Das Studium der Kindheitspädagogik - eine Alternative zur ErzieherInnenausbildung?

Wer gern mit Kindern arbeitet und ihre Zukunft mitgestalten möchte, vielleicht sogar eine Leitungsposition anstrebt, für den könnte das Studium der Kindheitspädagogik von Interesse sein. Als Kindheitspädagogen werden pädagogische Fachkräfte bezeichnet, die ein grundständiges oder berufsbegleitendes Studium der Kindheitspädagogik absolviert haben. Die genaue Bezeichnung des Studienganges variiert unter den Hochschulen. Alternative Bezeichnungen des Studienganges können sein: Frühpädagogik, frühkindliche Bildung, Pädagogik der Kindheit, Elementarbildung oder Bildung und Erziehung im Kindesalter. Das Studium kann eine Ausbildung als ErzieherIn ersetzen oder darauf aufbauen, um sich für weitere Positionen, z.B. die Leitung einer Einrichtung zu qualifizieren. Die Bereiche, in denen Kindheitspädagogen arbeiten können, erstrecken sich über eine Vielzahl sozialer Berufsfelder.

Kindheitspädagogik studieren oder lieber die Ausbildung als ErzieherIn absolvieren? Was bietet welche Vorteile?

Um mit Kindern arbeiten zu können, kann man sowohl die Ausbildung als ErzieherIn als auch das Studium der Kindheitspädagogik absolvieren. Doch wo genau liegen die Unterschiede zwischen der Ausbildung und dem Studium?

Für beide Ausbildungsmöglichkeiten ist ein Abitur hilfreich. Dennoch kann man beide Wege auch ohne Abitur betreten. Die Ausbildung als ErzieherIn verlängert sich ohne Abitur, da eine zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten vorab absolviert werden muss. Sowohl für die Ausbildung als auch für das Studium sind Vorkenntnisse in Form von Praktika notwendig. Viele Fachschulen bieten während ihrer ErzieherInnenausbildung die Möglichkeit an, das Fachabitur nachzuholen, was die AbsolventInnen für Studiengänge an Fachhochschulen und einigen Universitäten qualifiziert. Ohne die vorangehende Ausbildung zum Sozialassistenten dauert die Ausbildung drei Jahre. In ihr sind vielfältige Praktika enthalten, die den Auszubildenden Einblicke in die verschiedenen Bereiche der ErzieherIn bieten. Als ErzieherIn kann man eingesetzt werden in Arbeitsbereichen mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 27 Jahren mit und ohne gesundheitliche Einschränkungen. Die Ausbildung kann als Vollzeitausbildung oder berufsbegleitend absolviert werden. Für die Ausbildung gibt es sowohl staatliche Schulen, die kein oder nur ein geringes Schulgeld verlangen oder private Schulen, bei denen man immer ein Schulgeld einplanen muss. In der berufsbegleitenden Ausbildung sind die Auszubildenden gleichzeitig in einem Betrieb angestellt und werden von diesem während der Ausbildung vergütet. Die Höhe der Vergütung hängt von dem Betrieb ab. Entscheidet man sich für die berufsbegleitende Ausbildung, beschränken sich die Berufserfahrungen durch die fehlenden Praktika jedoch auf den Bereich des gewählten Betriebes.     

Auch für das Studium der Kindheitspädagogik ist ein Abitur, ein Fachabitur oder eine einschlägige Ausbildung als Voraussetzung nötig. Die Länge des Studiums richtet sich nach der Wahl der Studienart (Präsenz-, duales oder Fernstudium) und liegt zwischen drei und sechs Jahren. Auch das Studium bietet durch Praktika Einblicke in die vielzähligen Berufsbereiche der KindheitspädagogInnen. Das Studium qualifiziert jedoch nur für die Arbeit mit Kindern, Arbeit mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen wird weniger bedient. Im Gegensatz zu der ErzieherInnenausbildung qualifiziert sie jedoch durch ihren akademischen Abschlussgrad direkt für Leitungspositionen und andere höhere Positionen, die als gelernte ErzieherIn erst mit viel Berufserfahrung möglich sind. Beide Ausbildungsmöglichkeiten beinhalten jedoch eine staatliche Anerkennung, durch die die AbsolventInnen bundesweit zu ähnlichen Konditionen eingesetzt werden können. Die Studiengebühren des Studiums der Kindheitspädagogik variieren je nach Hochschule und Studienart stark. An manchen Hochschulen kann das Studium der Kindheitspädagogik dual absolviert werden, wobei ein Partnerbetrieb die anfallenden Studiengebühren übernimmt. Fernstudiengänge kosten in der Regel deutlich mehr als Präsenzstudiengänge. Die Gebühren schwanken zwischen 300 Euro im Semester und 550 Euro im Monat zuzüglich Prüfungsgebühren.   

Beide Ausbildungsarten bieten also jeweils ihre Vor- und Nachteile. Die folgende Tabelle soll einen kleinen Überblick des vorangestellten Vergleichs bieten:

 

 

Ausbildung als ErzieherIn

Studium der Kindheitspädagogik

Voraussetzungen

Abitur, Fachabitur oder eine Ausbildung als SozialassistentIn, Berufserfahrung erwünscht

Abitur, Fachabitur oder eine einschlägige Ausbildung, Berufserfahrung erwünscht

Dauer

Drei Jahre (mit Abitur) oder fünf Jahre (ohne Abitur mit vorangehender Ausbildung zum/ zur SozialassistentIn)

Je nach Studienart zwischen drei und sechs Jahre (Regelstudienzeit)

Ausbildungsart

Vollzeit oder berufsbegleitend an privaten oder staatlichen Fachschulen für Sozialwesen

Als Präsenz-, duales oder Fernstudium an staatlichen oder privaten Hochschulen

Kosten

0 bis ca. 100 Euro monatlich (gegebenenfalls Vergütung durch Betrieb)

0 bis ca. 550 Euro Monatlich

Qualifikation

Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 27 Jahre

Arbeit mit Kindern und direkter Einsatz in höheren und Leitungspositionen

Abschluss

Staatliche Anerkennung

Bachelor of Arts zuzüglich staatlicher Anerkennung

Einstiegsgehalt

Ca. 29.000 Euro im Jahr

Ca. 29.000 Euro im Jahr

 

Was sind die Inhalte des Studiums der Kindheitspädagogik?

Inhalte des Studiums sind das Wissen, Verstehen und Reflektieren von human- und sozialwissenschaftlichen Grundlagen der Pädagogik der Kindheit und Familienbildung. Das Studium zur Kindheitspädagogik verläuft praxisorientiert in den Bereichen der Soziologie, der Psychologie und der Pädagogik. Fähigkeiten in der differenzierten Wahrnehmung und Beobachtung kindlicher Bildungsprozesse werden aufbauend auf Grundbegriffe, Theorien und Verfahren der quantitativen und qualitativen Forschung erlernt und in weiteren praxis- wie forschungsorientierten Modulen angewendet. Während des Studiums werden die psychische und soziale Entwicklung des Kindes, sowie die frühkindlichen Bildungsprozesse und dessen Förderungsmöglichkeiten behandelt. Besonderer Fokus liegt hier auf dem Einbezug der Eltern als Erziehungspartner und die Stärkung ihrer Erziehungskompetenz. Mit Hilfe von Bildung und Erziehung können die Pädagogen in Zusammenarbeit mit den Eltern so etwaige soziale Ungleichheiten ausgleichen. Ebenfalls Teil des Studiums sind die verschiedenen Institutionen und Lernwelten der Kindheit und der Familie sowie die Didaktik der Kindheitspädagogik, der Familienbildung, -beratung und Erziehungspartnerschaft, der Sozialraumorientierung und Organisationsentwicklung. Zusätzlich bearbeitet werden die Bildungszugänge von Kindern in die unterschiedlichen Bildungsbereiche wie Sprache, Bewegung oder die künstlerisch-ästhetische Bildung. Viele Hochschulen bieten zusätzlich eine Spezialisierung beispielsweise in den Bereichen Inklusion, Leitung und Fachberatung, Schulsozialarbeit an Grundschulen, Bildung, Betreuung und Erziehung unter Dreijähriger oder ähnliches an. Die im Studium vorgesehenen Praktika können in der Regel jedoch abhängig von der Studienart (Präsenz-, duales oder Fernstudium) in der vorlesungsfreien Zeit am Stück oder lehrveranstaltungsbegleitend ein bis zwei Mal wöchentlich absolviert werden.Die Schwerpunkte des Studiums richten sich nach der jeweiligen Hochschule. Grundsätzlich können jedoch folgende Grundlagenmodule für das Bachelorstudium festgehalten werden:

 

  • Theoretische Zugänge zur Kindheits- und Sozialpädagogik
  • Beratung/ Entwicklungsförderung
  • Kindeswohlgefährdung
  • Organisationsentwicklung und Recht in der Kinder- und Jugendhilfe
  • Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Kindheits- und Sozialpädagogik
  • Forschungsmethoden und Evaluation
  • Interdisziplinarität
  • individuelle kindliche Entwicklungsverläufe
  • Bildungsbereiche wie Sprache/Kommunikation, Körper/Motorik, Wahrnehmung/Kognition, soziale/emotionale Bildung, naturwissenschaftliche Bildung, künstlerisch-ästhetische Bildung



Wo kann man wie Kindheitspädagogik studieren?

Das Studium der Kindheitspädagogik mit dem Abschluss des Bachelor of Arts ist in Deutschland an 15 Hochschulen als Präsenz-, duales oder Fernstudium möglich. Um eine Hochschule in der Nähe zu finden, bietet sich nachfolgend stehende Internetseite an. Hier kann man den gewünschten Studiengang eingeben und erhält alle Hochschulen in Deutschland, die dieses Studium anbieten. Sollte hierbei keine Hochschule in der Nähe gefunden werden, bietet es sich an, auch die alternativen Suchbegriffe einzugeben. Die angegebene Seite bietet jedoch auch eigenständig Alternativen an. 

https://studieren.de

Zusätzlich zu dem Bachelorabschluss erhalten die AbsolventInnen den Titel „staatlich anerkannte/r Kindheitspädagoge/in“ für ein bundesweit einheitlich akademisches Berufsbild. Der Präsenzstudiengang dauert fünf bis acht Semester. In jedem Semester gibt es die Möglichkeit ein Praxismodul von zwei bis drei Wochen einzubinden. Das Studium wird mit einer zusätzlichen 12-wöchigen Praxisphase beendet, die auch als Grundlage für die Bachelorarbeit dienen kann. Duale Studiengänge dauern zwei bis vier Semester länger als Präsenzstudiengänge.Das Fernstudium ist besonders flexibel in seiner Zeiteinteilung. Der Studienstart ist jederzeit möglich und nicht an bestimmte Termine gebunden. Kurse können als Präsenzveranstaltung oder online belegt werden und auch Klausuren können über 24 Stunden online geschrieben werden. Die Internationale Hochschule IUBH in Berlin beispielsweise bietet zusätzlich im Laufe des Studiums die Wahl von Schwerpunkten wie Schule, Freizeitpädagogik oder Kindertagesbetreuung an.

 

Welche Voraussetzungen gelten für den Studienbeginn der Kindheitspädagogik?  

Für das Studium der Kindheitspädagogik sollte man Freude am Umgang und der Arbeit mit Kindern haben. Durch die Einsatzbereiche in auch schwierigen Situationen sind eine stabile Psyche, Durchsetzungsvermögen und die Bereitschaft Konflikte zu lösen erforderlich. Die meisten, jedoch nicht alle Hochschulen bieten den Studiengang Kindheitspädagogik ohne Numerus Clausus (Zulassungsbeschränkung) an. Um das Bachelorstudium beginnen zu können, brauchen die BewerberInnen:

  • Abitur
  • Fachabitur/ fachgebundene Hochschulreife oder eine fachbezogene berufliche Qualifikation (Meisterprüfung)
  • Berufliche Fortbildung (z. B. Fachwirt IHK), d. h. abgeschlossene mindestens zweijährige Berufsausbildung und mindestens dreijährige Berufserfahrung in einem fachlich entsprechenden Bereich. Staatlich anerkannte ErzieherInnen haben in der Regel die Möglichkeit den Bachelor auf vier Semester zu verkürzen.

Welche späteren berufliche Positionen kann man durch das Kindheitspädagogikstudium belegen?

Die Perspektiven nach dem Studium der Kindheitspädagogik sind weitreichend und der Fachkräftemangel sorgt für eine gute Sicherung der beruflichen Zukunft. Durch die zahlreichen Praxiserfahrungen können bereits während des Studiums berufliche Favoriten herausgefiltert werden. Bereiche in denen Kindheitspädagogen arbeiten können, sind zum Beispiel:

 

  • Ganztagesschulen
  • Behinderteneinrichtungen
  • Einrichtungen der Jugendhilfe, Heime 
  • Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen
  • Leitungsfunktionen (z.B. von Kindertagesstätten)
  • Fachberatungen (z.B. Bildungsberatung und -forschung)
  • Konzeptionserstellung
  • Integrationshilfe / Ausländerbehörde
  • Wissenschaft und Forschung
  • Erzieher in Kinderkrippen, Kindergärten, Schulhorten

 

Welches Gehalt erwartet Kindheitspädagogen?

Da es bislang noch keine Eingruppierung in die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes gibt, lassen sich schwer verlässliche Angaben zum Gehalt von Kindheitspädagogen machen. Das Durchschnittliche Einstiegsgehalt bewegt sich jedoch zwischen 28.000 € und 29.000 € im Jahr. Mit steigender Berufserfahrung steigt auch das Gehalt.

 

Der Master in Kindheitspädagogik – gibt es ein entsprechendes Aufbaustudium?

Das Bachelorstudium der Kindheitspädagogik kann als alleinstehende Ausbildung für oben genannte Tätigkeitsbereiche dienen, oder die Basis für einen weiterführenden Masterstudiengang oder eine aufbauende Ausbildung sein. Seit Dezember 2017 wird der Bachelorabschluss in Kindheitspädagogik in Berlin beispielsweise als Grundlage für die Ausbildung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie voll anerkannt. In einem aufbauenden Masterstudiengang erfolgt eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Fachgebiet. Von den genannten Hochschulen, die das Bachelorstudium in Kindheitspädagogik anbieten, ist die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd die einzige Hochschule, die auch einen direkten Master im Bereich Kindheitspädagogik anbietet.

Die Schwerpunkte des Studiengangs liegen hier in der Forschung, Beratung und interdisziplinären Vermittlung im kindheits- und sozialpädagogischen Kontext.

Die Studieninhalte sind theoretisch fundiert, forschungsbezogen und anwendungs- und praxisorientiert in folgenden Bereichen:

  • Theoretische Zugänge zur Kindheits- und Sozialpädagogik
  • Beratung und Entwicklungsförderung
  • Kindeswohlgefährdung
  • Organisation, Organisationsentwicklung und Recht in der Kinder- und Jugendhilfe
  • Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Kindheits- und Sozialpädagogik
  • Forschungsmethoden und Evaluation
  • Interdisziplinarität

Der Masterstudiengang der Kindheitspädagogik qualifiziert die AbsolventInnen für folgende Tätigkeitsfelder:

  • Planungs- und Leitungsfunktionen in Institutionen der Kindheits- und Sozialpädagogik
  • Geschäftsführung bei Bildungsträgern und Wohlfahrtsverbänden
  • Projektleitung und -management internationaler und interdisziplinärer Projektkooperationen sowie bei Stiftungen
  • Dozententätigkeit in der kindheits-/sozialpädagogischen Fort- und Weiterbildung
  • Lehrtätigkeit an Privatschulen mit sozialpädagogischen, pädagogischen und psychologischen Fachinhalten
  • wissenschaftliche Laufbahn an Hochschulen/Universitäten

An den übrigen Hochschulen bildet der Bachelor in Kindheitspädagogik die Basis für andere soziale Masterstudiengänge.

An der katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin beispielsweise bietet der Masterstudiengang Vertiefungen und Spezialisierungen in den Bereichen Soziale Arbeit, Heilpädagogik und Kindheitspädagogik mit folgenden Schwerpunkten an:

  • Inklusion und Partizipation
  • Partizipation und Sozialraumorientierung
  • Bildung und Beratung
  • Klinische Sozialarbeit
  • Menschenrechtsorientierte Soziale Arbeit
  • Interdisziplinäre Psychosentherapie

 

Das Masterprogramm ist hier eng mit der Forschung der ProfessorInnen verzahnt und bietet folgende Studiengänge an:

 

·         M.A. Soziale Arbeit

·         M.A. Heilpädagogik

·         M.A. Klinische Sozialarbeit

·         M.S.W. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession

·         M.A. Interdisziplinäre Psychosentherapie

 

Wie kann man ein Studium der Kindheitspädagogik finanzieren?

Die Kosten des Studiums sind abhängig von der Wahl der Hochschule, der Wahl der Studienart (Präsenz-, duales oder Fernstudium) und von der Länge des Studiums. Das Studium kann finanziert werden über Stipendien, Ausbildungsförderungsgelder (BAföG), einen Bildungskredit bzw. Studienkredit oder mit Hilfe eines Nebenjobs. Das Studium an der IUBH beispielsweise wird von dem jeweiligen Praxispartner bezahlt und kostet die StudentInnen daher nichts.

 

(Stand der Informationen: Februar 2020)

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