Beziehungen zu Kindern aufbauen – warum Erwachsenen das nicht immer leicht fällt

Deine Hauptaufgabe als Pädagogin besteht darin Beziehungen zu Kindern aufzubauen die geprägt sind von Vertrauen und Wertschätzung. Nur so kannst du deine Schützlingen in ihrer Entwicklung begleiten, ihre Interessen kennenlernen, geeignet Fördermaßnahmen in die Wege leiten und mit ihren Eltern eine tragfähige Erziehungspartnerschaft eingehen. Was so selbstverständlich und einfach klingt fällt aber gerade Berufsanfängerinnen gar nicht so leicht. Denn auch das Knüpfen von Beziehungen will gelernt sein. Schließlich hast du auch nicht zu jedem Erwachsenen gleich einen „guten Draht“, mit manchen Menschen kannst du einfach nichts anfangen, einige sind dir sogar unsympathisch. Kinder ticken anders als Erwachsene und dennoch wirst du schnell feststellen, dass es dir bei einigen Jungen und Mädchen leichter oder schwerer fällt mit ihnen Kontakt aufzunehmen als mit anderen Kindern. Und doch ist es deine Aufgabe dein Bestes zu tun, um stabile Beziehungen aufzubauen. Signale von Kindern bemerken und richtig darauf reagieren Wie fühlt sich ein Kind? Welche Bedürfnisse hat es gerade? Braucht es irgendeine Art von Anregung oder Hilfestellung? Die Hauptaufgabe von Erzieherinnen im Alltag besteht darin, kindliche Signale wahrzunehmen, diese zu deuten und daraufhin pädagogische Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und umzusetzen. Was sich leicht anhört, ist in der Praxis gar nicht immer so leicht umzusetzen. Denn um kindliche Signale zu bemerken, brauchst du Zeit, Ruhe und ein hohes Maß an Empathie. Nicht jedes Kind wendet sich sofort an dich, wenn es Hilfe brauchst und nicht weiter weiß. Vielleicht ist es schüchtern oder emotionale zu aufgewühlt um sich mitzuteilen. Vielleicht fehlt es ihm auch am sprachlichen Ausdrucksvermögen oder es ist noch nicht lange im Kindergarten bzw. der Krippe und hat noch nicht ausreichend Vertrauen zu seinen Bezugspersonen gefasst. Daher gilt es, auch auf nonverbale Signale zu achten und darauf zu reagieren ohne das Kind zu bedrängen. Deine Aufgabe ist es für das Kind präsent zu sein, so dass die Initiative zur Kontaktaufnahme im Idealfall von ihm ausgeht. Davon abgesehen solltest du viel beobachten und zuhören, wenn Kinder untereinander agieren. So findest du schnell heraus, was sie interessiert, welche Stärken und Schwächen sie haben und was sie gerade bewegt. Hast du kindliche Signale wahrgenommen, gilt es angemessen auf diese zu reagieren, ohne das Kind in seiner Autonomie einzuschränken. Es geht nicht darum dem Kind einfache Lösungen für sein Problem zu präsentieren, sondern darum es darum zu bestärken selbst aktiv zu werden. Wichtig ist in diesem Fall Geduld und eine wertschätzende Grundhaltung. Diese kann sich beispielsweise in deiner Stimme und in deiner Körperhaltung ausdrücken: Wende Dich dem Kind zu, begib dich auf Augenhöhe mit ihm und sprich freundlich und ruhig zu ihm. Dieses Konzept nennt die Professorin Regina Remsperger „Sensitive Responsivität“. Tragfähige Beziehungen aufbauen – die 5 wichtigsten Faktoren Beziehungen müssen wachsen. Damit das gelingt, musst du auch dein eigenes Verhalten den Kindern gegenüber immer wieder hinterfragen. Nicht immer handeln Pädagogen reflektiert – aber genau das ist wichtig, damit sie professionell handeln können. 1. Faktor: Zuwendung Damit du für ein Kind präsent sein kannst, musst du dich ihm aktiv zuwenden. Es dicht nicht im gleichen Raum zu sein. Vielmehr geht es darum respektvoll mit ihm umzugehen und die Balance zwischen Nähe und Distanz zu schaffen. Gleichzeitig solltest du immer wieder kontrollieren, ob du wirklich allen Kindern im Aufmerksamkeit begegnest oder dich nur auf einige wenige Kinder konzentrierst, die im Zentrum deines Interesses stehen. 2. Faktor: Sicherheit Kinder brauchen Sicherheit, um frei zu spielen und sich altersgerecht zu entwickeln. Du als pädagogische Bezugsperson kannst wesentlich dazu beitragen, dass sie sich sicher und angenommen fühlen. Vor allem emotionale Sicherheit und Stabilität bietest du, indem du Ängste ernst nimmst, Trost spendest, Hilfestellungen anbietest und Ablenkung schaffst. 3. Faktor: Stressreduktion Vor allem jüngere Kinder benötigen Hilfe wenn es darum geht, die eigenen Emotionen zu regulieren. Hat ein Kind Stress, so solltest du einfühlsam ewigeren, Geduld zeigen und es dabei unterstützen, sich selbst wieder zu beruhigen und in eine ausgeglichene Stimmung zurückzufinden. Dabei helfen Rückzugsorte für die Kinder, körperliche Nähe oder individuelle Trostrituale. Hier gilt es eng mit den Eltern zusammenzuarbeiten um herauszufinden was du tun kannst, damit das jeweilige Kind auch in Stresssituationen ansprechbar bleibt. 4. Faktor: Explorationsverhalten unterstützen Kinder müssen eigene Erfahrungen machen – auch negative. Wenn sie sich sicher und geborgen fühlen, möchten Sie auf eigen Faust die Welt erkunden. Dadurch lernen sie sich und ihre Umgebung besser kennen, verbessern ihre Fähigkeiten und entdecken eigene Interessen. Du kannst das Explorationsverhalten deiner Schützlinge unterstützen, indem du sie ermutigst Dinge selbst auszuprobieren, anregendes Material zur Verfügung stellst und ihnen die Zeit gibst die sie brauchen um sich zu orientieren. Gleichzeitig bist du ihre „sichere Basis“, wenn sie irgendeine Art von Hilfe brauchen. 5. Faktor: Erziehungspartnerschaften pflegen Ohne Einbeziehung der Eltern wird es dir kaum gelingen positive und tragfähige Beziehungen zu Kindern aufzubauen. Ein regelmäßiger Austausch ist genauso wichtig wie ausführliche Entwicklungsgespräche und eine individuelle, bedürfnisorientierte Eingewöhnung. Grundsätzlich gilt: Eltern kennen ihr Kind am besten, sie sind die Experten – du verfügst zwar über pädagogisches Know-How, aber alles Wissen bringt nichts, wenn die Beziehung zwischen dir und den Eltern belastet ist. Ein Kind spürt das sofort und wird verunsichert. Falls du Zweifel hast, ob du in der Lage bist im Alltag alle genannten Faktoren zu berücksichtigen, so lasse dir gesagt sein: Es geht nicht im Perfektion. Du sollst schließlich auch noch authentisch bleiben. Auch Erzieher dürfen hin und wieder traurig sein oder einen schlechten Tag haben. Wichtig ist, dass du offen und flexibel bleibst und dein Handeln reflektierst. Davon abgesehen: Beziehungen aufzubauen kann man lernen. Erfahrungen und ein gutes Bauchgefühl sind in diesem Zusammenhang ebenso wichtig wie pädagogisches Fachwissen. Je häufiger du beispielsweise Eingewöhnungen in Krippe oder Kita begleitet hast, desto besser kannst du die Reaktionen von Kindern und Eltern einschätzen und angemessen auf Probleme und Herausforderungen reagieren.

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