Übergang Krippe Kindergarten

Heutzutage wachsen Kinder in einer Gesellschaft auf, in der Veränderungen zur Normalität gehören. Sei es eine Trennung der Eltern oder die Geburt des jüngeren Geschwisterchens. All diese Ereignisse bedeuten Veränderungen und leiten somit Übergänge in einen neuen Lebensabschnitt ein. Auch im pädagogischen Alltag sprechen wir von Übergängen wie dem Übergang von der Kinderkrippe in den Kindergarten.

 

Was bedeutet der Begriff „Übergänge“?

 

Übergänge werden in der Fachliteratur auch als „Transitionen“ bezeichnet. Sie bringen für die Betroffenen bedeutsame Veränderungen mit sich.

Die beiden Begriffe „Übergang“ und „Transition“ können synonym verwendet werden, wobei in der pädagogischen Fachliteratur der wisschenschaflichere Ausdruck „Transition“ bevorzugt wird.

 

Wie gelingt eine Transition?

 

Bei Transitionen bzw. bei Übergängen jeglicher Art sind verschiedene Akteure involviert.  Eine Transition kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten mit einbezogen werden. Im vorschulischen Bereich, beispielsweise beim Übergang von der Krippe in den Kindergarten sind

 

  • die Kinder und 
  • deren Eltern sowie die 
  • Pädagogischen Fachkräfte

 

beteiligt. Möglicherweise wirken auch beratende oder soziale Dienste, Großeltern, ratgebende andere Eltern und weitere Mitglieder des sozialen Netzwerkes mit.

Im Idealfall sind Krippen und Kitas auch untereinander vernetzt, so dass während des Übergansprozesses ein fachlicher Austausch stattfinden kann.

Es besteht ein Unterschied zwischen den Beteiligten. Kind und Eltern müssen den Übergang aktiv bewältigen. Das bedeutet, dass sich für diese zwei Akteure am meisten verändert. Aus diesem Grund ist es wichtig, besonders sensibel auf Kind und Eltern einzugehen.

 

Wie gelingt ein Übergang von der Krippe in den Kindergarten?

 

Nur wenn alle Akteure mit einbezogen und einige wichtige Aspekte beachtet werden, kann ein Übergang gelingen.

 

Wichtig bei Kindern:

 

  • achte auf die individuellen starken Emotionen wie Stolz, Freude, Neugier und Ungewiss heit 
  • Sei dir über die neuen Rollen, die das Kind einnimmt, beispielsweise die als Mitglied einer Krippengruppe bewusst
  • Gestalte jede Eingewöhnung individuell an den Bedürfnissen, den Rhythmus, den Vorerfahrungen und den Stärken des jeweiligen Kindes

 

Du als Fachkraft solltest aber nicht nur das neue Kind im Fokus haben. Auch für die Kinder der bestehenden Gruppe ist jeder Neuzugang eine Veränderung. Involviere die Kinder der bestehenden Gruppe, beantworte ihre Fragen und versuche die Kinder vermehrt zu beobachten. Dadurch erkennst, du wie sich die Gruppendynamik verändert, welche Kinder sich mit dem neuen Kind gut verstehen.


 

Wichtig bei Eltern:

 

Für die Eltern ist es häufig das erste Mal, dass ihr Kind fremd betreut wird und somit für den Zeitraum des Krippenbesuches eigene Wege geht.

  • Eltern erleben in dieser Übergangsphase oftmals eine Art Trennungsschmerz.
  • Eltern haben eine bestimmte Erwartungshaltung wie die optimale Betreuung für ihr Kind aussehen sollte.
  • Eltern müssen sich auf Veränderungen ihres Alltags einstellen und sich den Öffnungszeiten der Einrichtung anpassen. 

Diesbezüglich solltest du die Eltern auch überzeugen, dass sie den anstehenden Veränderungen ihres Lebens nicht machtlos ausgeliefert sind. Dies kann dir gut gelingen, wenn du sie über die Planung und Organisation informierst und auch involvierst. Wichtig dabei ist jedoch, dass du den Rahmen und deine Möglichkeiten vorgibst. Denn du bist die Fachkraft in deinem Gebiet. Auch solltest du folgende Fragen im Vorhinein klären:

  • Wie sollte mit Abschieden und den damit verbundenen Emotionen umgegangen werden?
  • Wie sollte reagiert werden, wenn das Kind sich nicht beruhigen lässt?
  • Welche Möglichkeiten bestehen von Seiten der Eltern, wenn die Eingewöhnung länger dauert als ursprünglich geplant?
  • Besteht die Möglichkeit Kindergartenrituale mit in den Familienalltag aufzunehmen?

 

Wichtig für die pädagogische Einrichtung:

 

Um die Eltern vorab zu informieren und in einem geeigneten Rahmen zu involvieren sollte einige Zeit vor dem Übergang eine Informationsveranstaltung angeboten werden. Dies kann in Form eines gemeinsamen Elternabends erfolgen. In diesem Setting haben die Eltern die Gelegenheit die zuständigen Pädagogen kennen zu lernen und etwas über den Übergang zu erfahren. Fragen wie:

 

  • Wie wird der Übergang in der Krippe begleitet? 
  • Wie erfolgt der Übergang ganz konkret? 
  • Wie sieht der neue Ablauf aus? 
  • Warum sind begleitete Übergänge für die Entwicklung von Kindern wichtig? 
  • Welche Fragen oder Sorgen beschäftigen die Eltern? 

 

werden auf der Info-Veranstaltung mit den Eltern besprochen. Auch ist es wichtig, die Rahmenbedingungen vorab zu klären. Nur wenn sich die Eltern mit dem pädagogischen Konzept der Einrichtung, den Schließzeiten und den allgemeinen Setting identifizieren können, kann die Eingewöhnung gelingen.

 

Das Thema Übergänge sollte auch in der Konzeption verankert sein. So können sich Eltern bereits vorab in der Konzeption informieren, wie die Übergänge von der Krippe in den Kindergarten oder vom Kindergarten in die Schule ablaufen. Dies erspart dir womöglich Diskussionen.

 

 

Wichtig für pädagogische Fachkräfte:

Nach einer allgemeinen Informationsveranstaltung kann auch ein persönliches Gespräch mit den jeweiligen Eltern und dir als zuständige Fachkraft angeboten werden. Hier kannst du die Erziehungsberechtigten ganz gezielt fragen:

 

  • Worin liegen die Stärken des Kindes ?
  • Welche besonderen Interessen hat das Kind? 
  • Stehen familiäre Veränderungen an?
  • Besteht die Möglichkeit, dass das Kind vor der Eingewöhnung an einem Schnuppertag teilnimmt?
  • Welche Rituale kennt das Kind?
  • Wie sieht es mit Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten aus?

 

Diese Informationen erleichtern dir die ersten Tage. Wenn das Interesse des Kindes beispielsweise bei Autos liegt, kannst du die ersten paar Tage der Eingewöhnung die Autokiste in den Fokus des Spiels setzen.

 

Wichtig: Private Details und Lebensgewohnheiten abzufragen kommt nicht bei allen Eltern gut an. Am besten du sagst dazu, dass es zum Gelingen des Überganges beiträgt, dass du diese privaten Informationen erhältst. Haben sich Eltern beispielsweise gerade getrennt, wird ein Kind sich wahrscheinlich anders verhalten als gewöhnlich.

 

Einen ausführlichen Fachtext zum Thema „Übergang Krippe Kita“ findest du auf auf der Homepage des Staatsinstituts für Frühpädagogik Bayern.

 

Wann wechselt ein Kind von der Krippe in den Kindergarten?

 

Die meisten Krippenkinder wechseln zu Beginn des Betreuungsjahres im September im Alter von 3 Jahren von der Krippe in den Kindergarten.

Es gibt aber auch Einrichtungen in denen es kein offizielles Übergangsdatum für den internen Wechsel gibt. Die zukünftigen Kindergartenkinder verbringen nach und nach mehr Zeit in ihrer zukünftigen Gruppe. Gemeinsam mit Pädagogen, Eltern und Kind wird dann entschieden, wann der tatsächlich finale Übergang stattfindet.

 

 

Was brauchen Kinder für einen gelingenden Übergang?

 

Der Übergang von der Krippe in den Kindergarten bedeutet für alle Kinder der Gruppe Abschied, Neubeginn und eine starke Umgewöhnung. In der Kindergartengruppe sind mehrere und ältere Kinder als in der Krippengruppe, was sich meist auch an der Lautstärke und der Dynamik des Spieles bemerkbar macht. Ein Übergang kann gelingen wenn du auf folgendes achtest:

 

  • Beziehe die Kinder aktiv mit (z.B. Kind darf sich sein neues Symbol an der Garderobe selbst aussuchen)
  • Das Kind sollte bereits Erfahrung in „Fremdbetreuung“ haben(z.B. bei Großeltern, Freunden)
  • Verständnis und Sicherheit von Eltern und Fachkraft 
  • Unterstützung geben in der Wahrnehmung und der Äußerung eigener Bedürfnisse und Gefühle 
  • Zeit und Geduld
  • Kontakt zu anderen Kindern aus der Gruppe 
  • klare Strukturen, an denen sich das Kind orientieren kann
  • einen geregelten Alltag mit Ritualen 
  • eine konstante Bezugsperson 

 

Ideen für Übergänge von der Krippe in den Kindergarten

 

Es gibt viele Methoden Übergänge „weicher“ zu gestalten und diese als Rituale in pädagogischen Alltag zu integrieren.

Im Folgenden findest du einige Beispiele und Ideen wie Übergänge von der Krippe in den Kindergarten erleichtert werden können.

 

Lieder:

 

  • Singe ein Begrüßungslied für das neue Kind
  • Erstelle eine Liste mit Liedern, die das Kind bereits kennt 
  • Studiere die Lieblingslieder des neuen Kindes vor dem Start der Eingewöhnung mit der bestehenden Kindergruppe ein

 

Rituale:

 

Rituale geben den Kindern Sicherheit, da sie sich stetig wiederholen. In Krippen und Kindergärten arbeiten Pädagogen mit unterschiedlichen Ritualen.

 

  • Portfolio-Ordner

Führe den bestehenden Portfolio-Ordner fort. Betrachte die ersten Tage gemeinsam mit dem neuen Kind seinen Portfolio Ordner. So findest du schnell ein Gesprächsthema, gibst dem Kind Sicherheit und baust gleichzeitig eine Beziehung zu ihm auf.

 

  • Bilderbuchbetrachtung

Es können Bücher während des Morgenkreises oder auch im Alltag angeschaut werden die den Abschied von der Krippe oder die Eingewöhnung in der Kita thematisieren. Du kannst durch die daraus entstehenden Gespräche eine Beziehung zwischen dir und dem Kind aufbauen.

 

  • Koffer packen

Alle persönlichen Gegenstände, die das Kind mitnehmen möchte wie Zahnbürste, Kuscheltuch, gesammelte Kostbarkeiten usw. werden in den Koffer gepackt. Den Koffer leert das Kind dann gemeinsam mit dir aus und es wird anschließend ein passender Platz für die Dinge gesucht.

 

 

Kinderpatenschaft

 

Meist haben die Vorschulkinder der Kindergartengruppe Lust darauf, die Patenschaft zu übernehmen. In Einrichtungen in denen sich Krippe und Kindergarten in einem Gebäude befinden können schon Wochen vor dem eigentlichen Übergang „Schnupperbesuche“ organisiert werden, sodass sich die Kinder gegenseitig kennen lernen können. Der Pate kann dem neuen Kind dann auch alles in den ersten Tagen zeigen.

 

Spiele

 

Spiele die sich besonders gut aufgrund der einfachen Umsetzung eignen sind Namenspiele. Die Kinder haben hier auch die Gelegenheit sich spielerisch kennen zu lernen.

 

Beispiel: Das Spiegelspiel

 

Materialien: ein kleiner Spiegel

Ein Kind geht mit einem Spiegel im Inneren eines Stuhlkreises, bleibt vor einem Kind stehen und hält den Spiegel so, dass sich das sitzende Kind darin sehen kann. Das Kind mit dem Spiegel in der Hand sagt: „Ich bin der … und wer bist du“? Das angesprochene Kind antwortet: „Ich bin die ….“, nimmt den Spiegel und führt das Spiel fort. Das andere Kind setzt sich auf den freigewordenen Platz.

 

Weitere Spiele, die sehr bekannt sind und sich gut dafür eignen sind: „Mein rechter, rechter Platz ist leer“ oder „Namen klatschen“.

 

Final ist zu erwähnen, dass Übergangsprozesse individuell und über einen längeren Zeitraum verlaufen. Im Idealfall beginnen lange vor der tatsächlichen Transition die Vorbereitungen.

Bild:

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Quellen:

Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz (2022): https://www.ifp.bayern.de/imperia/md/content/stmas/ifp/hintergrundinformationen_zum_verst__ndnis_von_transitionen.pdf

 

 

 

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