Morgenkreis in Kindergarten und Krippe

In vielen Kitas ist der Morgenkreis ein fester Bestandteil des Tagesablaufs sowie ein täglich wiederkehrendes Ritual. Der Morgenkreis wird als eine beliebte Aktivität angesehen, die viel kreativen Spielraum lässt und an das Alter der Kinder sowie thematisch an Feste, Jahreszeiten, Feiern und an Bedürfnisse sowie Interessen der Kinder angepasst werden kann. Aber was genau ist ein Morgenkreis? Und warum ist der Morgenkreis für die Kinder so wichtig? Wie wird ein Morgenkreis in der Kinderkrippe oder im Kindergarten gestaltet? Auf all diese Fragen wird im folgenden Artikel eingegangen.

Was wird unter einen Morgenkreis verstanden?  

Der Morgenkreis kann als Hilfsmittel bzw. Werkzeug der Pädagogik gesehen werden. Er dient dazu, individuelle Befindlichkeiten, Interessen und Tagesthemen anzusprechen. Dabei wird meist zusammen gesungen, gespielt, vorgelesen oder sich untereinander ausgetauscht (Quelle: Wikipedia).

 

Warum ist der Morgenkreis so wichtig?  

Der Morgenkreis ist in vielen Einrichtungen bereits seit Jahren ein fester Bestandteil im Tagesablauf. Es gibt jedoch auch Kritiker, die den „Sitzkreis für altmodisch halten. Ein Grund mehr, sich mit den Inhalten des Morgenkreises neu auseinanderzusetzen – und seine Bedeutung zu verdeutlichen.
 

  • Der Morgenkreis als Ritual 

Kinder brauchen Rituale. Was für die Kleinen vorhersehbar ist, gibt Ihnen Geborgenheit, Vertrautheit, Sicherheit und Halt. Die Kinder erinnern sich und sie nehmen selbstbewusst wahr: Ich kenne das, ich kann das schon. Erst dadurch entsteht die Basis für Neues zu lernen. Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist ein ritualisierter Tagesablauf in der Kita.
 

  • Wiederholungen als Unterstützung für die Entwicklungsförderung 

Kinder brauchen Wiederholungen. Abläufe, Worte und Melodien prägen sich nur dann ein, wenn sie sich wiederholen. Und nur dann können sie als eigene Erfahrungen gespeichert werden. Das Wiederholentrainiert das Gedächtnis, festigt den Wortschatz und trägt zur Entwicklung der Kommunikationsfähigkeitbei. Zudem unterstützen Wiederholungen die Selbstsicherheit und ermutigen die Kinder, das auszudrücken, was sie schon können. Deshalb möchten Kinder häufig im Morgenkreis immer wieder das gleiche Lied singen oder dieselbe Geschichte hören.
 

  • Stärkung der persönlichen und sozialen Kompetenzen durch den Morgenkreis 

Im Morgenkreis wird das „Wir-Gefühl“, der Gemeinschaftssinn und die sozialen Kompetenzen der Kinder gestärkt sowie das soziale Miteinander eingeübt. Der Morgenkreis vermittelt dem Kind: „Ich gehöre dazu und ich bin hier wichtig.“ Im Morgenkreis können Kinder Ideen in die Gruppe einbringen. Das Selbstbewusstsein wird so gestärkt. Es werden auch soziale Kompetenzen wie Zuhören, aufeinander hören, gemeinsam etwas machen und sich in Interaktion erleben, gefördert.
 

  • Möglichkeit der Wissensvermittlung

Der Morgenkreis kann zur Wissensvermittlung genutzt werden. Dabei werden neue Themen mit den Kindern besprochen und aktuelle Interessen der Kinder aufgegriffen.
 

  • Förderung von Bildungs- und Erziehungsbereichen

Je nach Thema des Morgenkreises werden die einzelnen Bildungs- und Erziehungsbereiche gefördert. Beim gemeinsamen Erzählen und Singen sowie bei Fingerspielen wird die Sprache und die Sprechfreude gefördert. Beim gemeinsamen Singen und Tanzen im Morgenkreis findet ästhetische Bildung von ganz alleine statt. Das gemeinsamen Experimentieren ermöglicht den Kindern, Erfahrungen im naturwissenschaftlichen Bereich zu sammeln.

Wie kann ein Morgenkreis gestaltet werden?


Beim Morgenkreis darf der Spaß und die Freude nicht fehlen. Hier kannst du als Fachkraft auch mal mit den Kindern Quatsch machen. Natürlich sollten aber auch lehrreiche Dinge nicht fehlen oder zu kurz kommen. Die gezielte inhaltliche Auswahl des Morgenkreises bringt den Kindern Woche für Woche neue Impulse. 

Generell gilt:

  • Gestalte den Morgenkreises altersgerecht.
  • Die Themen sollten sich an den Interessen der Kinder orientieren.
  • Die Dauer des Morgenkreises wird dem Alter der Kinder angepasst.
  • Der Sitzkreis kann auf Stühlen oder auf Sitzkissen stattfinden.
  • Denke daran, dass die Ausdauer und die Konzentration der Kinder nicht jeden Tag gleich ist. Du musst nicht mit Zwang das geplante Programm durchführen. Wenn du merkst, dass es für die Kinder an diesem Tag zu lang oder zu viel ist, dann brich ab.

 


 

Beispielhaft kann ein Morgenkreis - Verlauf folgendermaßen aussehen:  

  • Ankündigung des Morgenkreises: mit einem deutlichen Signal wie einer Klangschale oder einen Gong (das Signal kann auch von einem Kind gegeben werden, dass „beauftragt“ wurde. Es kann auch ein gemeinsames Aufräumlied gesungen werden.
  • Begrüßungslied: Die Kinder können sich dabei gegenseitig begrüßen. Gleichzeitig kommen die Kinder zur Ruhe. 
  • Wer ist da, wer fehlt?: Die Kinder können erraten, wer aus der Gruppe fehlt. Du als Fachkraft führst eine Anwesenheitsliste. 
  • Gemeinsames Besprechen von Wochentag/Monat/Jahr/Jahreszeit/Wetter: Die Kinder schauen sich gemeinsam einen Kalender an und beobachten das Wetter. Das Wetter kann auch mithilfe einer Wetteruhr notiert werden. Bei Geburtstagen oder besonderen Festen wird ein Lied im Morgenkreis gesungen.
  • Erlebnisse erzählen: Du kannst dir von einigen Kindern wichtige Erfahrungen erzählen lassen.
  • Kreative Aktivitäten: In diesem Teil des Morgenkreises hast du die Möglichkeit eine Vielzahl von Aktivitäten anzubieten:
    • Fingerspiele
    • Geschichten
    • neue Lieder
    • Spiele oder Rätsel 
    • Bilderbücher
  • Abschluss: Hier werden die Ereignisse oder Planungen des Tages kurz besprochen und der Morgenkreis wird aufgelöst.

     

Wie kann ein Morgenkreis in der Krippe gestaltet werden ?

 

  • Die Durchführung erfolgt meistens auf den Boden. Jedes Kind sollte jedoch seinen Platz haben in Form von Bodenkissen oder Teppichfliesen. 
  • Die Inhalte sollen auf die Bedürfnisse und Themen der Kinder abgestimmt sein, z. B. der entdeckte Regenwurm im Garten, die Baustelle vor der Haustür.
  • Je jünger die Kinder sind, desto häufiger brauchen oder wollen sie Wiederholungen. Meist fordern sie über einen längeren Zeitraum immer das gleiche Lied/Fingerspiel ein.

 

Wie kann ein Morgenkreis im Kindergarten gestaltet werden ? 

 

Der Morgenkreis für Kindergartenkinder unterscheid sich etwas von dem der jüngeren Kinder 

  • Der Kreis kann auf dem Boden, auf dem Teppich, auf Sitzkissen oder auf Kinderstühlen stattfinden.
  • Den Kindern sollte im Morgenkreis Abwechslung geboten werden – so kommt keine Langeweile auf.
  • Bei Kindergartenkinder können öfters neuere Themen im Kreis angesprochen werden als bei Krippenkindern. 


Generell ist jedoch im Rahmen der Partizipation wichtig, dass die Teilnahme am Morgenkreis für alle Kinder freiwillig ist. Werden Kinder zum Mitmachen gezwungen, sind sie verständlicherweise wenig entspannt. Manche Kinder möchten sich das Geschehen lieber von außen anschauen. Gerade am Anfang ihrer Kita Zeit brauchen sie etwas länger, um sich in die Gruppe einzufinden.

Auch sollten die Kinder mit entscheiden dürfen welches Fingerspiel gespielt oder welches Lied gesungen wird.

 

Wie lange sollte ein Morgenkreis dauern?


Der Beginn des Morgenkreises hängt von den Kernzeiten deiner Einrichtung ab. In vielen Kitas beginnt der Kreis vor dem gemeinsamen Frühstück. Wichtig ist es, dass du darauf achtest, dass alle Kinder in Ruhe „angekommen“ sind, bevor sie sich im Morgenkreis versammeln. Die Dauer ist dabei abhängig vom Alter, Entwicklungsstand, der Ausdauer und Konzentration der Kinder. In der Kinderkrippe sollte die Kreiszeit ca. 10 bis 20 Minuten andauern. Im Kindergarten geht man von einer ungefähren Dauer von ca. 15 bis 45 Minuten aus. Wichtig ist, dass du die Kinder während des Morgenkreises beobachtest. Nicht jeder Tag ist gleich und die Tagesform und Konzentration der Kinder kann von Tag zu Tag variieren.  
 

Wie beende ich einen Morgenkreis?  

Für das Beenden des Kreises gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • gemeinsames besprechen des Tages: Was steht heute an? Wer möchte in welchem Aktionsbereich spielen? Hier sollte Partizipation großgeschrieben werden. So lernen schon die Kleinen, ihre Wünsche auszudrücken und alle sind noch interessierter dabei.
  • Trink- oder Obstpause
  • gemeinsame Brotzeit oder Frühstück
  • Gang in den Garten: Sinnvoll kann es sein, mit den Kindern ins Freie zu gehen, um etwas frische Luft zu schnappen oder sich nach dem Morgenkreis einfach nur auszutoben.

Am besten du beobachtest die Kinder bzw. fragst sie und dann wirst du schnell merken, was sie brauchen. Wichtig ist jedoch, dass gleich nach dem Morgenkreis kein festes Programm stattfindet, da dies zu Überforderung führt.

17 konkrete Ideen für den Morgenkreis  

  1. Singen von gemeinsamen Begrüßungs- oder Geburtstagsliedern: Instrumente wie kleine Rasseln etc. können dazu gespielt werden. Hier kann mit unterschiedlichen Orffmaterialien und mit Körperinstrumenten gearbeitet werden.
  2. Rituale: Zu Anfang eines Morgenkreises sollte es Rituale geben, die täglich gleich bleiben. Solche Rituale sind z. B. das gemeinsame Ermitteln des Wochentages, Ermitteln des Wetter. Danach kannst duein neues, altersentsprechendes, auf die jeweilige Jahreszeit bezogenes oder aber auch ein jahreszeitlich neutrales Angebot durchführen.
  3. Wer ist da und wer fehlt? Bei der Begrüßung sehen die Kinder und du als Fachkraft, ob die Gruppe im Morgenkreis vollzählig ist. Falls nicht, beauftrage vielleicht die Kinder herauszufinden, wer genau fehlt. Das Detektivspiel macht ihnen Spaß und fördert die Achtsamkeit in der Gruppe.
  4. Erzählkreis: Nach den Wochenenden oder nach den Ferien lassen sich gut kleine Erzählrunden mit einem Erzählstein einbauen. Der Stein dient dabei zur besseren Orientierung und zum Einhalten der Gesprächsregeln. Bei schüchternen Kindern, die sich nicht oder noch nicht viel sprechen trauen, kann eine kleine Handpuppe zu Hilfe genommen werden.
  5. Bodenbilder legen: Dazu eignet sich ein farbiges Tuch und verschiedene Materialien wie Muggelsteine, Kastanien usw. . Die Kinder können z. B. zur Weihnachtszeit ihren schönsten Weihnachtsbaum aus den Materialien legen.
  6. Tanz- oder Bewegungslieder: Hilft müden Kindern wach zu werden. Hier kann der kindliche Bewegungsdrang der Kinder gestillt werden. Bewegungs- und Tanzlieder motivieren die Kinder zum Mitmachen.
  7. Spiele: Spiele motivieren Kinder am Morgenkreis teilzunehmen. Geeignet hierbei sind Spiele wie: „Hilfe, Hilfe ich bin in den Brunnen gefallen“ oder „Esel schrei mal IA“
  8. Fingerspiele und Geschichten: Diese können aus einem Geschichtensäckchen von den Kindern gezogen werden. Bitte achte darauf, dass du bei den Kleineren eine bildhafte, spannende Darstellung der Geschichte durch Figuren, Kuscheltierchen oder Fotos hast. Geschichten können so besser verstanden werden.
  9. Bilderbücher: Gemeinsam können Bilderbücher zu bestimmten Themen oder zur Jahreszeit passend vorgelesen und besprochen werden.
  10.  Kinderkonferenzen: Da im Morgenkreis die Kinder versammelt sind, bietet sich hier die Gelegenheit, die Kinder zu befragen, über welches Thema sie als Nächstes sprechen wollen oder wo ihr nächster Ausflug hinführt. Die Kinder können mithilfe von kleinen Steinchen ihre Stimme abgeben.
  11. Sinnesspiele: Spiele für die Sinne können den Morgenkreis zu einem spannenden Erlebnis werden lassen. Tast- und Geschmackssinn, aber auch die Merkfähigkeit werden dabei trainiert. Viel Spaß macht den Kindern zum Beispiel ein Geräusch-Memory.
  12.  Kamishibai: Du kannst mithilfe der Bildkarten die Geschichte selbst erzählen oder Kinder fragen, ob sie Lust haben, für die anderen Kinder das Erzähltheater durchzuführen.
  13. Phantasie- oder Traumreisen: Sie nehmen Kinder mit auf Entdeckungstour durch die eigene innere Vorstellungswelt. Durch das Erzählen von Fantasiegeschichten werden bildreiche Vorstellungen geweckt und die Kinder kommen zur Ruhe.
  14. Klanggeschichten: Die Geschichten bieten für Kinder einen besonderen Anreiz, da sie auf ein bestimmtes Wort ein Instrument spielen dürfen. Dabei schulen die Kinder ihre Aufmerksamkeit und Konzentration und werden aktiv an einer Geschichte beteiligt.
  15. Experimente: Kinder lieben das Forschen. Spezielle Utensilien benötigst du meist nicht, da viele Experimente mit Gegenständen aus dem Alltag durchgeführt werden können. Die Experimente sollten der Jahreszeit entsprechen, z. B. warum schmilzt Eis, wenn Salz darüber gestreut wird?
  16. Spielerische Fremdsprachförderung: Den Morgenkreis könnte z. B. der Englisch sprechende Hund Bello in Form einer Handpuppe besuchen. Er sing mit den Kindern Lieder in der jeweiligen Sprache und vermittelt spielerisch einfache Fremdsprachwörter. Wenn du Kinder mit Migrationshintergrund in deiner Gruppe hast, kann Bello den Kindern auch Wörter der Muttersprache der Kinder beibringen. 
  17. Einladung eines Elternteils: Du kannst im Rahmen eines Projektes vielleicht einen Elternteil einladen der seinen Beruf als Polizist näher erklärt oder der Fotos aus seinem Heimatland zeigt. Die Kinder lernen dadurch kindgerecht Berufe und andere Kulturen kennen.

 

Quellen:
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https://de.wikipedia.org/wiki/Morgenkreis

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