Rechtliche Fragen in der Naturpädagogik

Die Frage nach der Aufsichtspflicht: Grundsätzlich gilt:
- Das, was wir den Kindern anhand ihres individuellen Entwicklungsstandes zutrauen, gilt auch beim Aufenthalt im Freien.
- Da eine Wald- oder Wiesenfläche nicht begrenzt ist (und auch nicht begrenzt werden sollte) müssen wir immer gewährleisten, dass wir die Kinder nicht aus den Augen verlieren.
- Die Kinder sollen auch das Gefühl haben, dass die Erzieherinnen in greifbarer Nähe sind und ihren Aufenthaltsbereich kennen. Feststehende „Aussichtsplätze“ der Erzieher/innen sind daher ein wichtiger Bestandteil der naturpädagogischen Arbeit

2. Wann verletze ich meine Aufsichtspflicht
- schlecht vorbereitete Waldtage machen jede/n Erzieher/in angreifbar, denn:
•    solange wir selbst unser Waldstück nicht bestens kennen, können wir auch die dort vorhandenen Gefahren nicht ordentlich einschätzen. Daher muss zur Vorbereitung einer Aktion in der Natur bei der Geländewahl besondere Aufmerksamkeit herrschen.
•    Während des Waldaufenthaltes kann nicht immer jede Erzieherin jedes Kind im Auge haben. So kann es schon einmal passieren, dass beide sich aufeinander verlassen (denn aufgrund der überall vorherrschenden Personalsituation gehen selten mehr als zwei Pädagogen mit einer Kleingruppe los) und dabei ein Kind unbeobachtet ist. Sollte sich das Kind in einer ebensolchen Situation verletzen, wurde die Aufsichtspflicht trotzdem nicht verletzt, denn jede Erzieherin hat in diesem Moment alles in ihrer Macht stehende getan, um die Kinder zu schützen. (Trotzdem gilt in solchen Augenblicken immer auch, dass bei Gerichtsurteilen anders entschieden werden kann, als der klare Menschenverstand dies bedenkt)
•    Kinder müssen auf die Gefahren hingewiesen werden, die im Wald herrschen. Wer dies nicht in ausreichendem Maße erledigt, verletzt eindeutig seine Aufsichtspflicht (diverse Gefahren sind der Infobroschüre der DGV zu entnehmen).
•    Kinder mit in die Natur zu nehmen, obwohl sie nicht entsprechend ausgerüstet sind, kann ebenfalls zu einem Problem für die Erzieher/innen werden, daher müssen wir manchmal die unpopuläre Entscheidung treffen, Kinder NICHT mitzunehmen und den Eltern zu erklären, wie es zu dem Ausschluss kam
Um dies jedoch zu vermeiden, sollte IMMER vor einer Naturaktion (und danach in regelmäßigen Abständen) Infoelternabende bzw. Infoschreiben für die Eltern (zur eigenen Absicherung immer mit unterschriebenem Rückschein) an die Eltern herausgegeben werden. Die Eltern müssen wissen, wie die Naturtage gestaltet werden, welche Gefahren lauern, aber demgegenüber auch die endlos vielen Chancen, die der Naturaufenthalt bietet.

3. Verletzungen, Vergiftungen - lass es nicht schlimmer werden!
Erzieherinnen fühlen sich oft der Rechtsprechung ausgeliefert, doch es gilt wie überall: Alles, was wir mit unserem Gewissen vereinbaren können, ist in der Regel auch in Ordnung. Wobei wir uns der besonderen Organisation von Aufenthalten in der Natur immer bewusst sein müssen. Sofern wir alles menschenmöglich tun, um Gefahren zu vermeiden bzw. die Kinder in entsprechender Weise über mögliche Gefahren aufklären, kann uns niemand einen Vorwurf machen.
Die besondere Aufmerksamkeit, die von uns gefordert wird, darf jedenfalls nicht der Grund für die Absage einer Naturaktion sein. Dementsprechend argumentierenden Kollegen muss man IMMER die großen Lernchancen der Natur vor Auge halten.

Zur Vorbereitung eines naturpädagogischen Angebotes sollten wir immer folgendes bedenken:
1.    Die Kooperation mit dem zuständigen Förster oder Waldbesitzer ist unerlässlich (dazu zählt auch eine regelmäßige Information darüber, ob es an der entsprechenden Waldstelle giftige Pflanzen gibt, Forstarbeiten durchgeführt werden, Totholz vorhanden ist, etc.)
2.    Die Informationen an die Eltern müssen lückenlos und ausführlich herausgegeben werden. Ängste der Eltern müssen ernst genommen und durch passende Informationen ausgeräumt werden
3.    Mit den Kindern müssen Regeln erarbeitet werden, die alters- und entwicklungsgerecht an die Kinder weitergegeben werden.
4.    Der Aufenthalt im Wald ist eine wertvolle pädagogische Arbeit und nicht mit einem privaten Waldspaziergang vergleichbar. Pädagogen müssen sich ihrer Aufgabe bewusst sein und dementsprechend handeln.
5.    Kritisches Hinterfragen und ständige Reflexion helfen dabei, Fehler und Flüchtigkeiten zu vermeiden.


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