Die bayerische Staatsregierung hat Eckpunkte zur Reform des Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes vorgestellt. Doch statt Erleichterung herrscht bei vielen Kita-Trägern Ernüchterung – insbesondere mit Blick auf die Finanzierung.
Ministerin verspricht „mehr Qualität“ und neue Teamkräfte
Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf kündigte nach der Kabinettssitzung an, die Kita-Finanzierung grundlegend neu aufstellen zu wollen. Ziel seien mehr Qualität, weniger Bürokratie und stärkere Unterstützung für pädagogisches Personal. Bis 2029 sollen 15.000 sogenannte Teamkräfte zusätzlich eingesetzt werden – etwa Küchenhilfen, Verwaltungsangestellte oder unterstützendes Personal in Kita-Gruppen.
Auch das bereits beschlossene Kinderstartgeld wird neu aufgeteilt: Statt 6000 Euro pauschal an Familien sollen künftig 3000 Euro direkt in Betreuungseinrichtungen fließen. Insgesamt sollen bis 2030 rund eine Milliarde Euro zusätzlich bereitgestellt werden.
Träger sprechen von „Kuckucksei“ und unzureichender Hilfe
Trotz dieser Ankündigungen überwiegt bei vielen Trägern die Enttäuschung. Die Arbeiterwohlfahrt kritisiert, die Reform gehe an den realen Herausforderungen vorbei. Statt die akute Finanzierungslücke zu schließen, werde der Mangel nur verwaltet. Dirk Rumpff vom Evangelischen Kita-Verband spricht von einem “Kuckucksei”: Statt struktureller Lösungen gebe es punktuelle Entlastung – und die falle oft nur dort ins Gewicht, wo Träger sich zusätzliche Kräfte leisten können.
Strukturelle Probleme bleiben ungelöst
Denn: Die staatlichen Pauschalen decken die tatsächlichen Personalkosten meist nicht ab. Kommunen mit angespannter Haushaltslage könnten den Fehlbetrag kaum ausgleichen – mit Folgen für die Betreuungsqualität. Scharf betonte zwar die Bedeutung früher Bildung für Chancengleichheit, doch gerade benachteiligte Kinder in armen Regionen könnten letztlich die Verlierer dieser Reform sein.
Schieflage bei der Kostenverteilung
Ein weiteres Problem: Das BayKiBiG stammt aus dem Jahr 2005. Seither sind die Qualitätsanforderungen stark gestiegen, ohne dass der staatliche Finanzrahmen mithalten konnte. Die ursprünglich angestrebte Drittelfinanzierung – je ein Drittel von Eltern, Land und Kommunen – ist längst aus dem Gleichgewicht geraten: Laut Bayerischem Gemeindetag tragen viele Kommunen inzwischen rund 60 % der Kosten, der Freistaat etwa 30 %, die Eltern nur noch rund 10 %.
Kritik aus der Opposition: „Augenwischerei statt echter Hilfe“
Die Opposition im Landtag spart nicht mit Kritik. Julia Post (Grüne) sprach von „Augenwischerei“ und forderte mehr Fachpersonal und geringere Kita-Gebühren. Auch SPD-Politikerin Doris Rauscher sieht in der Reform einen Fehlgriff: „Der große Wurf ist ausgeblieben.“
Kommunen sollen nicht zusätzlich finanziell eingebunden werden
Besonders brisant: Laut Bulletin zur Kabinettssitzung ist keine zusätzliche Finanzierungsbeteiligung der Kommunen geplant – obwohl genau das vielerorts Voraussetzung wäre, um die Maßnahmen umzusetzen. Für Einrichtungen in finanzschwachen Gemeinden bedeutet das: Die strukturelle Unterfinanzierung bleibt bestehen.
Wie geht es weiter?
Wie die endgültige Ausgestaltung der Reform aussehen wird, entscheidet sich voraussichtlich im Herbst. Dann soll das Sozialministerium die nächsten Schritte beraten.
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-reform-kinderbildungsgesetzes-enttaeuschung-baykibig-li.3291736
