Schwierige Elterngespräche Kita

In einer Kindertageseinrichtung ist die Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften im Rahmen der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft sehr wichtig. Gemeinsames Ziel ist es, das Wohl des jeweiligen Kindes in Bezug auf Erziehung und Bildung zu fördern. Regelmäßige Gespräche mit Eltern sind dabei entscheidend, auch wenn es manchmal um schwierige Themen oder Konflikte geht. In solchen Situationen ist eine professionelle und kompetente Gesprächsführung besonders wichtig. Dieser Artikel bietet Informationen und Tipps für den erfolgreichen Umgang mit solchen "schwierigen Elterngesprächen" und gibt Hinweise wie du diese Gespräche  beginnst.

 

Was sind „schwierige“ Elterngespräche?

 

Themen die zu Konflikten oder Herausforderungen führen können sind beispielsweise:

 

  • Unterschiedliche Erziehungsstile/Vorstellungen der Eltern und der Kita
  • Unzufriedenheit der Eltern mit der päd. Arbeit der Kita
  • Streitigkeiten/unüberbrückbare Differenzen unterhalb der Eltern die zu lasen des Kindes gehen
  • Erziehungsberechtigte wollen wo mögliche Besonderheiten/Beeinträchtigungen des Kindes nicht wahrhaben
  • Fehlende Bereitschaft zur Kooperation z. B. keine Hilfe von externen Experten wie Logopäden/Ergotherapeuten annehmen
  • Unangenehme/mit Scham verbundene Themen z. B. Kind nässt wieder ein obwohl es ein Vorschulkind ist
  • Sprachbarriere der Erziehungsberechtigten (hier ist es sinnvoll, einen Übersetzter zu engagieren. Es sollte auf keinen Fall das Kind übersetzen)

 

Was macht ein gutes Elterngespräch aus?: Tipps wie Elterngespräche gelingen können


Hier findest du Tipps und Methoden wie du Elterngespräche vorbereiten und durchführen kannst.

Wichtige Vorbereitungen, die zum Gelingen eines Elterngespräches beitragen:
 

  • Kläre den Grund oder den Anlass des Gesprächs. Wenn die Erziehungsberechtigten um einen Gesprächstermin gebeten haben, frage vorher nach, welches Thema sie besprechen möchten. Dies gibt dir die Möglichkeit, dich vorzubereiten.  Selbst wenn das Gespräch auf Wunsch der Eltern stattfindet, fasse am Anfang des Gesprächs kurz in einem Satz zusammen, ob du den Anlass des Themas verstanden hast.

    Hier ein Beispiel: Herr und Frau Maier, wenn ich Sie richtig verstanden habe, möchten Sie heute mit mir über Jonas Verhalten in der Gruppe sprechen. Habe ich das richtig herausgehört?

 

  • Bereite das Gespräch gut vor. Das ist wichtig, damit du während des Gesprächs einen klaren Plan hast. Deine vorherigen Beobachtungen, die du dokumentiert hast, sind dabei sehr nützlich, um konkrete Beispiele zu haben.

 

  • Achte auf deine innere Haltung. Überlege dir schon vor dem Gespräch, was du über das Thema denkst. Was sind deine Gedanken zu den Eltern und dem Kind? Das ist wichtig, um den Eltern mit Respekt zu begegnen und authentisch zu sein.

 

  • Schaffe eine angenehme Atmosphäre: Lüfte den Raum, stelle Getränke bereit, vielleicht auch Kekse, und dekoriere den Tisch ein wenig.

 

  • Plane genügend Zeit für Gespräche ein und vermeide Störfaktoren und Ablenkungen wie klingelnde Telefone oder Klopfen an der Tür. 

 

  • Plane die Zeit während des Gespräches ein. Oft dauert es eine Weile, um  Verhaltensweisen des Kindes zu beschreiben. Das fordert nicht nur Zeit, sondern auch viel Energie. Plane also genug Zeit ein, um nicht nur Beispiele aufzuzählen, sondern auch gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

 

  • Begrüße die Eltern angemessen, indem du die passende Form der Begrüßung wählst, die kulturelle angemessen ist. Achte darauf, beide Elternteile gleichwertig zu begrüßen, insbesondere wenn sie getrennt leben, um Neutralität zu zeigen. Starte das Elterngespräch mit einer lockeren Frage, zum Beispiel: "Sind Sie gut angekommen? Heute im Kindergarten hat Ihre Tochter etwas Schönes mit anderen Kindern gespielt." Zeige Interesse an der positiven Entwicklung des Kindes.

 

  • Strebe zusammen mit den Erziehungsberechtigten zeitnahe Lösungen an.Was kann ich als Fachkraft konkret in den nächsten 2 Wochen tun? Was können die Eltern konkret unternehmen? Wie können wir sicherstellen, damit alle Beteiligten mit den vorgeschlagenen Schritten einverstanden sind? Wann wäre ein geeigneter Zeitpunkt für das nächste Treffen?
     
  • Wenn möglich, hebe stets die Vorteile für das Kind und für die Eltern hervor.

    Hier ein Beispiel: „Wenn wir mit einer Ergotherapie beginnen würden, bin ich überzeugt, dass Georg bald altersangemessene Alltagsfertigkeiten wie das selbständige Anziehen relativ schnell bewältigen wird. Dies wird auch eine Entlastung für Sie sein.“
     
  • Beende das Gespräch konkret. Folgende Fragen können dabei helfen:

    Wissen alle Beteiligten, was zu tun ist? Wie geht es den Erziehungsberechtigten nach diesem Gespräch? War das Gespräch für dich als Fachkraft aber auch für die Eltern zielführend?
     
  • Halte die Inhalte, Ergebnisse und Maßnahmen des Gespräches schriftlich fest und bitte die Erziehungsberechtigten, das Protokoll zu unterschreiben. Auf diese Weisen kannst du sicherstellen, dass die Eltern später nicht behaupten, dass bestimmte Dinge nicht besprochen wurden.

 

Wie gehe ich mit schwierigen Eltern um?

 

Grundsätzlich gelten bei schwierigen Gesprächen mit Eltern die zuvor genannten Tipps. Es ist hier jedoch wichtig, dass du das eigentliche Anliegen oder Problem der Eltern herausfindest. Es kann nämlich sein, dass die Herausforderung bei der Eingewöhnung nicht an dir als Fachkraft, der Kita oder dem Kind liegt, sondern möglicherweise bei der Mutter. Sie wünscht sich zwar, dass ihr Kind in die Kita geht, kann aber Schwierigkeiten haben, ihr Kind loszulassen. In so einer Situation wird keine Eingewöhnung gelingen, auch wenn du als Fachkraft noch so viel Erfahrung hast.

Im Folgenden findest du nützliche Tipps, wie du in solchen Situationen umgehen kannst und wie es dir gelingt, das eigentliche Anliegen herauszufinden:

 

Wie können „schwierige“ Elterngespräche geführt werden?


Bei schwierigen Themen gelten zwar auch die oben aufgeführten grundlegenden Aspekte eines Elterngespräches. Im Folgenden findest du jedoch noch zusätzliche Faktoren, auf die du achten solltest:

Tipps zur Vorbereitung:

  • Überlege dir bei deiner Gesprächsvorbereitung bereits konkrete Vorschläge, die du den Eltern mitteilen kannst. Gleichzeitig denke darüber nach, was von deiner Seite aus umsetzbar ist, und frage die Eltern nach Ihren Ideen und Vorschlägen. So kannst du gemeinsam realistische und machbare Lösungen entwickeln.
     
  • Bitte einen Kollegen oder eine Kollegin bei dem Gespräch mit den Eltern dabei zu sein. Diese Person kann nicht nur ein Protokoll führen, sondern dich auch unterstützen und als Zeugin fungieren.

 

Lösungen für mögliche Herausforderungen oder Probleme während eines schwierigen Gespräches:
 

  • Wenn du beleidigt wirst oder Eltern ausfallend werden, setze klare Grenzen. Teile den Eltern ruhig mit, dass du einen solchen Umgang nicht akzeptierst und das Gespräch auf eine respektvolle Ebene zurückführen möchtest. Falls die Beleidigungen anhalten und das Gespräch nicht mehr konstruktiv verläuft, behalte dir das Recht vor, es abzubrechen oder einen Vermittler beispielsweise aus dem Elternbeirat hinzuzuziehen. Wichtig ist, dass dieser das Vertrauen beider Seiten genießt sowie neutral ist.
    Du könntest beispielsweise sagen: "Ich bin hier, um Ihnen zu helfen und gemeinsam Lösungen zu finden. Bei fortgesetztem respektlosem Ton ist ein konstruktives Gespräch leider nicht möglich. Lassen Sie uns das Gespräch vertagen.“
     
  • Es gibt Erziehungsberechtigte, die deine fachliche Kompetenz und somit deine pädagogische Arbeit anzweifeln:

    „Sie sind doch noch so jung und haben keine Kinder, wie wollen Sie wissen, was für mein Kind gut ist?“
    Versuche hier die tatsächlichen Ängste oder Bedürfnisse der Eltern mit Gegenfragen heraus zu bekommen? Was sind Ihre Befürchtungen? Was brauchen Sie von mir, damit Sie mir vertrauen können? Obwohl ich noch keine Mutter bin, habe ich eine umfassende Ausbildung und Erfahrung mit Kindern. Was kann ich Ihnen über meine Qualifikation erzählen, um Ihnen mehr Vertrauen zu geben? Indem du die Bedenken der Eltern offen ansprichst und nach ihren Bedürfnissen fragst, schaffst du Raum für eine konstruktive Diskussion, zeigst deine Bereitschaft, auf das Anliegen der Erziehungsberechtigten einzugehen und das womöglich eigentliche Thema der Eltern wird aufgezeigt.
     
  • Es gibt immer wieder Eltern, die trotz Bemühungen nicht gesprächsbereit sind. In solchen Fällen ist es ratsam, die Eltern unterschreiben zu lassen, dass sie kein Gespräch wünschen. Das schützt dich vor möglichen späteren Anschuldigungen. Auch wenn es schwierig ist, eine Lösung zu finden, bist du die Fachkraft für das Kind. Du trägst die Verantwortung für das Kind, nicht für die Eltern.

Wichtig: Wenn du mit den Eltern bei einem Gespräch keine Einigung oder gemeinsames Ziel erreichen konntest, betone, dass ihr das Gespräch an einem anderen Tag fortsetzen werdet. Achte darauf, dass genügend Zeit zwischen den beiden Terminen liegt, damit die Inhalte des Gesprächs wirken können und neue Lösungsansätze aufgegriffen werden können

 

  • Verwende „Ich-Botschaften“: Betone, dass es deine Perspektive und Gedanken sind und benenne konkrete Verhaltensweisen.

    Hier ein Beispiel: In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass Julia Schwierigkeiten hat, auf andere Kinder zuzugehen und mit ihnen zu spielen. Stattdessen spielt sie sehr oft alleine in der Bauecke. Mir fällt auf, dass Julia das Spiel beendet und sich in eine ruhigere Ecke zurückzieht, sobald sich ein Kind nähert.

     
  • Achte auf Aktives Zuhören und nimm Vorwürfe nicht persönlich. Oft sind es Ängste, Sorgen oder Überforderung der Eltern, und es richtet sich nicht gegen dich persönlich. Versuche, auf mögliche Vorschläge der Eltern einzugehen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Zeige Verständnis für die Eltern. Es ist sehr wichtig, ihre Ängste und Bedenken ernst zu nehmen.

 

  • Nutze gezielte Fragetechniken, um die Perspektiven der Eltern zu erfahren und um die Gesprächsführung zu lenken. Denn oft gibt es bei solchen Gesprächen Machtkämpfe zwischen den Eltern oder gegenseitige Vorwürfe.

    Baue dabei sogenannte W- Fragen (Was-, Wann-, Warum- und Wie) ins Gespräch mit ein.
     
  • Wie können wir Ihrem Kind helfen?
  • Welche Ideen haben Sie?
  • Was können Sie zu unseren geplanten Maßnahmen beitragen
  • Was erwarten Sie von uns als Einrichtung? Was erwarten Sie von Ihnen als Eltern und was von Ihrem Kind?
     
  • Fasse die Antworten der Eltern zusammen. Somit kannst du sicherstellen, dass keine Missverständnisse aufkommen. 

 

Extra Tipp: Versuche viele Fragen einzubringen. Achte somit auf das Prinzip „ Wer fragt, führt das Gespräch.“ Fragen die sich dafür eigenen:

 

  • Skalierungsfragen: Auf einer Skala von 0 bis 10 – was denken Sie wie geht es Ihrem Kind aktuell mit dieser Situation?
  • Fragen zur Lösung: Was haben Sie bisher versucht, damit Hannah Ihr Geschwisterchen besser akzeptiert? Wer oder was könnte dabei helfen? Wann gab es Zeiten wo Ihr Kind das Verhalten nicht gezeigt hat? Was haben Sie in diesen Zeiten anders gemacht?
  • Zirkuläre Fragen: Wenn wir Ihr Kind fragen würden, welche Ideen und Vorschläge es hat, damit sie mit der Trennung besser zurecht kommen würde, was denken Sie würde es sagen? 
     
  • Selbst bei schwierigen Themen wie den Auffälligkeiten des Kindes ist es wichtig, auch Positives anzusprechen.
    Hier ein Beispiel: „Hanna beißt schon seit einiger Zeit andere Kinder aus ihrer Gruppe. Allerdings fällt auf, dass sie in der Puppenecke mit einem bestimmen Mädchen zusammen nicht beißt. Versuchen wir uns darauf zu konzentrieren, warum Hanna in dieser Spielsituation nicht beißt.“

           So liegt der Fokus auf der Suche nach Lösungen.

  • Gespräche mit schwierigen Themen sind oft sehr negativ ausgerichtet. Das sogenannte Reframing, also das Umdeuten oder eine andere Perspektive einnehmen, ist eine wirkungsvolle Technik. Hier wird ein Problem in einen positiven Kontext gerückt, und es wird betont, wie eine Herausforderung zu einer Fähigkeit oder einer Lerngelegenheit werden kann.

    Hier ein Beispiel: Statt zu sagen: „Es ist sehr auffällig, dass Ihr Kind oft alleine spielt.“Könntest du den Satz umwandeln: „Ich sehe, dass Ihr Kind sehr unabhängig ist und die Fähigkeit entwickelt hat, sich selbst zu beschäftigen. Das ist eine wichtige Eigenschaft für die persönliche Entwicklung.“

Diese positive Umdeutung kann die Gesprächsatmosphäre verbessern und den Fokus auf Lösungen und Stärken lenken.

Achtung: Nicht jede Aussage eignet sich für ein Reframing. Bei Themen zu Gewalt und Missbrauch darf nichts umgedeutet werden!

  • Verwende während des Gesprächs Visualisierungen und Moderationskarten. Eine effektive Methode, um den Erziehungsberechtigten einen Überblick über ihr Familiensystem zu geben, ist das Modell von Salvador Minuchin. Dieses besagt, dass Familienmitglieder auf vier verschiedenen Ebenen leben, abhängig von der Rolle, die sie spielen. Erwachsene haben drei Rollen, während Kinder nur eine Rolle haben: die des Kindes. Es ist wichtig, dass das Kind niemals aus seiner Ebene herausgehoben wird.

    Individualebene: Jedes Familienmitglied gilt auch als Individuum mit Interessen, Bedürfnisse usw.) 
    Paar Ebene
    Eltern Ebene: diese Ebene muss deutlich von der Paarebene abgegrenzt werden. Der Kontakt zum Kind erfolgt über diese Eltern Ebene
    Kind Ebene


Achtung: Wenn diese Ebenen vermischt werden, entstehen Herausforderungen und Konflikte. Zum Beispiel ist die Mutter aufgrund der häufigen Dienstreisen des Vaters oft alleine. In solchen Situationen bespricht sie möglicherweise ihre Probleme mit dem Kind, wodurch das Kind in die Paarebene „gehoben“ wird. Dies könnte zu Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung führen, ohne dass den Eltern dies bewusst ist, da die Mutter sich schwer vom Kind trennen kann.

Eine effektive Methode besteht darin, das Modell während des Elterngesprächs anzuwenden und die Eltern zu bitten, die jeweiligen Familienmitglieder in das Modell zu zeichnen, so wie sie sie wahrnehmen. Wenn die Eltern beispielsweise dich für die Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung verantwortlich gemacht haben, könnten sie durch diese Methode den eigentlichen Grund für das ständige Weinen ihres Kindes während der Eingewöhnung erkennen. Kinder spüren nämlich, wenn die Eltern nicht bereit sind. Gemeinsam kannst du nun mit den Eltern überlegen, wie weiter vorgegangen werden kann.

 

Fortbildungstipps zum Thema schwierige Elterngespräche führen

 

  • Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg (Kommunikations- und Konfliktlösungsprozess
  • Fortbildungen die einen systemischen Ansatz als Schwerpunkt haben
  • Die vier Ebenen der Kommunikation (Schulz von Thun)

 

Bild:shutterstock_1289761498

 

 

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