Tiergestützte Pädagogik- Die Arbeit mit Therapiehund & Co.

Text: Sandra Leitl 

Der 5-jährige Simon* räuspert sich, meist unwillkürlich und regelmäßig. Er zeigt häufig im Alltag vokale Ticks. Dann traf er Emmy, einen Mini Australian Shepherd in seiner Kita. Schon seit dem ersten Mal, als Simon Emmy traf, hat Emmy sich von seinem Verhalten nicht irritieren lassen und ging mit ihm genauso entspannt und freudig um, wie mit allen anderen auch. Nach ein paar Minuten streicheln nahmen die Häufigkeit und die Stärke der Ticks ab.  

Egal ob Hund, Katze, Pferd oder Kaninchen - Tiere haben eine ganz besondere Wirkung auf uns Menschen. Sie sind eine Bereicherung und Impulsgeber für vielfältige Lernprozesse. Diverse Studien bestätigen, dass Tiere einen großen Einfluss auf das Wohlergehen, die Gesundheit und die Entwicklung des Menschen haben. Die Einbindung von Tieren in das pädagogische Geschehen leistet einen wesentlichen Beitrag zur Entfaltung der Gesamtpersönlichkeit der Kinder.
 

Was ist tiergestützte Arbeit?

Für die Arbeit mit einem Tier wird der Begriff der tiergestützten Intervention als allgemein etablierte und verwendete Oberbegriff für alle Formen tiergestützter Tätigkeiten verwendet. Darunter zählen

  • ·Tiergestützte Therapie
  • ·Tiergestützte Pädagogik
  • ·Tiergestützte Fördermaßnahmen
  • ·Tiergestützte Aktivitäten (vgl. ATN).
     

Definition tiergestützte Therapie

Tiergestützte Therapie, auch als Animal Asstisted Therapie (AAT) bekannt, umfasst bewusst geplante pädagogische, psychologische und sozialintegrative Angebote mit Tieren für Kinder, Jugendliche, Erwachsene sowie Ältere mit kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Einschränkungen, Verhaltensstörungen und Förderschwerpunkten. Sie beinhaltet auch gesundheitsfördernde, präventive und rehabilitative Maßnahmen (vgl. ESAT). Die tiergestützte Therapie ist kein eigenständiges Therapieverfahren, sondern das Tier unterstützt den in seinem eigentlichen Therapiefeld anerkannt zertifizierten Therapeuten (Physiotherapeut/-in, Psychotherapeut/-in, Sozialpädagog/-in) bei der täglichen Arbeit. Dabei spricht man vom Beziehungsdreieck Klient – Tier – Bezugsperson.

Der Begriff der Therapie ist rechtlich allerdings nicht geschützt und daher kein Hinweis auf ein erfolgreich abgeschlossenes Studium oder auch nur irgendeine fachliche Kompetenz. Jedoch dürfen Heilbehandlungen nur von Personen vorgenommen werden, die eine staatliche Prüfung in einem gesetzlich geregelten Ausbildungsberuf bestanden oder ein entsprechendes Studium abgeschlossen haben (z.B. Arzt, Physiotherapeut). Nur diese Personen dürfen zudem sogenannte Heilversprechen abgeben.

Bei der tiergestützten Therapie setzt das Heilpraktikergesetz Grenzen, da dort der Begriff der Heilkunde beschrieben wird. Denn eine Ausbildung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste eines anderen ausgeübt wird (vgl. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Bundesamt für Justiz, 2021).
 

Definition tiergestützte Pädagogik

In der tiergestützten Pädagogik, auch bekannt als Animal Assisted Pedagogy (AAP), wird davon ausgegangen, dass sie ausschließlich von ausgebildeten Pädagogen ausgeführt werde, die sich in der tiergestützten Intervention weitergebildet haben. Die tiergestützte Pädagogik habe damit ein definiertes pädagogisches Ziel, das unter Einsatz pädagogischer Methoden verfolgt werde (vgl. ATN, 2021). Demnach beschreibt die tiergestützte Pädagogik eine von Tieren begleiteten pädagogischen Erziehungs- und Förderansatz
 

Tiergestützte Fördermaßnahmen

Nicht nur Pädagogen und Therapeuten sondern auch z. B. Fortgebildeter Sozialarbeiter setzten eine fördernde Maßnahme ein. Mit Tierbeobachtungen oder direkterem Kontakt können Menschen allen Altersstufen unterstützt werden, die einen speziellen Förderbedarf haben (vgl. Deutscher Tierschutzbund, 2021).
 

Tiergestützte Aktivitäten

Tiergestützte Aktivitäten sind geplante und zielorientierte Besuche, die von Mensch-Tier-Teams mit motivationalen, erzieherischen, bildenden oder entspannungs- und erholungsfördernden Zielsetzungen durchgeführt werden. Die Mensch-Tier-Teams müssen wenigstens ein einführendes Training, eine Vorbereitung und eine Beurteilung durchlaufen, um im Rahmen von informellen Besuchen aktiv zu werden (vlg. Bundesverband Tiergestützte Intervention, 2021). Beispiele für Tiergestützte Aktivitäten sind z. B. Besuchsdienst in Pflegeheimen, Wanderungen mit Tieren.
 

Aus- und Weiterbildung zur tiergestützten Pädagogik

Aufgrund der Tatsache, dass der Begriff tiergestützten Pädagogik nicht geschützt ist, gibt es viele Möglichkeiten und Anbieter zur Aus-, Fort- und Weiterbildung, eines Studiums oder eines Fernstudiums mit unterschiedlicher Dauer und einer großen Spannweite an Kosten.

Es gibt jedoch Grundsätze von tiergestützter Therapie nach ESAAT. Diese legen fest, dass jede Organisation, die tiergestützte Arbeit anbieten und durchführen möchte, sich verpflichtet, die Grundsätze der IAHAIO (International Association of Human-Animal Interaction Organizations) sowie des Leitfadens Qualitätssicherung bei tiergestützten Interventionen verbindlich anzuerkennen (vgl. ESAAT).
 

Aus- und Weiterbildungen in tiergestützter Therapie

Laut ESSAT (2021) benötigen Mensch und Tier eine adäquate Ausbildung, um tiergestützte Interventionen sach- und fachgerecht einsetzen zu können. Deshalb gibt es Standards für die theoretische und praktische Fundierung auf diesem Gebiet, die von der Europäische Society for Animal Assisted Therapy festgelegt wurden.

So haben z.B. die Ausbilder oder Institute, die nach ESSAT ausbilden und anerkannt sind eine fundierte Ausbildung. Somit kann eine Qualitätskontrolle durch die Ausbildung garantiert werden.  ESAAT akkreditiert grundsätzlich keine Institutionen oder Anbieter, lediglich einzelne Aus- oder Fortbildungen.

Die Aus- und Weiterbildungen nach ESAAT unterscheiden sich in

  • ·Berufsbegleitende Fachweiterbildung: Fachkraft für tiergestützte Interventionen
  • ·Basisausbildung: Therapiebegleithunde-Ausbildung

Basisausbildung

Die Basisausbildung umfasst mindestens 15 Stunden theoretischer Unterricht und mindestens 20 Stunden praktische Ausbildung des Mensch-Hund-Teams. Hinzukommen mindestens drei Assistenzbesuche und eine schriftliche wie praktische Prüfung. Das Therapiebegleit-Tier-Team erbringt soziale, pädagogische oder therapeutische Dienstleistungen. Das Therapiebegleittier wird zusammen mit seiner Halterin ausgebildet und verrichtet seine Aufgabe unter ihrer Anleitung. Im Abschlusszertifikat wird auf die jeweilige berufsfeldspezifische Qualifikation des menschlichen Teammitglieds hingewiesen. Besteht keine therapeutische, pädagogische oder betreuende Grundqualifikation, wird der Zusatz „Qualifiziert für Besuchstier-Einsätze“ verwendet (vgl. ESAAT, 2021) 

Universitäre Ausbildung

Die Fachausbildung umfasst mindestens 60 ECTS (= 1500 Stunden gesamter Arbeitsaufwand) und beinhaltet theoretischen und praktischen Unterricht, Praktikum und Projektarbeit. Sie schließt mit einer Prüfung sowie einer wissenschaftlichen Hausarbeit ab. Absolvent/-innen der Weiterbildung sind qualifiziert für ein eigenverantwortliches tiergestütztes therapeutisches oder pädagogisches sowie gesundheitsförderndes Arbeiten im Rahmen von Institutionen oder in der freien Praxis.
 

Tiergestützte Pädagogik in sozialen Einrichtungen

Das Einsatzspektrum von Tieren in sozialen Einrichtungen ist vielfältig und richtet sich an Personen aller Altersgruppen (vgl. TVT, 2021). Die Tiergestützt Pädagogik kann als ambulanter Dienst, als stationäres Angebot innerhalb einer Einrichtung (z.B. Kita) oder bei Einrichtungen wie Erlebnis-Bauernhöfe erfolgen.

Meist ist es eine ergänzende Methode von sozialen Einrichtungen, die stundenweise in Einzelmaßnahmen, Kleingruppen- oder Gruppenangebote und als Projekt eingesetzt wird. Der Einsatz ist abhängig von der Gruppengröße, von dem Betreuungsschlüssel der Einrichtung, der Persönlichkeit des Tieres sowie der Persönlichkeit der Kinder sowie von der geplanten Aktivität. Hierzu werden eindeutige Lernziele festgelegt, die durch das tiergestützte Arbeiten erreicht werden sollen.

Es gibt vielerlei Tierarten, die für den Einsatz in sozialen Einrichtungen geeignet sind. In diesem Artikel wird auf den Hund näher eingegangen. Hunde haben eine große Nähe zum Menschen entwickelt und fügen sich heute von allen Haustieren am intensivsten in den Ablauf des menschlichen Alltagslebens ein. Ein Hund bietet wie kaum ein anderes Haustier die Gelegenheit, bedingungslose Kameradschaft kennenzulernen und begegnet jedem einzelnen werte- und vorurteilsfrei. Durch den Einsatz des Hundes im pädagogischen Alltag werden vielerlei Kompetenzen geschult.

Emotionale Kompetenzen

Im Umgang mit dem Tier lernen Kinder Gefühle kennen und diese entsprechend zu regulieren. Das Tier reagiert auf das Kind und spiegelt dessen Verhalten. Das Kind muss daraufhin sein Verhalten anpassen. Somit lernen Kinder Gefühle des Gegenübers zu lesen und sich situationsangemessen zu verhalten. Hunde wecken Gefühle und begünstigen die Entwicklung von Achtsamkeit, Mitgefühl und Respekt. Die bedingungslose Akzeptanz der Tiere und ihre wertfreie, konstante und spürbare Zuneigung zu dem Kind lässt sich als wertvoll erleben. Das Zusammensein mit den Tieren trägt zudem zur Verbesserung des Zugangs zu den eigenen Emotionen bei und unterstützt die Empathiefähigkeit.

Sprache

Im Umgang mit Tieren wird die Sprachkompetenz bei Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren gefördert. Der Kontakt zum Hund animiert die Kinder zum Sprechen, weil sie ihre Erlebnisse mitteilen wollen. Auch die nonverbale Kommunikation wird erlernt.

Motorik

Tiere regen zu motorischer Bewegung an. Kinder können durch einen Hund lernen, ihre Kräfte einzuschätzen und zu regulieren.

Kognition

Das Kind erfährt durch den Umgang mit dem Tier vieles über Eigenarten und Lebensgewohnheiten. Schon die Anwesenheit des Hundes alleine wirkt sich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten aus. Dadurch, dass ein Tierkontakt mit Aufgaben verbunden ist, wird die Möglichkeit für eine strukturierte Arbeitsweise unterstützt. Das Wohlbefinden und die Gesundheitswerte (siehe gesundheitliche Kompetenzen) werden dabei gestärkt. Das Kind ist dadurch auch besser in der Lage, sich zu konzentrieren und zu lernen. Laut Studienergebnisse fördert der Kontakt mit einem Hund auch die Konzentrationsfähigkeit und die Ausdauer.

Soziale Kompetenzen

Tiere sind soziale Wesen. Im Umgang mit ihnen ist es wichtig, soziale Regeln einzuhalten. Im Umgang mit dem Tier erlernen Kinder Rücksicht zu nehmen und Grenzen zu akzeptieren.

Selbstbehauptung

Kinder, die mit Tieren aufwachsen, weisen nachweislich ein besser strukturierteres und sozial wirksameres Verhaltensrepertoire auf. Ebenso werden Lernprozesse im sozial- emotionalen Bereich, die zwischenmenschliche Kommunikation, soziale Fähigkeiten sowie das Verantwortungsgefühl gestärkt.

Gesundheitlicher Aspekt

Das Zusammensein mit Tieren von klein auf reduziert nachweislich die Gefahr, Allergien zu bekommen. Tiere haben einen positiven Einfluss bei Herz-Kreislauf Problemen, Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen. Durch das Hormon Osytocin das während des Kontaktes mit dem Tier ausgeschüttet wird, wird der Blutdruck, Angst und das Stressempfinden gesenkt und das Wohlbefinden steigt.

Resilienz

Weltweite Forschung zur tiergestützten Intervention zeigt wirkungsvolle und nachhaltige Wirkeffekte auf physischer, psychischer und sozialer Verhaltens- und Erlebensebene des Menschen. Durch einen Hund kann eine Stabilisierung und Regulierung psychischer und (psycho-) somatischer Zustände erfolgen, die die Grundlage für Resilienz bietet. Das Ziel der tiergestützten Pädagogik ist es, die psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken. Dies erfolgt über die Unterstützung der Emotionsregulation. Sie strebt folgende Effekte an: Erhöhung der Stressresistenz, des Selbstwerts und des Lern- und Konzentrationsvermögens. Sie bewirkt aber auch die Reduktion negativer Körperempfindungen. 

 

Tiergestützte Pädagogik mit Hund

Die aufgezählten Kompetenzen, die beim Umgang mit einem Hund erworben werden können, bleiben ein Leben lang erhalten. Deshalb sind all diese positiven Aspekte Ansporn, tiergestützte Pädagogik in pädagogische Konzepte zu inkludieren. Grundlegend für die Arbeit mit dem Tier ist es, dass neben den vielen positiven Aspekten für den Mensch auch das Tier profitieren soll. Der Einsatz des Hundes ist so konzipiert, dass es auch für den Hund Vorteile hat, beispielsweise eine gesteigerte Zuwendung. Die tiergestützte Pädagogik mit Hund kann drinnen oder auch draußen  im Garten angeboten werden.
 

Voraussetzungen für einen Hund im Kindergarten

Allgemeine Voraussetzungen für den Tiereinsatz innerhalb der Einrichtung

Es braucht zuallererst eine Absprache mit dem Träger oder Vorstand, dem pädagogischen Team und das Einverständnis aller Beteiligten. Dies ist vor allem wichtig um zu sehen, ob bei einem Beteiligten (Kind,Team...) Allergien vorhanden sind. Auch muss vorab geklärt werden, ob eine Tetanusimpfung vorhanden ist. Bei Neuaufnahme von Kindern, sollte die Einverständniserklärung bereits als Anlage zum Vertrag vorhanden sein.

Falls es sich um einen mobilen Einsatz handelt, man also nicht beim Träger als Fachkraft eingestellt ist, ist ein Kooperationsvertrag mit der jeweiligen Einrichtung von Nöten. Es bedarf klare Verantwortlichkeiten innerhalb des Teams und ein nötiges Fachwissen der Hauptverantwortlichen. Auch muss der Hundeführer eine entsprechende Eignung vorweisen.

Das Tier muss vom seinem Wesen geeignet, freundlich, sozial aufgeschlossen und vertrauensvoll sein sowie eine hohe Reizschwelle aufweisen. Nach Erreichen der sozialen Reife mit rund zwei bis drei Jahren, mindestens jedoch in körperlich und geistig ausgereiftem Entwicklungszustand kann ein Hund eingesetzt werden (vgl. Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.  131.4 S. 9). Vorzugsweise sind Tiere einzusetzen, die aufgrund ihrer Biografie erwarten lassen, dass sie sich gut entwickeln können und keine körperlichen oder seelischen Trauma erlitten haben.

Eine Eignung des Tieres kann auch durch einen Hundeführerschein bestätig werden. Die tiergestützte Pädagogik sollte auch im pädagogischen Konzept verankert sein, da es klare Regeln beim Umgang mit dem Tier (beispielsweise, dass Kinder den Hund nur streicheln, wenn es das gerade möchte oder nach dem Kontakt mit dem Tier die Hände waschen) bedarf.

Gesetzliche und rechtliche Voraussetzungen für einen Tiereinsatz innerhalb der Einrichtung

Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsfeldern, die Tiere einsetzten, ist die tiergestützte Arbeit in Deutschland nur durch das Tierschutzgesetz und die Gesetze und Verordnungen, die Haltung, Transport, Gefahrenabwehr und Kennzeichnung geregelt. Das Gesetz regelt unabdingbare Voraussetzung, dass die artgerechte Haltung der eingesetzten Tiere sowie der Umgang mit ihnen entsprechend der Merkblättern der Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. oder entsprechende länderspezifische Qualitätsrichtlinien und des Tierschutzgesetzes. Daraus lassen sich hinsichtlich des Qualitäts- Sicherheits- und Hygienemanagement wichtige Aspekte erschließen.

Auch von vielen Veterinärämtern wird ein Sachkundenachweis nach §11 Tierschutzgesetz verlangt. Dort heißt es, wer gewerbsmäßig Tiere zur Schau stellt, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Dieser Nachweis belegt, dass der Besitzer die Sachkunde für die Tierart besitzt, mit der er umgehen will. Damit sollen das Leben und Wohlbefinden der Tiere, die sich in seiner Obhut befinden, geschützt und tierschutzwidrige Haltungs- oder Zuchtbedingungen verhindert werden. Tiergestützte Therapie wird von vielen Veterinärämtern als „Zurschaustellung“ angesehen (vgl. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Bundesamt für Justiz, 2021). Die gewerbsmäßige Haltung von Tieren braucht demnach eine behördliche Erlaubnis. Es muss vor Aufnahme der Tätigkeit ein Antrag beim zuständigen Veterinäramt gestellt werden.  

Haltung

In der Tierschutz-Hund-Verordnung sind für die Haltung für Hunde im Elementarbereich Mindestanforderungen gelistet. Die Person, die tiergestützt arbeitet, ist für das umfassende Wohlergehen des Tieres während des tiergestützten Einsatzes verantwortlich. Das bedeutet, dass  der  Hund einen Rückzugorte „Hands- off Bereich“ (Schlafkorb) haben sollte, der von allen Beteiligten respektiert wird. Des Weiteren hat der Hund einen Ausgleich und ungestörte Schlaf- und Ruhephasen, da auf die Häufigkeit, Dauer und Intensität des Einsatzes geachtet wird, um das Wohlbefinden des Tieres nicht beeinträchtigen.

Ernährung

Auch die Trinkwasserversorgung (stets frisches Trinkwasser) und das Hygienemanagement geben Auskunft über die Voraussetzungen der tiergestützten Pädagogik. Der Hund sollte beispielsweise kein Rohfleisch fressen, da sich hier Bakterien finden könnten und es somit ein Risiko für den Menschen sein könnte.

Hygieneschutzplan

Gemäß § 36 Infektionsschutzgesetzes müssen Gemeinschaftseinrichtungen die innerbetrieblichen Verfahrensweisen in Hygieneplänen festlegen. Es müssen somit hausinterne Regeln aufgestellt werden wie beispielsweise in welche Räumlichkeiten das Tier darf und in welche nicht.

Gesundheitsmanagement

Im sozialen Bereich eingesetzte Hunde müssen mit besonderer Sorgfalt tierärztlich überwacht werden, um eine Gesundheitsgefährdung von Kontaktpersonen auszuschließen. Auf folgende Aspekte muss geachtet werden:

  • Schutzimpfungen
  • Parasietenprohylaxe
  • allgemeine Überprüfung (z.B. Haut, Fell, Kotprobe)
  • Zoonose
  • Infektionserkrankungen und Tierseuchen
     

Der Hund im Kindergarten

Der Hund kann alltagsintegriert eingesetzt werden. Er begleitet pädagogische Fachkraft in ausgewählten Kindergartensituationen wie beispielsweise beim Morgenkreis. Auch in gezielten Projekten und Aktivitäten mit Kleingruppen oder einzelnen Kindern kann der Hund miteinbezogen werden. Die Aktivitäten reichen von Leserunden, bei denen der Hund anwesend ist und gestreichelt werden kann oder auch Suchspiele, wo Kinder Spielzeug oder Futter verstecken können und der Hund diese im Raum sucht. Auch können Kinder den Hund an der Leine über Geräte oder Hindernisse führen. Die Kinder können auch in Teilgruppen bei einem Besuch in der Hundeschulstunde teilnehmen.

Jedes Kind kann selbst entscheiden, ob es Kontakt zu dem Tier haben möchte oder nicht. Grenzen und Interessen jedes einzelnen Kindes müssen akzeptiert werden. Wichtig dabei ist die genaue Beobachtung aller Beteiligten, damit Stresssignale erkannt werden und somit individuell und situationsangemessen reagiert werden kann. Dabei muss darauf geachtet werden, dass ein Kind niemals mit dem Hund allein gelassen wird. Je nach Charakter des Hundes wird er aber höchstens zwei bis vier Mal am Tag eingesetzt.

Vorab empfiehlt sich mit Handpuppen in Tiergestalt zu arbeiten, die als Vermittler dienen und Umgangsregeln erklären können. Gemeinsam werden Umgangsformen und Regeln mit den Kindern aufgestellt, wie beispielsweise, dass auf Signale des Hundes geachtet werden muss.

Auch dem Hund müssen Regeln und Grenzen vermittelt werden. Wichtig ist dabei, dass das Projekt ein zusätzliches Angebot an die Kinder ist, dass sie freiwillig nutzen können. Ein Spielkoffer mit Hundekuscheltiere oder Hundefiguren kann helfen, ungeplantes aufzufangen.

* Name von der Redaktion geändert
 

Sandra Leitl ist systemische Beraterin in München und arbeitet mit ihrem Hund Emmy tiergestützt. Sie ist spezialisiert auf die Arbeit mit Kindern und besucht mit ihren Mini Australien Shepherd Emmy soziale Einrichtungen. 
www.sandra-maria-leitl.de
 

 

Quellen:

Akademie für Tiernaturheilkunde: https://www.atn-ag.de/tiergestuetzte-paedagogik-definition, abgerufen am  29.05.21

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Bundesamt für Justiz: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__11.html abgerufen am 29.05.21

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Bundesamt für Justiz: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschtrv_2009/BJNR037500009.html, abgerufen am 02.06.21

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Bundesamt für Justiz: https://www.gesetze-im-internet.de/heilprg/BJNR002510939.html abgerufen am 29.05.21

Bundesverband Tiergestützte Intervention e. V.: https://www.tiergestuetzte.org/tiergestuetzte-interventionen, abgerufen am 23.7.21

Deutscher Tierschutzbund e. V. : https://www.tierschutzbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Broschueren/Tiergestuetzte_Interventionen.pdf, abgerufen am  23.7.21

ESAAT (2021): https://www.esaat.org/definition-tiergestuetzter-therapie/ ,abgerufen am

ESAAT (2021): https://www.esaat.org/grundsaetze-tiergestuetzter-therapie/

https://www.atn-ag.de/tiergestuetzte-therapie-definition, abgerufen am 29.05.21

Sozialgesetzbuch – SGB (2021): https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/ifsg/36.html, abgerufen am 2.6.21

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2021): Tiere im sozialen Einsatz. Merkblatt Nr. 131

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2021):  Kind und Hund. Merkblatt Nr. 104

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2021): Nutzung von Tieren im sozialen Einsatz. Merkblatt Nr. 131.4 Hunde

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