Gruppenleitung in Kita oder Krippe werden – alles, was du wissen musst!

 

„Für unsere dreigruppige Einrichtung in Berlin Mitte suchen wir ab sofort eine  engagierte Gruppenleitung“.

In den meisten Kitas und Krippen arbeiten mehrere Fachkräfte in einer Gruppe. Wieviele es genau sind, hängt vom jeweiligen Personalschlüssel, der Anzahl der zu betreuenden Kinder und deren Alter ab. Auch das jeweilige Konzept spielt eine große Rolle – Kitas mit einer offenen Konzeption verzichten häufig darauf Gruppenleitungen zu benennen. Erzieherinnen und Erzieher, die sich explizit auf eine Stelle als Gruppenleitung bewerben fragen sich aber verständlicherweise, welche Aufgaben auf sie zukommen und welche Erwartungen mit dieser Rolle seitens der Eltern, der Einrichtungsleitung, der Kollegen und des Trägers mit dieser Position verknüpft sind. Und dann ist da ja noch die Frage nach dem Gehalt als Gruppenleitung: Verdiene ich wirklich mehr, wenn ich als Gruppenleitung in einer Kita mehr Verantwortung übernehme?

Gibt es in jeder pädagogischen Einrichtung Gruppenleitungen?

Die Antwort lautet ganz klar: Nein!

In Kita-Gruppen können sehr unterschiedliche Kräfte eingesetzt werden. Erzieher, Sozial- und Kindheitspädagogen, aber auch Heilerziehungspfleger werden in der Regel als Fachkräfte angestellt. Daneben gibt es sogenannte Ergänzungskräfte: Diese können je nach Bundesland Kinderpfleger/innen bzw. Sozialassistenten sein, aber auch zum Beispiel Kinderkrankenpfleger/innen, Ergotherapeuten, Logopäden usw. Davon abgesehen arbeiten in vielen Kitas noch unterschiedliche Praktikanten, junge Leute, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, Zusatzkräfte für Einzelintegrationen usw.  

Ob der Träger explizit Gruppenleitungen benennt ist ihm selbst überlassen. Zwar muss in der Regel mindestens eine Fachkraft pro Gruppe angestellt sein, diese muss aber nicht offiziell auch Gruppenleitung heißen. Zwei Faktoren haben einen großen Einfluss darauf, ob eine Kita Gruppenleitungen benennt oder nicht: das Konzept, nach dem die pädagogische Arbeit ausgerichtet ist und die jeweiligen Kita-Gesetze der Länder. So beschäftigt NRW seine Regelgruppen schon seit mehreren Jahren bevorzugt mit zwei bis drei Fachkräften. Kinderpfleger/innen werden trotz Fachkräftemangel kaum noch eingestellt. In Bayern hingegen in der Betreuungsschlüssel ein anderer. Es werden keine Kinder unter drei Jahren in Kitas betreut und Kinderpfleger/innen sind nach wie vor ein fester Bestandteil eines jeden Kita-Teams.

Konkret bedeutet das: Wo Kinderpfleger/innen und Erzieher/innen ein Kleinteam bilden, werden die Fachkräfte auch häufiger offiziell als Gruppenleitung benannt. Arbeiten hingegen zwei Erzieher/innen in einer Gruppe verzichten viele Träger darauf. Insgesamt nimmt die Anzahl der offiziellen Gruppenleiter eher ab, weil viele Teams auf flache Hierarchien setzen und/oder Gruppen komplett aufgelöst haben und nach einem offenem Konzept arbeiten.

Welche Aufgaben übernimmt eine Gruppenleitung in Krippen oder Kitas?

Die Aufgaben einer Gruppenleitung in Krippen oder Kitas sind vielfältig. Als Gruppenleitung solltest du (natürlich in Absprache mit deinen Kollegen und gegebenenfalls der Leitung):

 

-          Eingewöhnungen koordinieren, durchführen und dokumentieren,

-          Elterngespräche führen,

-          Ansprechpartner/in für Kinder, Eltern und Kollegen sein,

-          Beobachtungen durchführen,

-          die Kinder deiner Gruppe fordern und fördern,

-          Entwicklungsprozesse begleiten,

-          dafür sorgen, dass das Material innerhalb der Gruppe anregend und interessant ist,

-          altersgerechte Angebote und Freispielanregungen entwickeln und durchführen,

-          Kleingruppen innerhalb der Gruppe fördern (z.B. die Vorschulkinder),

-          den Tag für die Kinder strukturieren, feste Rituale einführen, die Orientierung bieten,

-          dafür sorgen, dass das im Team erarbeitete Konzept umgesetzt wird,

-          Probleme und Konflikte gemeinsam mit den Kindern lösen,

-          hauptverantwortlich dafür sorgen, dass jedes Kind sein Portfolio erhält und mit gestalten kann,

-          situativ handeln und Ideen und Interessen der Kinder pädagogisch aufgreifen bzw. verarbeiten

-          Praktikanten anleiten,

-          dich bei Teamsitzungen konstruktiv einbringen,

-          Aufgaben innerhalb des Kleinteams delegieren und koordinieren,

-          dich selbst und dein pädagogisches Handeln immer wieder hinterfragen und reflektieren

 

Je nach Konzeption, Größe und Art der Einrichtung können natürlich noch weitere Aufgaben hinzu kommen.

 

Muss ich eine Fortbildung absolviert haben, um Gruppenleitung zu werden

Heute muss keine anerkannte Fachkraft mehr eine Fortbildung absolvieren um Gruppenleitung zu werden. Aufgrund des Fachkräftemangels in Krippen und Kitas sind die Träger froh, wenn sie jemanden finden der als Gruppenleitung Verantwortung übernehmen und sich einbringen möchte. Es gibt zwar Fortbildungen in diesem Bereich, aber ob diese wirklich notwendig und sinnvoll sind scheint fraglich. Wenn du die Stelle gewechselt oder gerade erst deine Ausbildung beendet hast lernst du sicher am meisten, wenn du eine Weile gemeinsam mit einer erfahrenen Kollegin zusammen arbeitest und dir alles zeigen und erklären lässt.

Wieviel Berufserfahrung sollte ich mitbringen um Gruppenleitung zu werden?

Es gibt kein Gesetz welches festlegt, dass nicht auch Berufsanfänger/innen eine Gruppenleitung übernehmen dürfen. Letztendlich entscheidet der Träger in Absprache mit der Einrichtungsleitung, wer für diese Position infrage kommt. Wichtiger als mehrere Jahre Berufserfahrung sind persönliche Qualifikationen wie pädagogisches Fachwissen, Kommunikationsfähigkeit, ein freundliches, aber selbstsicheres Auftreten, Kompromissfähigkeit und Belastbarkeit. Auch solltest du bereit sein dich regelmäßig fortzubilden. Davon abgesehen solltest du teamfähig sein und eng mit deinen Gruppenkollegen zusammenarbeiten. Es spricht nichts dagegen sich innerhalb der Gruppe anfallende Arbeiten aufzuteilen und alle mit einzubeziehen, wenn es darum geht Entscheidungen zu treffen. Die Möglichkeit zur Partizipation ist nicht nur für Kinder wichtig, um Wertschätzung zu erfahren, sondern auch für alle Mitarbeiter eines Teams.

Welches Gehalt bekomme ich als Gruppenleitung in einem Kindergarten?

Leider bekommen die meisten Gruppenleiter das gleiche Gehalt wie andere Fachkräfte, die keine Gruppenleitung übernommen haben. Zumindest im öffentlichen Dienst werden die meisten Erzieherinnen und Erzieher in die Tarifgruppe SuE 8a eingruppiert. Möglich wäre auch eine Eingruppierung in SuE 8b, wenn eine „schwierige fachliche Tätigkeit“ ausgeübt wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn es sich um eine integrative Gruppe handelt. [1] Private Träger können die Gehälter individueller gestalten. Wenn du dich bei einem freien Träger auf eine Stelle bewirbst, die explizit eine Gruppenleitung vorsieht, so lohnt es sich immer zu verhandeln und eigene Gehaltswünsche selbstbewusst anzugeben. Qualifizierte und engagierte Fachkräfte sind rar, die Arbeitsbedingungen nicht immer optimal. Immer mehr Träger versuchen daher finanzielle Anreize zu schaffen um gutes Personal zu gewinnen und zu halten.

Gibt es noch weitere Voraussetzungen um Gruppenleitung zu werden? Dürfen zum Beispiel auch Kinderpfleger/innen eine Gruppe leiten?

Die meisten Kita-Gesetze der einzelnen Bundesländer erwähnen nicht explizit, dass Gruppenleitungen bestimmte Qualifikationen nachweisen müssen. Es gibt jedoch Ausnahmen. So schließt Baden-Württemberg beispielsweise Ergänzungskräfte wie Kinderpfleger/innen von der Gruppenleitung aus.

In den Kita-Gesetzen der einzelnen Bundesländer kannst du nachlesen, ob für dein Land ähnliche Regelungen existieren. In der Praxis wird die Gruppenleitung allerdings ohnehin fast ausschließlich Erzieherinnen und Erziehern mit staatlicher Anerkennung oder pädagogischem Personal mit einem Hochschulabschluss übertragen. Die Entscheidung darüber, wer Gruppenleitung  wird, liegt aber bei Trägern und Einrichtungsleitung. Bevorzugt wird natürlich in der Regel Personal, welches schon länger in der Einrichtung arbeitet, über ein gewisses Maß an Berufserfahrung verfügt und in Vollzeit tätig ist, um verlässlich als Ansprechpartner/in für die Eltern und Kinder zur Verfügung zu stehen. Das gilt natürlich nur dann, wenn ausreichend Fachkräfte in einer Einrichtung arbeiten – oft haben die Einrichtungen wenig Auswahl und die Chance für Berufsanfänger und bisherige Zweit- oder Ergänzungskräfte auf eine Gruppenleitung in Krippe oder Kita erhöht sich.

 

 

[1] Schwierige fachliche Tätigkeiten sind z. B.

a) Tätigkeiten in Einrichtungen für behinderte Menschen im

Sinne des § 2 SGB IX und in psychiatrischen Kliniken,

b) alleinverantwortliche Betreuung von Gruppen z. B. in Rand-

zeiten,

c) Tätigkeiten in Integrationsgruppen (Erziehungsgruppen,

denen besondere Aufgaben in der gemeinsamen Förderung behinderter und nicht behinderter Kinder zugewiesen sind) mit einem Anteil von mindestens einem Drittel von behinderten Menschen im Sinne des § 2 SGB IX in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung,

d) Tätigkeiten in Gruppen von behinderten Menschen im Sinne des § 2 SGB IX oder in Gruppen von Kindern und Jugend- lichen mit wesentlichen Erziehungsschwierigkeiten,

e) Tätigkeiten in geschlossenen (gesicherten) Gruppen.

 

Quelle:

https://www.gew.de/

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