Sprachförderung im Kindergarten: Ziele, Methoden und Konzepte

Sprachförderung

Kindertagesstätten, Krippen und Tagespflegestellen haben neben dem Erziehungs- auch einen klaren Bildungsauftrag. Dieser ist in allen Kita-Gesetzen der einzelnen Bundesländer schriftlich fixiert. Die Beherrschung der deutschen Sprache, die Fähigkeit zur Kommunikation und Interaktion sind essentielle Kompetenzen die jeder Mensch braucht, der seinen Platz in der Gesellschaft finden will. Ein Kind, welches in der Lage ist sich richtig auszudrücken, Lautbildung und Satzbau beherrscht, wird problemlos das Lesen und Schreiben lernen. Doch auch der sozial-emotionale Aspekt darf in diesem Zusammenhang nicht vernachlässigt werden: Wir brauchen die Sprache, um mit anderen zu kommunizieren, Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken und um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Aus diesem Grund wird schnell deutlich, welch hohen Stellenwert die frühe Sprachförderung im Kindergarten einnimmt. Das gilt besonders für Kinder, die benachteiligt sind, wenn es um eine altersgerechte Sprachentwicklung geht, also solche, die aus sozial schwachen oder bildungsfernen Schichten stammen, die eine Behinderung oder einen Migrationshintergrund haben. Alle Maßnahmen, die eine Gesellschaft zur Sprachförderung von Kindern und natürlich auch Erwachsenen anbietet und durchführt, dienen also letztendlich der Integration, der sozialen Gerechtigkeit und der Chancengleichheit und haben dementsprechend auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Denn: Nur derjenige, der die Landessprache in Wort und Schrift beherrscht und sich im Alltag daher gut zu recht findet, wird eine qualifizierte Ausbildung absolvieren können und hat Chancen auf einen Job, der soziale Absicherung bietet und so gut bezahlt wird, dass keine zusätzlichen staatlichen Mittel zur Grundsicherung in Anspruch genommen werden müssen.

 

Sprachförderung im Kindergarten und in der Kita: Wie lautet die Definition?

Unter dem Begriff „Sprachförderung“ werden alle Methoden zusammengefasst die zum Ziel haben, Kinder und auch Jugendliche in ihrer sprachlichen Entwicklung zu fördern. Die zu fördernden Kinder sollen befähigt werden, im Hinblick auf ihre Sprachentwicklung altersgerechte Kompetenzen zu entwickeln, um spätestens im Erwachsenenalter ihre Muttersprache bzw. die jeweilige Landessprache fließend in Wort und Schrift zu beherrschen, inklusive der korrekten Lautbildung und Grammatik.

Sprachförderung im Kindergarten: Welche Ziele hat sie?

Die Sprachförderung im Kindergarten hat viele Kernziele, die sich oft noch in Feinziele gliedern lassen. Es wäre ein wenig zu einfach zu behaupten, das wichtigste Ziel der Sprachförderung im Kindergarten wäre es, das jeweilige Kind darauf vorzubereiten, dass es bei Schuleintritt keine Probleme mit dem Schriftspracherwerb hat, aber für viele Eltern und Lehrer ist das natürlich ein besonders wichtiger Aspekt. Aber Sprachförderung im Elementarbereich setzt viel früher an. Zunächst geht es darum, den Wortschatz der Kinder zu erweitern und Sprechfreude zu vermitteln. Ein dreijähriges Kind verfügt durchschnittlich über einen aktiven Wortschatz von etwa 500 Wörtern, ein sechsjähriger Schulanfänger hat schon rund 2500 Wörter im Repertoire. Der passive Wortschatz ist natürlich weit größer. Aber: Gerade jüngere Kinder sind oft noch schüchtern und trauen sich nicht, sich zu äußern. An diesem Punkt setzt Sprachförderung im Kindergarten oft an. Es geht darum, den Wert von Sprache zu vermitteln und Kinder anhand von geeigneten Medien und Materialien zum Sprechen anzuregen. Darüber hinaus gibt es natürlich noch weitere Ziele, z.B.

 

  • die Verbesserung der Lautsprache,
  • den Ausbau grammatikalischer Fähigkeiten,
  • die Vermittlung von Rhythmus und Taktgefühl und damit der Bedeutung von Sprachmelodie und Lautbildung,
  • die Optimierung des Sprachverständnisses, also beispielsweise der Fähigkeit, Gehörtes wiederzugeben, Fragen zu Geschichten zu beantworten, Stellung zu einem    Thema  zu nehmen, Reime und Lieder auswendig wiederzugeben usw.
  • den kommunikativ-sozialen Aspekt der Sprache zu vermitteln (Wie drücke ich meine Bedürfnisse richtig aus? Wie rede ich mit anderen? Wie reagiere ich verbal, wenn es zu Konflikten kommt?)

 

Davon abgesehen gibt es noch zahlreiche weitere Ziele, die indirekt ebenfalls dazu beitragen, dass sich die Sprach- und Ausdrucksfähigkeit altersgerecht entwickelt, wie die Förderung der Konzentration, der Feinmotorik, der sozial-emotionalen Kompetenz, der Frustrationstoleranz usw. Die Sprachförderung im Kindergarten sollte daher immer im Kontext der allgemeinen pädagogischen Zielsetzung gesehen werden, jedes Kind in seiner Entwicklung zu begleiten, seine Persönlichkeit zu stärken und ihn zu helfen, wichtige Kompetenzen zu entwickeln die es braucht, um später ein zufriedenes, selbstbestimmtes Leben innerhalb unsere Gesellschaft zu führen.

 

Sprachförderung: Welche Methoden und Spiele gibt es?

 

Sprachförderung beginnt eigentlich mit der Geburt. Jede Interaktion mit dem Kind, die durch Sprache begleitet wird, fördert auch dessen Sprachentwicklung. Eltern und gegebenenfalls ältere Geschwister sind die ersten und wichtigsten Sprachvorbilder für ein Kind. Die institutionelle Sprachförderung durch Pädagogen beginnt vergleichsweise spät, das Fundament für die Sprachentwicklung ist bereits gelegt, wenn ein Kind beginnt eine Krippe oder einen Kindergarten zu besuchen. Auch braucht es eigentlich keine komplexen Methode und Konzepte, um Kinder in ihrer Sprachentwicklung zu fördern. Allgemein hat es sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die meisten Kinder am besten durch in den Alltag integrierte Sprachförderung profitieren, die als solche vielleicht gar nicht immer bewusst erkannt werden.

Hier einige der wichtigsten und einfachsten Methoden und Spiele der Sprachförderung:

 

- Bilderbuchbetrachtungen in der Kleingruppe,

- Erzählkreise,

- Lieder, Reime und Singspiele,

- bei Lautbildungsfehlern oder grammatikalischen Schwächen der Einsatz von korrektivem Feedback (Das Gesagte wird von der pädagogischen Fachkraft richtig  wiederholt,

- Gestaltung einer anregungsreichen Umgebung, die Kinder dazu einlädt, Rollenspiele zu spielen und miteinander ins Gespräch zu kommen

 

Wichtig ist, dass Sprache im Alltag Wertschätzung erfährt. Das bedeutet Konkret beispielsweise, dass Erzieher sich Zeit nehmen, Kindern zuzuhören und immer in ganzen Sätzen mit ihnen sprechen, anstatt lediglich knappe Anweisungen wie „Räum auf“ oder „Zieh dich an“ zu erteilen. Davon abgesehen ist es wichtig gerade Kindern mit Migrationshintergrund zu vermitteln, dass ihre Muttersprache genauso gut und wertvoll ist wie die Landessprache.

 

Welche Mittel zur Feststellung der Sprachkompetenz gibt es?

Um festzustellen, ob ein Kind im Hinblick auf seine Sprache altersgerecht entwickelt ist, stehen den pädagogischen Fachkräften neben der freien Beobachtung auch standardisierte Beobachtungsbögen zur Verfügung. Die bekanntesten sind SISMIK und SELDAK, welche vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München entwickelt wurden und mittlerweile in allen Bundesländern genutzt werden. Sie dienen auch als Grundlage für Elterngespräche und für die Auswahl gezielter individueller Fördermaßnahmen im Bereich Sprache und Sprachentwicklung.

 

Spiele für die Sprachförderung und anderes kostenloses Material

Kostenloses Material für die Sprachförderung findet man nahezu überall. Denn im Kindergarten geht es nicht darum eine Sprache systematisch zu lernen, wie es in der Schule der Fall ist. Jedes Bilderbuch oder Memory-Spiel dient der Sprachförderung, wenn es didaktisch sinnvoll eingesetzt wird. Für den Zweit- bzw. Fremdspracherwerb eignen sich als Ergänzung Bildkarten sehr gut. Viele Bilder, Fotos und Grafiken sind im Netz frei zugänglich und können großformatig ausgedruckt laminiert und je nach Bedarf vielseitig werden.

 

Was sind Grenzen und Schwierigkeiten in der Sprachförderung?

Erzieherinnen und Erzieher sind keine Ärzte oder Therapeuten. Sie dürfen keine medizinischen Diagnosen stellen. Ob zum Beispiel eine Sprachentwicklungsverzögerung vorliegt, kann nur ein Kinderarzt oder ein Logopäde entscheiden. Pädagogische Fachkräfte sollten das Gespräch mit den Eltern suchen, wenn sie vermuten, dass die Fördermaßnahmen im Kindergarten allein nicht ausreichen, um den Bedürfnissen eines Kindes im Hinblick auf seine Sprach- und Ausdrucksfähigkeit gerecht zu werden.

 

Wie sieht Sprachförderung in der Grundschule aus?

Viele Schulen bilden spezielle Klassen für Kinder, die gar keine oder nur wenige Kenntnisse in der deutschen Sprache haben, bevor sie nach etwa einem Jahr in der Lage sind, dem regulären Unterricht zu folgen. Das trifft vor allem auf Kinder auch Flüchtlingsfamilien zu und auf solche, deren Muttersprache nicht deutsch ist und die zuvor keine vorschulische Einrichtung besucht haben. Darüber hinaus werden in der Grundschule vielfach ähnliche Methoden der Sprachförderung eingesetzt wie in Kindergärten auch. Optimal ist es jedoch, wenn ein Kind über einen ausreichend großen Wortschatz verfügt, gerne diskutiert und Lautbildung wie Grammatik weitestgehend beherrscht, wenn es eingeschult wird.

 

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