Der Morgenkreis im Kindergarten und in der Krippe – mehr als ein tägliches Ritual

Morgenkreis in Kita und Kiga

In vielen Kindergärten ist der Morgenkreis ein fester Bestandteil des Tagesablaufs, sowie ein täglich wiederkehrendes Ritual. Kinder brauchen Rituale. Was für die Kleinen vorhersehbar ist gibt Ihnen Geborgenheit, Sicherheit und Halt. Ein geregelter Tagesablauf gibt Gewohnheit und Struktur und ist gleichzeitig die Grundlage dafür Neues aufzunehmen, zu verarbeiten und zu lernen. Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist ein ritualisierter Tagesablauf in der Kita.

Es gibt Kinder die zu Hause mit den Eltern oder Großeltern regelmäßig Morgenkreis spielen. Sie wollen mit dem Morgenkreis den Tag beginnen, wie in der Kita auch.  Der Morgenkreis schenkt den Kindern Vertrauen in den Tag. Für Kinder ist es sehr wichtig den Morgenkreis täglich mitzuerleben. Ein verpasster Morgenkreis würde sie einfach zu sehr durcheinander bringen. Eltern sollten deshalb versuchen,  ihre Kinder rechtzeitig in die Kita zu bringen. Ausnahmen, sei es wegen eines Arztbesuches etc., können hier selbstverständlich zugelassen werden.

Stärkung der persönlichen und sozialen Kompetenzen durch den Morgenkreis

Im Morgenkreis werden das Wir-Gefühl und die sozialen Kompetenzen der Kinder gestärkt, sowie das Soziale Miteinander eingeübt. Der Morgenkreis vermittelt dem Kind:
„Ich gehöre dazu, hier bin ich dabei, ich gehöre der Gruppe an und ich bin hier wichtig.“
„Hier sehen alle, dass ich da bin.“
„Ich kann was, ich bringe mich ein, ich bin dabei, ich trau mir was zu!“
Im Morgenkreis können Kinder Ideen in die Gruppe einbringen. Das Selbstbewusstsein wird so gestärkt.
Beim gemeinsamen Erzählen und Singen sowie bei Fingerspielen wird die Sprache und die Sprechfreude gefördert und beim gemeinsamen Singen und Tanzen im Morgenkreis passiert ästhetische Bildung ganz von alleine.

Partizipation der Kinder im Morgenkreis

In aller Munde ist die Partizipation, also das Mitentscheidungsrecht von Kindern. Daher sollte der Morgenkreis freiwillig sein und die Kinder sollten sich entscheiden dürfen, nehme ich am Morgenkreis teil oder nicht. Das Selbstbewusstsein des Kindes wächst durch das Gefühl mit einbezogen zu werden. Welches Lied singen wir? Welches Fingerspiel spielen wir?  Die Kinder sollten im Hinblick auf die Gestaltung des Morgenkreises mitentscheiden dürfen. Gemeinsam mit dem pädagogischen Fachpersonal wird beratschlagt, wie der Morgenkreis am jeweiligen Tag ausschaut. Im Leben werden immer wieder Entscheidungen abverlangt, von klein auf sollten die Kinder daher lernen zu entscheiden: Mag ich das oder mag ich das nicht?

Wichtig: Der Übergang von Freispielzeit zum Morgenkreis sollte immer rechtzeitig angekündigt werden. Vielleicht sind die Kinder gerade in ein Spiel vertieft und können sich mit rechtzeitiger Ankündigung darauf einstellen, dass in kurzer Zeit etwas anderes beginnt. Es ist keine abrupte Unterbrechung des Spiels notwendig. Fünf bis zehn Minuten vorherige Ankündigung sind hier eine angemessene Zeit. Vielleicht zeigt den Kindern eine umgedrehte Sanduhr wann der Morgenkreis beginnt, oder es wird kurz auf eine Triangel geschlagen und ein gemeinsames Aufräumlied gesungen. Wichtig ist, dass die Kinder wissen: Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt des Tages.

Gestaltung des Morgenkreises im Kindergarten

Beim Morgenkreis darf der Spaß und die Freude gerne daran teilzunehmen, nicht fehlen. Hier sollten die Erzieher mit den Kindern auch einmal zusammen lachen oder Quatsch machen dürfen. Natürlich dürfen hier aber auch lehrreiche Dinge nicht fehlen oder zu kurz kommen. Die gezielte inhaltliche Auswahl des Morgenkreises bringt den Kindern Woche für Woche neue Impulse. Die Gestaltung des Morgenkreises sollte altersgerecht sein, an den Interessen der Kinder orientiert sein und die Dauer entsprechend dem Alter der Kinder angepasst sein. Der Sitzkreis kann auf Stühlen oder auf Sitzkissen stattfinden. Es sollte daran gedacht werden, dass die Ausdauer und die Konzentration der Kinder nicht jeden Tag gleich ist, man muss nicht mit Zwang das geplante Programm durchführen. Wenn du merkst den Kindern ist das an diesem Tag einfach zu lang oder zu viel, dann brich ab. Reflektiere täglich dein pädagogisches Handeln!

Ideen für den Morgenkreis

Nachfolgend einige Anregungen für die Gestaltung des Morgenkreises:

  • Nach der Begrüßung kann ermittelt werden, wie viele Kinder heute da sind. Das gemeinsame Zählen fördert die mathematische Kompetenz. Die Kinder erleben dadurch Wertschätzung: Ich werde mitgezählt. Ich bin dabei!
  • Den Kindern wird anschließend der Tagesablauf erklärt, die Angebote festgelegt und gemeinsam entschieden was zu tun ist. Die Kinder erfahren was sie an diesem Tag erwartet, spüren dadurch Geborgenheit und erfahren Sicherheit im Tagesgeschehen.
  • Gemeinsame Begrüßungslieder oder Geburtstagslieder werden gesungen und die Kinder werden so musisch gefördert. Instrumente wie kleine Rasseln etc. können dazu gespielt werden. Hier kann mit unterschiedlichen Orffmaterialien und mit Körperinstrumenten gearbeitet werden.
  • Auf spielerische Weise kann gemeinsam beobachtet werden wie das Wetter heute ist oder welcher Wochentag heute ist. Zu Anfang eines Morgenkreises sollte es Rituale geben die täglich gleich bleiben, um dann ein neues  altersentsprechendes, auf die jeweilige Jahreszeit bezogenes oder aber auch ein jahreszeitlich neutrales Angebot,  kennenzulernen. So ist jeder Morgenkreis etwas anders gestaltet, es wird den Kindern nicht langweilig und die Neugier, sowie die kindliche Freude, bleiben erhalten. Die Kinder werden so gerne am Morgenkreis teilnehmen.
  • Nach den Wochenenden oder nach den Ferien lassen sich gut kleine Erzählrunden, vielleicht mit einem selbstgebauten Erzählstab oder einem Erzählstein, mit einbauen. Die Kinder können diesen festhalten und gleichzeitig erhalten sie eine optische Orientierung, können somit Gesprächsregeln besser einhalten. Bei schüchternen Kindern die sich nicht oder noch nicht viel sprechen trauen, kann eine kleine Handpuppe zu Hilfe genommen werden.
  • Ein gemeinsames Tanz- oder Bewegungslied, das Sprache mit Bewegung verbindet, hilft müden Kindern wach zu werden. Hier kommt man dem kindlichen Bewegungsdrang der Kinder entgegen. Bewegungs-  und Tanzlieder motivieren die Kinder leicht zum Mitmachen.
  • Fingerspiele und Geschichten, vielleicht auch aus dem Geschichtensäckchen, sind im Morgenkreis eine Möglichkeit die Sprache sowie die Kognition und die Konzentration zu fördern. Bitte achte darauf, dass du  bei kleineren Kindern eine bildhafte, spannende  Darstellung der Geschichte durch Figuren, Kuscheltierchen oder Fotos hast. Geschichten können so besser verstanden werden.
  • Spiele für die Sinne können den Morgenkreis zu einem spannenden Erlebnis werden lassen. Tast- und Geschmackssinn, aber auch die Merkfähigkeit werden dabei trainiert.

Es gibt viele Möglichkeiten den Morgenkreis zu gestalten. Für pädagogische Fachkräfte ist es wichtig das gutes Altbewährtes zu behalten, aber trotzdem immer wieder Neues auszuprobieren.

Unterschied in Krippe und Kindergarten

Die Arbeit im Morgenkreis mit sehr jungen Kindern unterscheidet sich wesentlich von der Arbeit mit den älteren Kindern in den Kindergartengruppen. Aber: Jedes Kind möchte im Morgenkreis bewusst wahrgenommen und mit einbezogen werden.

Krippe:

  • Beschränke den zeitlichen Rahmen, maximale Morgenkreiszeit 10-20 Minuten
  • Morgenkreis wird meistens auf den Boden durchgeführt, gut ist hier wenn jedes Kind trotzdem seinen Platz hat, das kann in Form von Bodenkissen, Teppichfliesen etc.  erfolgen
  • Inhalte sollen auf Bedürfnisse der Kinder abgestimmt sein z. B. Der Regenwurm im Garten, Die mitgebrachte gefundene Kastanie etc…
  • Je jünger die Kinder sind desto häufiger brauchen oder wollen sie Wiederholungen. Oft fordern sie über einen längeren Zeitraum immer das gleiche Lied/Fingerspiel ein.

Kiga:

  • Dauer ca. 15 – 45 Minuten, kann aber je nach Ausdauer, Konzentration und Tagesform der Kinder variieren
  • frei wählbar entweder auf dem Boden, auf dem Teppich, auf Sitzkissen oder auf kindgerechten passenden Kinderstühlen – Kinder können hier mitentscheiden
  • Den Kindern sollte im Morgenkreis Abwechslung geboten werden – so kommt keine Langeweile auf

 

Musikalischer Morgenkreis in einem Kindergarten

 

Das Video zeigt ein Praxisbeispiel für einen Morgenkreis in der Krippe. Die Kinder, die eine Einrichtung mit dem pädagogischen Schwerpunkt  „ Musikalische Frühförderung“ besuchen,  singen und begleiten sich dabei selbst mit einfachen Rhythmusinstrumenten.

 

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Und wie geht’s nach dem Morgenkreis weiter?

In manchen Kindertagesstätten werden den Kindern nach dem Morgenkreis kleine Trinkpausen oder  auch etwas Obst angeboten. Manchmal ist im festen Tagesablauf auch eine gemeinsame Brotzeit oder ein kleines Frühstück vorgesehen. Sinnvoll kann es sein, mit den Kindern in den Garten zu gehen, um etwas frische Luft zu tanken oder sich nach dem Morgenkreis einfach nur auszutoben. Wenn du die zu betreuenden Kinder genau beobachtest, wirst du merken was sie brauchen. Gleich nach dem Morgenkreis sollte kein festes Programm stattfinden. Dies könnte die Kinder einfach nur überfordern. Vorstellbar wäre eine Zeit des Freispiels folgen zu lassen. Kinder brauchen nach dem Angebot selbstbestimmte Spielphasen zum Verschnaufen.

 

 

Guten-Morgen-Bewegungslied

zum „Wachwerden für Krippenkinder“

 

Nach der Melodie von „Bruder Jakob“

 (Lieder nach bekannten Melodien haben den Vorteil, dass sie sofort gesungen werden können)

 

 

Guten Morgen, Guten Morgen,

seid ihr wach, seid ihr wach

stampft jetzt mit den Füßen

stampft jetzt mit den Füßen

alle hier, alle hier!

 

Kann abgeändert werden mit………

 

---klatscht jetzt in die Hände

---winkt einander zu

---dreht euch jetzt im Kreise

---patscht jetzt auf die Schenkel

---hüpft jetzt ganz, ganz hoch

 

und……es  können noch mehr Strophen dazu erfunden werden!



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