Pädagogische Grundhaltung nach Rogers

Der Satz „Die innere Haltung ist entscheidend“ wird in der Pädagogik und hinsichtlich der pädagogischen Grundhaltung oft verwendet. Auch Antworten wie: „Ich möchte Pädagoge werden, weil ich Kinder mag und gerne mit ihnen spiele.“ hast du sicherlich schon das ein oder andere Mal gehört. Das allein reicht als pädagogische Grundhaltung jedoch nicht aus.
In diesem Artikel erfährst du das Wichtigste über das Thema pädagogische Grundhaltung und erhältst Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Das Wichtigste vorab - Häufig gestellte Fragen zum Thema:

 

Warum ist die pädagogische Grundhaltung wichtig?

Deine pädagogische Grundhaltung beeinflusst die Entwicklung der Kinder und hat somit langfristige Auswirkungen auf ihr künftiges Leben.

Zudem erleichtert dir eine positive pädagogische Grundhaltung deinen pädagogischen Alltag. Durch Grundhaltungen wie Offenheit und Akzeptanz kann die Arbeit mehr Spaß machen und hilft, eine gute Beziehung zu den Kindern aufzubauen, was wiederum die Arbeit erleichtert.

Gut zu wissen: Kritik ist erlaubt, sollte jedoch sachlich formuliert sein. Ebenso ist es wichtig, dass sich das Team über die pädagogischen Grundhaltungen einig ist. Eltern sollten vor der Anmeldung ihres Kindes darüber informiert werden, welche pädagogischen Grundhaltungen in der Einrichtung verfolgt werden. Nur wenn alle Beteiligten sich einig sind, können gemeinsame Ziele verfolgt werden, und Meinungsverschiedenheiten über die pädagogische Arbeit vermieden werden.

 

Wie entsteht eine pädagogische Haltung?

Die Entwicklung einer pädagogischen Haltung ist eng mit bestimmten Werten, moralischen Überzeugungen verbunden. Diese entstehen und entwickeln sich aufgrund historischer, kultureller und gesellschaftlicher Prägungen sowie individueller Erfahrungen jedes Einzelnen.

 

Was macht eine pädagogische Haltung aus?

Eine pädagogische Haltung bildet das Fundament für dein Handeln als Fachkraft und umfasst eine Reihe von Einstellungen, Überzeugungen und Wertehaltungen. 

Deine pädagogische Haltung beeinflusst maßgelblich die Interaktion mit den Kindern und prägt die Herangehensweise an pädagogischen Zielen.

Es handelt sich dabei nicht um etwas, das man einfach lernen kann; vielmehr entwickelt sich die pädagogische Haltung im Laufe deines beruflichen Werdegangs weiter. Sie wird von persönlichen Erfahrungen, individuellen Werten, Interessen und professionellen Prinzipien geprägt.

 

Welchen Einfluss hat die pädagogische Grundhaltung auf die kindliche Entwicklung?

Kinder lernen von uns. Als Fachkraft fungierst du als Vorbild. Durch Nachahmung oder Imitation erwerben Kinder in ihrer Entwicklung verschiedene soziale, emotionale und kognitive Kompetenzen. Diese Fähigkeiten ermöglichen es langfristig das Leben eigenständig zu bewältigen.

 

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass pädagogischen Grundhaltungen in allen Bereichen der Erziehung gelten. Deine grundlegende Einstellung beeinflusst, wie gut die Arbeit in der Kita funktioniert.

 

Was versteht man unter einer pädagogischen Grundhaltung?


Die pädagogische Grundhaltung bezieht sich auf die grundlegende Einstellung und Überzeugung im Umgang mit Menschen, besonders mit Kindern. Es geht dabei um die Art und Weise, wie du mit den Kindern interagierst. Die pädagogische Grundhaltung umfasst Empathie, Akzeptanz, Transparenz, Partizipation, das Setzen von Grenzen und Motivation. Als Fachkraft wirst du in deiner Arbeit mit Kindern in diesen Bereichen herausgefordert.

 

Definition der pädagogische Grundhaltung nach Carl Rogers


Carl Rochers, ein amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut ging davon aus, dass jeder Mensch das Ziel hat sich selbst in seiner Identität und Persönlichkeit positiv und konstruktiv weiterzuentwickeln. Nach Rochers kann dieses Ziel durch Begegnungen mit anderen Menschen erreicht werden. Er stellte fest, dass die Problemlösung in der Psychotherapie erfolgt, wenn der Therapeut bestimmte Grundhaltungen berücksichtigt

 

Wenn man die Ansichten des Psychologen und Psychotherapeuten auf deine pädagogische Arbeit überträgt, bedeutet das, dass du im besten Fall Kinder begleitetest und idealerweise zu Wachstum und Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit und Identität anregst.

Laut Rochers ist es möglich, durch drei Grundhaltungen, dass Entfaltungspotenzial des Menschen zu stärken.

Die drei Pfeiler der pädagogischen Grundhaltung nach Rochers sind:

 

  • Kongruenz: Kann auch als Authentizität oder Echtheit definiert werden. Es bedeutet, dass du aufrichtig bist und deine Äußerungen mit deinen inneren Überzeugungen übereinstimmen.

 

  • Wertschätzung: Wertschätzung bedeutet, dass man den Wert und die Bedeutung einer Person oder einer Sache erkennt und respektiert. Es geht darum, Anerkennung und Respekt für das, was jemand tut oder wer jemand ist, auszudrücken. Für dich als Fachkraft ist es wichtig, Wertschätzung gegenüber den Kindern zu zeigen, um eine positive und unterstützende Umgebung zu schaffen.

 

  • Empathie: Empathie bedeutet, sich in die Gefühle und Perspektiven anderer Menschen einfühlen zu können. Es geht darum, die Emotionen und Bedürfnisse anderer zu verstehen und mitfühlend darauf zu reagieren. In der pädagogischen Arbeit ist Empathie wichtig, um eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern aufzubauen und ihre individuellen Bedürfnisse besser zu verstehen.

 

Welche pädagogischen Grundhaltungen gibt es?



Im Folgenden erfährst du wichtige Punkte von pädagogischen Grundhaltungen im Überblick:

  • Akzeptanz
    Akzeptanz ist bedingungslose Wertschätzung und bedeutet die Achtung des Menschen in seiner Persönlichkeit. Jeder Mensch wird wertgeschätzt und akzeptiert, genauso, wie er ist. Der Wert des Menschen ist also nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft. Ein Kind wird also beispielsweise nicht nur aufgrund einer bestimmten Verhaltensweise, wie zum Beispiel rücksichtsvollem Verhalten in der Gruppe, geschätzt, sondern als Person an sich
    Wichtig: Diese Grundhaltung ist besonders entscheidend, wenn du dich beispielsweise als Fachkraft über das Verhalten eines Kindes ärgerst. Versuche hier stets, das Verhalten des Kindes objektiv zu analysieren. Achte darauf, dass du es nicht anders behandelt als andere Kinder, nur weil du das Verhalten nicht verstehen kannst.
     
  • Empathie
    Bei Kindern ist es besonders wichtig, dass du ihre Gefühle und Bedürfnisse erkennst, verstehen kannst und sie ernst nimmst. Achte darauf, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Das bedeutet konkret, frage das Kind, warum es gerade weint. Versuche herauszufinden, was das Kind bereits an diesem Tag erlebt hat, damit du verstehen kannst, warum es sich so verhält. Das Kind merkt sehr schnell, dass es dir wichtig ist, sich um seine Bedürfnisse zu kümmern. Somit lernen die Kinder auch, die Bedürfnisse anderer Kinder in der Gruppe zu achten. Es geht darum, die Situation und somit das Handeln des Kindes zu verstehen.

  • Transparenz und Glaubwürdigkeit
    Transparenz bedeutet, dass du authentisch gegenüber Eltern, Kollegen und Kindern bist. Bei dieser Grundhaltung geht es um ein offenes Gegenübertreten, Ehrlichkeit und Echtheit. Du solltest stets deine ehrliche Meinung zum Ausdruck bringen und eine offene Haltung gegenüber den Kindern zeigen. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass eine Bindung zu dir als Fachkraft und den Kindern entstehen kann. Wenn du dich über das Verhalten eines Kindes ärgerst, versuche dem Kind mitzuteilen, dass du das nicht in Ordnung findest, anstatt der Mutter bei der Übergabe zu erzählen, dass alles in Ordnung war.

  • Motivation
    Versuche, die Kinder in deiner Gruppe dazu zu motivieren, etwas Neues auszuprobieren. Wichtig dabei ist, dass du die Kinder herausforderst und unterstützt, aber niemals überforderst. Das Ziel sollte sein, dass ein Kind von sich aus versucht, die Aufgabe zu lösen und nicht dir als Fachkraft zu gefallen.
     
  • Regeln und Strukturen
    Regeln und Strukturen geben den Kindern Sicherheit und Orientierung. Innerhalb eines strukturierten Tagesablaufs können sie experimentieren und Neues entdecken.

  • Partizipation
    Partizipation bedeutet, dass Kinder aktiv am Geschehen teilnehmen und ihre Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse äußern dürfen. Es geht darum, die Kinder in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, aktiv an ihrer Umgebung mitzugestalten. Partizipation fördert die Mitbestimmung und das Selbstbewusstsein der Kinder, indem sie sich als aktive Mitglieder der Gemeinschaft fühlen können.

    Wichtig: Nicht alle Entscheidungen dürfen von Kindern mitbestimmt werden, vor allem nicht, wenn es die Sicherheit und Gesundheit des Kindes gefährdet. Auch ist es schwierig von jüngeren Kindern Antworten zu erhalten. Dennoch solltest du die Kinder ermutigen sich aktiv am Gespräch zu beteiligen und ihre Meinung zu äußern.

     

Hier findest du konkrete Beispiele für pädagogische Grundhaltungen bzw. pädagogisches Handeln:

Wertschätzung: Du respektierst die kulturelle Vielfalt innerhalb deiner Gruppe, indem du beispielsweise die Feste verschiedener Kulturen im Jahresverlauf thematisieren. Lade Eltern der Kinder ein, die etwas über ihr Herkunftsland erzählen oder organisiere Feierlichkeiten wie ein Zuckerfest.

Kongruenz: Deine Kollegin unterstreicht kontinuierlich die Bedeutung von Teamarbeit, Absprachen und offener Kommunikation. Allerdings scheinen ihre Handlungen nicht mit diesen Überzeugungen übereinzustimmen, da sie wichtige Entscheidungen eigenständig trifft, ohne sich vorher mit dir abzusprechen. Dies wirft Fragen bezüglich der Kongruenz zwischen ihren Gedanken und ihrem Handeln auf.

Regeln und Strukturen: Die Regeln im Gruppenraum sind klar formuliert und durch Symboltafeln visualisiert, wodurch die Kinder genau wissen, was von ihnen erwartet wird. Auch du als Fachkraft setzt diese Regeln konsequent um.

Partizipation: Das Faschingsthema wird gemeinsam im Morgenkreis mit allen Kindern der Gruppe festgelegt. Dabei werden die Kinder nach ihren Wünschen befragt. Auch ich als Fachkraft bringe mögliche Mottos ein. Anhand von Bildern im Morgenkreis werden die verschiedenen Mottos präsentiert, und jedes Kind darf durch die Abgabe eines Muggelsteins seine Stimme für das bevorzugte Thema abgeben.

Transparenz und Glaubwürdigkeit: Ein Kind aus deiner Gruppe weigert sich, beim Aufräumen zu helfen und wirft dir aus Wut eine Puppe an den Kopf. Obwohl Wut in dir aufkommt, vermeidest du, das Kind anzuschreien. Gleichzeitig bist du dir bewusst, dass dieses unangemessene Verhalten nicht akzeptiert werden kann. In dieser Situation solltest du Transparenz zeigen. Teile dem Kind mit, dass sein Verhalten dir wehgetan hat und dass du so ein Verhalten nicht dulden kannst. Es ist wichtig, dem Kind gegenüber ehrlich zu sein und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Erkläre dem Kind, dass wir eine Lösung finden müssen, wie es sich für sein Verhalten entschuldigen kann. Bespreche auch wie das Kind seiner Wut umzugehen kann. In dieser Situation ist es wichtig authentisch zu bleiben und gleichzeitig konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten.

 

 


Ein Überblick an Fort- und Weiterbildungsthemen: 
Alles zum Thema Selbstreflexion 
Fortbildungen zum Thema Werte und Prinzipien
Alles zum Thema Kommunikation: aktives Zuhören, nonverbale Signale, konstruktive Gesprächsführung, Gewaltfreie Kommunikation usw.
Umgang mit kultureller Vielfalt und individuellen Bedürfnissen
Fortbildungen zum Thema Inklusion 
 

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