Reggio-Pädagogik im Kindergarten: Kind und Bildungsorientiert

Einfluss auf Kindergarten-Konzeptionen und die moderne Sicht auf das Kind

 

Die Reggio-Pädagogik ist ein wichtiger Bestandteil vieler Kindergarten-Konzepte und hat seit ihrer erstmaligen Umsetzung in den 70er-Jahren immer mehr Anhänger gefunden.

Entwickelt wurde die Reggio-Pädagogik in der italienischen Stadt Reggio Emilia, von dieser leitet sich auch der Name ab. In den 80er-Jahren wurde die Stadt von vielen ausländischen Pädagogen besucht, die sich vor Ort einen Eindruck von der Umsetzung des innovativen Konzeptes machen wollten.

Seit Ende der 80er-Jahre wurde die Reggio-Pädagogik in Deutschland immer beliebter. Viele Kitas und auch Krippen arbeiten heute in Anlehnung an das Reggio-Konzept. „Reggio-Kita“ dürfen sich aber nur Einrichtungen nennen, die als solche vom Verein „Dialog Reggio“  anerkannt und zertifiziert sind. In der Literatur wird die These vertreten, dass die Reggio-Pädagogik sich in Deutschland nicht so durchsetzen konnte wie in anderen Länden, weil hier sowohl die strukturell-formalen als auch die historischen Voraussetzungen andere sind und waren.

 

Reggio-Pädagogik: Zusammenfassung in Kurzform

 

Ähnlich wie bei Montessori gilt das Kind in der Reggio-Pädgogik als aktives, eigenständiges Wesen, welches durch seinen Drang seine Umwelt zu erkunden die eigen Entwicklung steuert und voran treibt. Kreatives Gestalten und individuelles, forschendes Lernen hat einen hohen Stellenwert. Grundsätzlich kann Reggio als ganzheitliches pädagogisches Konzept betrachtet werden, bei dem das Kind im Mittelpunkt steht. Seine Persönlichkeit wird gestärkt, in dem die Erzieher es dazu anregen die eigenen Interessen zu verfolgen und individuelle Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Defizit- und produktorientierte Sichtweisen sind in der Reggio-Pädagogik verpönt.

Vom Loris Malaguzzi, dem wichtigsten Vertreter und Mitentwickler der Reggio-Pädagogik, stammt folgendes Zitat:

"Nur wenn Gefühl und Fantasie erwachen, blüht die Intelligenz"

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Der 3. "Erzieher "  Reggio-Pädagogik und Raumgestaltung

 

Eine wichtige Komponente in der Reggio-Pädagogik ist die Raumgestaltung. Der italienische Erziehungswissenschaftler Loris Malaguzzi, der die Reggio-Pädagogik mit entwickelt hat, spricht vom Raum als „dritten Erzieher“. Der erste Erzieher für sich ist das jeweilige Kind, seine Spielkameraden und sein soziales Umfeld übernehmen die Rolle des zweiten Erziehers. In einer Reggio-Kita kommt der Raumgestaltung also eine besonders große Bedeutung zu. Ähnlich sieht es mit dem Material aus, welches Kindern zur Verfügung gestellt wird, damit sie angeregt werden ihre Selbstbildungsprozesse zu verfolgen.

Räume müssen so gestaltet sein, dass sie auf das Kind anregend wirken. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, welche Möbel ein Kindergarten nutzt und ob diese alt oder neu sind. Viel wichtiger ist es, dass Räume in denen Kinder sich überwiegend aufhalten ästhetische Reize bieten und eine Wohlfühlatmosphäre erzeugen. Was das Spiel- und Lernmaterial angeht, so muss dieses jederzeit für die Kinder zugänglich sein. Alltagsgegenstände, die sich ganz vielseitig verwenden lassen, sind in Reggio-Einrichtungen mindestens so wichtig wie pädagogisch aufbereitetes Spielmaterial. Forschendes, selbstbestimmtes Lernen steht im Mittelpunkt aller pädagogischen Bemühungen in jedem Reggio Kindergarten. Dieser Ansatz hat sich in den meisten Kindergärten in Deutschland bereits durchgesetzt, daher ist er ein wichtiger Bestandteil der Kita-Konzeption und beeinflusst maßgeblich das moderne pädagogische Bild vom Kind als kompetente Persönlichkeit.

Zusammengefasst muss ein Raum, in dem Kinder sich wohlfühlen sollen, in der Reggio-Pädagogik zwei wichtige Kriterien erfüllen: Er muss Geborgenheit ausstrahlen und gleichzeitig Herausforderungen und Anregungen bieten.

 

Reggio: Das Bild vom Kind

 Die Reggio-Pädagogik hat das Bild vom Kind als forschendes, an seiner Umwelt interessiertes Individuum geprägt. Es entwickelt ganz von allein Spaß am Lernen und verfügt über eine innere Motivation, seine Kompetenzen zu erweitern. Um das zu erreichen experimentiert das Kind und handelt gemäß dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Als Konsequenz aus dieser Einschätzung des kindlichen Selbstbildungsprozesses folgt, dass das Kind selbst bestimmt, wann es was lernt, wie lange es sich mit etwas beschäftigt und natürlich auch auf welche Art und Weise.

Ein wesentlicher Aspekt im Bildungskonzept der Reggio-Pädagogik ist der wechselseitige Beziehungsaufbau und die Anerkennung der Erkenntnis, dass jeder Mensch eine eigene Wahrnehmung hat – auch und insbesondere ein Kind.

 

Gemeinschaft und Identität in der Reggio-Pädagogik

 

In der Reggio-Pädagogik liegt ein Fokus auf der Entwicklung der kindlichen Identität im Kontext des sozialen Miteinanders. Der Mensch und damit auch das Kind ist Mitglied vieler Gemeinschaften und muss lernen, mit anderen zu kooperieren. Aber es profitiert auch von den vielen Einflüssen, denen es dadurch ausgesetzt ist, denn im Rahmen dieser und durch den Austausch mit anderen Menschen entwickelt es seine eigene Identität.

Das Kind schöpft sein Potential also nicht allein aus seinen individuellen Fähigkeiten und Interessen, sondern auch, indem es sich aktiv mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen auseinandersetzt.

Die Reggio-Pädagogik spricht in diesem Zusammenhang von der „Mächtigkeit des Kindes“.

 

 

Rolle Aufgaben und Ziele der Erzieher

 

Die Rolle des Erziehers beim Reggio-Ansatz ergibt sich aus der stärkenorientierten Sicht auf die zu Erziehenden und den Aspekt, dass diese möglichst selbstbestimmt ihre Umwelt  entdecken und ihre individuellen Interessen verfolgen können. Der Pädagoge ist eine Art Lernbegleiter für jedes ihm anvertraute Kind und hat dafür zu sorgen, dass dessen Umgebung so beschaffen ist, dass sie es ihm ermöglicht sich weiterzuentwickeln, den eigenen Interessen in Ruhe nachzugehen und seine Persönlichkeit zu entfalten. Das funktioniert nur, wenn räumliche, zeitliche und materielle Ressourcen in ausreichendem Maße vorhanden sind.  Zudem hilft der Erzieher dabei, Lernprozesse zu dokumentieren. Erzieher schaffen eine Atmosphäre des sozialen Miteinanders und des emotionalen Wohlbefindens, sie beobachten und hören zu, geben konstruktive Anregungen und Rückmeldungen und reflektieren auch ihr eigenes Verhalten regelmäßig.

Auch die heute fast schon selbstverständliche Portfolio-Arbeit im Sinne individueller Lern- und Entwicklungstagebücher hat ihren Ursprung in der Reggio-Pädagogik.

Weiter spielt die vertrauensvolle Kommunikation zwischen Eltern und Erziehern zum Wohle des Kindes eine wichtige Rolle. Eltern gelten als Experten für ihr Kind und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Basis eines wertschätzenden Umgangs soll immer angestrebt werden.  

 

Projektarbeit eine wichtige Säule im Reggio- Pädagogik Konzept

 

Weitere wichtige Grundpfeiler der Reggio-Pädagogik sind Projektarbeit, die Möglichkeit der Partizipation von Kindern und Eltern und der Fokus auf gestalterische und künstlerisch-ästhetische Grundbildung. Gleichzeitig setzt der Reggio-Ansatz auf Prozess- anstatt auf Produktorientierung.

Die Projektideen entwickeln nicht die Erzieher, sondern werden von den Kindern selbst eingebracht und umgesetzt. Wie lange ein Projekt dauert und wer teilnimmt, bestimmen ebenfalls die Kinder. Und: Projekte gehören zum pädagogischen Alltag und sind keine einmaligen Veranstaltungen. Wichtige Aspekte sind in diesem Zusammenhang unter anderem

 

- die sinnliche Wahrnehmung,

- das Nachdenken über Sinn- und Wirkungszusammenhänge,

- die Kommunikation über Emotionen, Beobachtungen, Ideen und Handlungen,

- die Darstellung der eigenen Interessen und Gefühle mithilfe verschiedener Ausdrucksmittel,

- die aktive Mitgestaltung der eigenen Lebensumwelt.

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