den systemischen Ansatz in den Gebieten der Pädagogik, der sozialen Arbeit, der Psychologie und der Heilpädagogik erfolgreich ein.

Was ist der Unterschied zwischen systemischer Beratung und systemischen Coaching?

In der tiefen systemischen Grundhaltung gibt es keinen Unterschied, im Einsatzgebiet weichen die beiden Ansätze ab.

Systemische Beratung

Die systemische Beratung wird in dem sozialen Bereich wie

–        Familientherapie und -beratung,

–        Erziehungsberatung,

–        Sozialarbeit,

–        Bereiche wie Kindergarten oder Schule

angewendet. Sie eignet sich gut für die Praxis aufgrund der Methodenvielfalt, die überall zum Einsatz kommen kann. Je nach Auftrag kann mit Einzelnen, Paaren, Familien oder Gruppen gearbeitet werden (vgl. Systemische Gesellschaft, 2021). In der systemischen Beratung werden Lösungen gefördert und gefordert und gemeinsam mit den Personen entdeckt. Der systemische Berater bringt seine eigene Meinung nicht vor.

Systemsiches Coaching

Das systemische Coaching ist als Beratungsformat für Führungs- und Leitungskräfte sowie Teams und Einzelpersonen in Organisationen oder „Menschen aus der Personalentwicklung“ als ein aufgabenbezogenes, ressourcen- und lösungsorientiertes Beratungsformat geeignet. Ein systemischer Coach greift auf Wissen zurück und äußert seine Meinung. Themen bei dem systemischen Coaching sind Teamdynamiken, Konfliktmanagement und Führungsverhalten. Ziel ist es, Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten von Menschen in ihren jeweiligen Arbeitswelten zu fördern (vgl. Systemische Gesellschaft, 2021).

Aus- und Weiterbildung zum systemischen Berater

Es gibt viele Möglichkeiten, sich zum systemischen Berater aus- und weiterzubilden. Das Angebot reicht von

–        privaten Instituten in Großstädten wie München, Hamburg oder Köln zu

–        öffentlichen Bildungseinrichtungen wie den Volkshochschulen (VHS).                

Die Kosten für die Ausbildung zum systemischen Berater sind unterschiedlich und können bis zu mehreren Tausend Euro betragen. Auch die Inhalte der Themen und die Dauer der Weiterbildung unterscheiden sich – bis zu zwei Jahre kann die Ausbildung dauern. Die Ausbildung zum systemischen Berater dient als Grundstock für den Aufbau zur systemischen Therapie oder zur Kinder- und Jugendtherapie. Bei manchen Anbietern wird der systemische Berater auch als Grundlage für einen Coaching Aufbau genutzt. Wegen der Corona-Krise und den damit verbundenen Schulschließungen haben einige Institute und Anbieter auf virtuelles Fernlernen umgestellt.

Zertifizierte Aus- und Weiterbildung von Dachverbänden

Systemische Beratung, die von den Dachverbänden wie beispielsweise die

–        DGSF (Deutsche Gesellschaft für systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) und

–        SG (Systemische Gesellschaft) sowie

–        GSB e.V. (Gesellschaft für systemische Beratung)

zertifiziert wird, ist sehr eng definiert und grenzt sich von den Anbietern auf dem Markt ab. Die Zertifizierungen stellen die Einhaltung der Qualitätsstandards sicher. Die Verantwortung hierfür liegt bei den jeweiligen Instituten.

Diese Weiterbildungsrichtlinien oder Qualitätsstandards für systemische Weiterbildungen haben die Dachverbände festgelegt (vgl. DGSF, 2021).

Inhalte umfassen beispielsweise:

–        Umfang der Weiterbildung,

–        systemische Supervision,

–        berufsfeldrelevante Selbsterfahrung und Selbstreflexion sowie

–        angewandte systemische Praxis und Intervention.

Bei diesen Mindestanforderungen handelt es sich um institutionelle Voraussetzungen. Zu diesen zählen unter anderem Zulassungsvoraussetzungen wie geeigneter Schul- oder Berufsabschluss wie beispielsweise Hochschulabschluss oder einen Berufsabschluss im psychosozialen Bereich – es besteht jedoch die Möglichkeit individuellen Einzelfälle zu prüfen.

Eine systemische Weiterbildung ist nicht zu vergleichen mit einer Erzieherausbildung, bei der Klausuren geschrieben werden oder eine Prüfung ansteht. Bei der systemischen Ausbildung werden keine Noten vergeben. Wenn man ein Zertifikat für den systemischen Berater erhalten möchte, muss am Ende der Ausbildung eine Abschlussarbeit wie ein Bericht oder ein Abschlusskolloquium in Form von dokumentierten Beratungseinheiten eingereicht werden.

 

Systemische Beratung im Kita Alltag

Systemische Grundlagen, Haltungen und Techniken können Fachkräfte mit Entwicklungsaufgaben und Bedürfnissen der Kinder und der Gestaltung des Kita-Alltages verbinden. Sie können Stressreaktionen im Ablauf der Kita identifiziert und Lösungen für einen sinnvollen Umgang damit entwickeln.

Schwerpunkt Kind

Ein Kind im Kindergarten fällt seit einiger Zeit durch sein Verhalten in der Gruppe auf. Andere Kinder aus der Gruppe beschweren sich bereits bei den Pädagogen, dass sie von dem Kind geärgert werden. Auch fragten Eltern nach, was in der Gruppe los sei. Der Druck auf die Pädagogen wächst und es wird vermutlich eine Fallbesprechung geben. Aus systemischer Sicht wird das Verhalten des Kindes im Zusammenhang mit den Merkmalen des Systems verstanden. Im Fokus steht jetzt die Beobachtung: Welche Personen sind innerhalb der Gruppe beteiligt? Was hat sich im System des Kindes– bei den Eltern, den Pädagogen in der Kindergruppe und dem Umfeld verändert? Nach Klärung der Fragen können pädagogische Fachkräfte eine Hypothese bilden. So eine Behauptung könnte beispielweise sein, dass ein Kind vermehrt Aufmerksamkeit braucht, da beide Elternteile wieder Vollzeit arbeiten oder aktuell ein Umzug ansteht, ein Elternteil hat Stress in der Arbeit, das Kind hat gerade ein Geschwisterchen bekommen.

Schwerpunkt Eltern

Ein Teil der pädagogischen Arbeit ist auch die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern. Die Mutter bringt das Kind morgens und ist sichtlich gestresst, das Kind weinerlich. Sie reagiert auch sehr patzig auf die pädagogische Fachkraft, wenn das Kind im Laufe des Kita Tages in die Hose gemacht hat. Die Mutter steht hier sichtlich unter Druck. Ein Einzelgespräch würde hierbei helfen nach dem Grund zu fragen und mit einer systemischen Auftragsklärung kann man erarbeiten, wie allen Beteiligten in dieser Situation geholfen werden kann.

Schwerpunkt Team

Innerhalb eines pädagogischen Teams kann es immer wieder mal zu Reibereien kommen oder einer Kollegin wird alles zu viel. Auch die Phasen der Teamentwicklung können zu Herausforderungen führen. Eine systemische Beratung kann hier bei Konfliktgesprächen helfen. Durch ein Individualgespräch kann herausgearbeitet werden, dass das ursprüngliche Thema für den Konflikt nicht die Kollegin ist, sondern sie das auf diese projiziert hat. Das eigentliche Thema ist vielleicht der Partner, mit dem man gerade eine Meinungsverschiedenheit hat. Hier kann die Methode der Projektionsarbeit dabei helfen. Dabei wird herausgearbeitet, welcher Satz, welche Verhaltensweise einem an der Kollegin „stört“. Es wird eine konkrete Situation gefunden, die beispielsweise genauso bei dem Partner auftritt. Von dieser Vorwurfshaltung werden dann die Bedürfnisse der Person herausgearbeitet. Ergebnis dieser Arbeit ist es, dass erkannt wird, dass die Emotion jemandem anderen gilt und wie man künftig mit dieser Person, in unserem Beispiel der Kollegin, umgehen kann.

Schwerpunkt Leitung

Sehr oft ist es der Fall, dass eine pädagogische Fachkraft aus dem Team zur Leitung einer Kita wird. Hier besteht die Gefahr von älteren Teammitgliedern oder Eltern nicht akzeptiert und respektiert zu werden. Die Leitung möchte es allen Recht machen, ist somit rund um die Uhr erreichbar und die organisatorischen Arbeiten bleiben liegen. Dies führt mit der Zeit zu Überforderung, Enttäuschung und Unmut. Hier kann man innerhalb der systemischen Beratung daran arbeiten, wo der Ursprung herkommt, es allen recht machen zu wollen. Innerhalb der Beratung kann daran gearbeitet werden, neue Strategien und Verhaltensweisen zu entwickeln um aus diesem Strudel heraus zu kommen. Oder es wird der Ursprung für diese Verhaltensweisen erkannt und man kann dieses mit Hilfe der systemischen Beratung verarbeiten.

Methoden der systemischen Beratung im Kita Alltag

Die systemische Beratung greift auf eine Vielzahl von Methoden vergleichbar mit einem bunten Methodenkoffer zurück, der sich im Kita Bereich anwenden lässt. Dabei geht es nicht darum, zur richtigen Zeit zur richtigen Methode zu greifen. Die Werkzeuge hierzu sind in jedem Fall anders und müssen individuell auf die Person eingesetzt werden. Systemische Techniken und Methoden sind keine statischen Mittel, die man gekonnt einsetzt. Grundsätzlich wird mit systemischen Fragetechniken wie dem zirkulären Fragen wie beispielsweise „Was denkst du, würde der Vater des Kindes sagen?“ oder W- Fragen Wo, Wann, Wie, Weshalb und Wer gearbeitet. Der Berater gibt keine Lösungen vor, sondern anhand von Fragen wird zur Lösung hingeleitet. 

Wichtig ist am Anfang jeder Beratung die Auftragsklärung: Was ist das konkrete Anliegen der Eltern? Was genau ist das Thema des Teamkonfliktes? Nur wenn dieser Auftrag klar ist, können alle eine zufriedenstellende Lösung erarbeiten.

Drei Methoden, die sich gut für den Kita Alltag eigenen:

- Genogrammarbeit

Diese Methode ist hilfreich, wenn pädagogische Fachkräfte verstrickte Familienbeziehungen verdeutlichen möchten. Mit einem Genogramm – eine grafische Darstellung eines Familienstammbaums – sollen beispielsweise Verhaltensmuster eines Kindes innerhalb der Gruppe sowie seiner Familie veranschaulicht und evaluiert werden. Ein Genogramm kann Inhalt bei einem Eingewöhnungsgespräch sein.

- Skulpturarbeit/Familienbrett

Eine Skulpturarbeit/Familienbrett können pädagogische Fachkräfte gut anwenden, wenn ein Kind aus einer Patchwork Familie aufgenommen wird. Mit Hilfe der in Form, Größe und Farbe unterschiedlichen Figuren werden auf einem Brett die Familienmitglieder oder die Personen aus dem Umfeld und ihre Beziehung zueinander dargestellt. Es wird möglich, sich die Familie und die Beziehungen untereinander aus verschiedenen Perspektiven anzusehen.

Hier kann die Komplexität der Familie nochmals verdeutlicht werden. Auch können Fachkräfte bei einer schwierigen Eingewöhnung ein Familienbrett als Hilfsmittel verwenden. Diese Methode verdeutlicht, welche Gründe die Eingewöhnung etwas „schwierig“ machen.

- Time Line

Bei der Time-Line oder Zeitlinien Arbeit wird ein Seil gelegt, das das Leben darstellen soll. Es werden bis zu drei Ereignisse der Lebensgeschichte, die als besonders prägende empfunden wurden, herausgearbeitet. Auch bei negativen Ereignissen wie beispielsweise einer Kündigung durch den Arbeitgeber, kristallisieren sich Stärken und Ressourcen heraus, die die Person dadurch aktiviert oder gewonnen hat. Diese Ressourcen kann sie dann imaginativ aus der Vergangenheit wieder in die „Gegenwart mitnehmen.

Diese Methode eignet sich, um die Ressourcen eines Menschen hervorzuheben. Wenn eine Kolleg/-in beispielsweise an sich zweifelt, da sie sich einer Aufgabe aktuell nicht gewachsen fühlt, dann können ihr mit dieser Methode Ressourcen aufgezeigt werden, welche Stärken sie bereits in sich trägt oder sie in der Vergangenheit schon mal aufgezeigt hat. Diese Erinnerung an eigene Stärken kann dazu beitragen, die aktuelle Herausforderung mit anderen Augen zu betrachten und sie somit leichter zu bewältigen.

Allgemein ist zu erwähnen, dass der systemische Ansatz mehr als ein Denkansatz oder eine Theorie ist und dass unser Handeln stets auf subjektiven Bewertungen basiert. Für den Kita Alltag bedeutet dies, Situationen und Menschen aus vielen Perspektiven zu betrachten und stets nach Lösungen zu suchen und zu finden.

Systemische Elemente in der Gesprächsführung

Ein wichtiger Aspekt ist die Kommunikation. Im Beispiel von Marie wäre eine kollegiale Fallberatung vor einem Elterngespräch wichtig.

Kolligiale Fallberatung

Durch diese Beratung werden Perspektivwechsel ermöglicht und Ideen gesammelt, wie das anstehende Elterngespräch geführt werden kann. Durch den Altagstrott kann den Beteiligten ein lösungsorientierter Blick fehlen. Durch die kolligiale Fallberatung können gemeinsam Lösungen zum Wohle des Kindes gefunden werden, die sowohl von den Eltern als auch von den Pädagogen gut umsetztbar sind. Innerhalb der Beratung kann auch die innere Haltung der jeweiligen Pädagogen reflektiert werden:

- Wie begegne ich als Pädagogin dem Kind?
- Bin ich morgens bereits gestresst, wenn Marie weint?
- Spürt Marie vielleicht auch diese Emotionen?

Diese Beratung berücksichtigt sämtliche Perspektiven aller Beteiligten des Systems von Marie.

Die systemischen Elemente in der Gesprächsführung können auch innerhalb eines Elterngespräches angewendet werden, wobei nicht immer zwingend eine vorhergehende Sitzung in der systemischen Beratung von Nöten ist. Es geht darum, die gesamte Familie als System zu betrachten und sogennante „Blockaden des Dialoges“ zu vermeiden. Zu solchen Blockaden zählen z. B. negativ Formulierungen („Marie weint immer beim Ankommen.“ „Es ist eine schwierige Situation für alle Beteiligten, wenn Marie weint.“). Der Fokus sollte auf Lösungen statt Problemen liegen und die Ressourcen der Familie müssen herausgefunden werden.

Reframing

Auch könnte man während des Gespräches die Technik des Refraiming anwenden. Ein Reframing – eine Umdeutung - ersetzt den begrifflichen und gefühlsmäßigen Rahmen, in dem eine Sachlage erlebt und beurteilt wird durch einen anderen, der den „Tatsachen“ der Situation ebenso gut oder sogar besser gerecht wird. Dabei wird eine andere Perspektive angeboten. Die Bedeutung, die der Sachlage zugeschrieben wird, wird somit verändert (vgl. Watzlawick et.al. 1974).

Im Fall von Marie könnte in dem Elterngespräch erwähnt werden (anstatt  einer möglichen Aussage der Mutter: „Ich bin morgens immer so ungeduldig, weil ich schnell los muss“ – „Sie wollen immer das Beste und zwar so schnell wie möglich“ - Inhalts – oder Bedeutungsrefraiming). Hierdurch wird die gedankliche Fixierung auf den negativen Aspekt der Belastung gelockert und eine kompetenzorientierte Interpretation des gezeigten Verhaltens angeboten. Das mögliche Problem (von Seiten der Mutter) kann somit in eine Ressource umbenannt werden und es können, anhand dieser Ressource Lösungen überlegt werden.

Im Systemischen wird davon ausgegangen, dass bei dauerhaften Störungen der Kommunikation eine Abwertung des Selbstwertgefühls der Beteiligten vorliegt. Maries Mutter könnte durch die wiederholten Rückmeldung „die morgentliche Situation gestaltet sich sehr schwierig“ schnell als Stress ansehen und es drohen Konflikte.

Satir Kategorien

Laut Virginia Satir (vgl. Satir, 1980)  zeigen Menschen charakteristische Reaktionsmuster. Sie wollen ihre Schwäche nicht zeigen und versuchen sie durch folgende vier Reaktionsweisen zu verbergen, durch:

 

- Ablenken, damit einen der andere für locker und lässig hält


- Beschwichtigen, damit der andere nicht ärgerlich wird


- Rationalisieren, damit einen der andere für kompetent und klug hält

- Anklagen, damit einen der andere für stark hält

 

Diese Reaktionen dienen als Schutzmechanismen und helfen letztendlich nicht, sondern erschweren die Kommunikation und führen zu ernsthaften Konflikten.

Bei der Mutter könnte eine Schieflage hinsichtlich Eigenverantwortung und dem Umgang mit den eigenen Gefühlen entstehen. Sie könnte z. B. die Pädagogen dafür verantwortlich machen, dass die morgentliche Situation bei Marie mit Weinen beginnt (Reaktionsmuster- Anklage). Im Elterngespräch sollte versucht werden, die Schieflagen aufzuzeigen, die durch die Reaktionsmuster entsteht und die Mutter unterstützt werden, ein kongruentes Verhalten zu zeigen. Ziel ist es, das Verhältnis zum Gegenüber ebenbürtig zu gestalten und sozusagen eine ‚o.k – o.k.-Position‘ herzustellen.

Durch das Anwenden dieser Methoden im Gespräch kann es leichter fallen einen Perspektivwechsel einzunehmen um einen besseren Zugang zu den Eltern zu finden. Es können gemeinsame Lösungen gefunden werden, die die morgendliche Bringsituation von Marie verbessert.

 

Ablauf einer systemischen Beratung

Auch bei Marie hat sich die Bringsituation am Morgen mit Hilfe der systemischen Beratung, zu der ihre Mutter ging, entspannt. Innerhalb der systemischen Beratung wurde erstmals das konkrete Anliegen die sogenannte Auftragsklärung der Mutter „erarbeitet“. Das Anliegen war, herauszufinden was die Übergabe in den Kindergarten morgens so erschwert und Marie weint.

Zu Beginn der systemischen Beratung erfolgt ein ausführliches Anamnesegespräch, in dem die Fachkraft Informationen über die Herkunftsfamilie der Mutter, aktuelle Lebenssituation der Familie, konkrete aktuelle Belastungen oder Krankheiten abfragt. Die Fachkraft kann hierbei, um die Komplexität der Familie visuell zu verdeutlichen, bereits ein Genogramm erstellen. Durch dieses Gespräch wird deutlich, dass die Mutter von Marie noch nicht über den Verlust ihrer eigenen Mutter hin weg ist. Zudem ist ihr Mann, der Vater von Marie, seit einem Jahr vermehrt beruflich unterwegs. Um die Beziehung von Marie und der Mutter visuell zu verdeutlichen wird anhand von dem Familienbrett (wie vorher bereits erklärt) die Beziehung Mutter, Vater und Marie und die Beziehung der Mutter zu Ihrer eigenen Mutter gestellt. Durch diese Methoden und anhand von systemischen Fragetechniken wurde der Mutter von Marie klar, dass sie an Marie, seit dem Tod ihrer eigenen Mutter, sowie dem häufigen Wegbleiben ihres Mannes klammert. Sie nimmt Marie als Halt wahr, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Anschließend wird diese Erkenntnis anhand eines Modells nach Salvador Minuchin (vgl. IFW, 2021) verdeutlicht. Das Modell geht davon aus, dass sich Mitglieder der Familie anhand vier unterschiedlichen Ebenen bewegen.

–        Individual-Ebene

–        Paar-Ebene

–        Eltern-Ebene

–        Kind-Ebene

Innerhalb einer weiteren systemischen Beratungsstunde wird der Mutter von Marie klar, dass sie ihr Kind auf die Paarebene hebt. Sie vermischt die Elternebene mit der Paarebene dadurch, dass sie Halt bei Marie sucht, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Durch diese Verdeutlichung in den Beratungsstunden konnte die Mutter ihr Verhalten besser reflektieren und verstand auch, dass sie es war, die Marie nicht loslassen konnte und dies dem Kind spüren ließ. Durch die systemische Beratung gelang es der Mutter ihre Einstellung und ihre Haltung zu ändern. Es dauerte nicht lange, dass der Mutter der Abschied leichter viel und somit Marie auch nicht mehr weinte.

* Name geändert

 

Sandra Leitl ist systemische Beraterin in München und spezialisiert auf Einzel- und Familienberatung. Davor war sie acht Jahre Leitung einer Kita.

www.sandra-maria-leitl.de

 

 

Quellen:

DGFSV (2021): https://www.dgsf.org/zertifizierung/dgsf/zertifizierung-richtlinien, abgerufen am 03.02.2021

IFW (2021): https://www.i-f-w.de/salvador-minuchin-ein-botschafter-der-systemischen-familientherapie/, abgerufen am 03.02.2021

Systemische Gesellschaft (2021): https://systemische-gesellschaft.de/systemischer-ansatz/arbeitsbereiche/50900-2/, abgerufen am 03.02.2021

Systemische Gesellschaft (2021): https://systemische-gesellschaft.de/systemischer-ansatz/arbeitsbereiche/systemisches-coaching/, abgerufen am 03.02.2021

 

 




 


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