Interkulturelle Bildung und Erziehung im Kindergarten

In diesem Text erfährst du, was interkulturelle Erziehung ist, welche Leitmotive sie hat, welche Rahmenbedingungen es gibt und gezielte Angebote für dich selbst und Anregungen für deine pädagogische Arbeit.

Was ist interkulturelle Bildung und Erziehung und warum ist sie so wichtig?

Die Aktualität und Bedeutsamkeit der interkulturellen Bildung und Erziehung im Kindergarten beruht auf den gesellschaftlichen Veränderungen, die seit Jahrzehnten, aber besonders auch in den letzten Jahren geschehen sind. Aufgrund der stetig wachsenden Vielfalt, die einerseits durch die Arbeitsmigration, aber auch durch die Flüchtlingswellen entstanden sind, ist die Gesellschaft bunter geworden.

Die migrationsbedingte Multikulturalität begegnet uns selbstverständlich auch im Kindergarten. Hier treffen Kinder auf unterschiedliche Sprachen und Traditionen, aber auch auf verschiedene Kollektivgeschichten und Kulturen. Oft nehmen Kinder diese Unterschiede selbstverständlich wahr – dann ist es eben so, dass jemand eine andere Hautfarbe hat und eine andere Sprache mit seinen Eltern spricht. Aber: Unbegleitet und/oder unreflektiert kann sogar bereits im Kindergartenalter Ausgrenzung entstehen, da es ein natürlicher Prozess ist, sich in homogenen Gruppen zuzuordnen. Dieses Gruppengeschehen kann unbedeutend erscheinen, wenn die Jungs sich zu den Jungs gesellen und die Mädchen auch nur untereinander spielen, aber genauso kann es sein, dass Kinder aufgrund eines heterogenen Merkmals sich nicht einordnen lassen können und Ausgrenzung erfahren. Deswegen ist die Auseinandersetzung mit der interkulturellen Bildung und Erziehung besonders wichtig, denn so erhalten Pädagogen das nötige Wissen, um diesen Prozess professionell begleiten zu können.

Diversität und die Auseinandersetzung damit ist außerdem eine Chance, um voneinander zu lernen und zu einem friedlichen Zusammenleben zu gelangen.

Leitmotive in der interkulturellen Pädagogik

Leitmotiven einer interkulturellen Pädagogik sind die Anerkennung der Vielfalt und das Schaffen von Chancengleichheit. Dies bedeutet auch, dass ein treibendes Motiv die antirassistische Erziehung ist, da Rassismus eine Verletzung dieser Leitmotive darstellt. Dies bedeutet allerdings Reflexionsarbeit des Pädagogen. Die erziehende Person muss sich mit seiner eigenen Biografie auseinandersetzen und seine eigenen Werte und Normen hinterfragen. Selbstverständlichkeiten wie sie die meisten aus der Kindheit kennen, sind sprachlich eventuell nicht mehr korrekt. Als Beispiel kann da der „Hautfarbenstift“ genommen werden. Das zarte Rosa trifft bei so gut wie niemanden den natürlichen Hautton, dennoch hat sich der Name über Jahrzehnte etabliert. Heutzutage gibt es schöne Sets, die eine breite Vielfalt an Hautfarben darstellen und die sich gut in jeder Kita machen.

Rahmenbedingungen in der interkulturellen Pädagogik

Förderliche Rahmenbedingungen in der interkulturellen Bildungsarbeit sind Sprachförderprogramme, da Mehrsprachigkeit ein entscheidender Aspekt in der Überwindung von Barrieren ist. Sprachförderung beginnt zu Hause und wird in der Kita fortgesetzt. Manchmal spricht das Elternhaus allerdings kein Deutsch, weswegen es umso wichtiger ist, sprachfördernde Situationen im Kita-Alltag zu schaffen. Je nach Sozialraum kann es für eine Kita mehr oder weniger Arbeitsschwerpunkt sein. Im Bundesprogramm Sprach-Kitas können Kitas, für die es relevant ist, zusätzliche Mittel anfordern, um Sprachfachkräfte zu beschäftigen und Fachberatungen zu erhalten.

Weitere Bedingungen zur interkulturellen Bildung und Erziehung seitens des Gesetzgebers haben die Kultusminister im gemeinsamen Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen festgehalten. Darin wird von einer ganzheitlichen Förderung gesprochen, was auch die interkulturelle Bildung einschließt. Was dies bedeutet, hat jedes Bundesland für sich im Bildungsplan/-empfehlung festgehalten.

Angebote zur Kompetenzaneignung der Erzieher*innen

Damit interkulturelle Bildung und Erziehung im Kindergarten gelingen kann, müssen die (angehenden) Erzieher*innen unterschiedliche Kompetenzen mitbringen. Dazu zählen die Kommunikationsfähigkeit und Konfliktfähigkeit, aber auch grundlegende Eigenschaften wie Empathie, Selbstreflexion, Toleranz und Akzeptanz sowie Multiperspektivität. Damit interkulturelle Pädagogik gelingen kann, müssen die Erwachsenen ein Verständnis zu unterschiedlichen Perspektiven in der Gesellschaft haben, diese respektieren und dabei helfen, Vorurteile abzubauen.

Der Vielfaltsfächer

Der Vielfaltsfächer ist eine Methode in der Erwachsenenbildung, um das zu verdeutlichen, was eine Gemeinsamkeit dennoch für Unterschiede hervorbringen kann. Diese Übung soll das Auseinandersetzen mit der Bedeutung der interkulturellen Erziehung ermöglichen, die sich später auch auf die Arbeit mit Kindern übertragen lässt.

Fortbildungen

Durch ständige Weiterbildungen (=lebenslanges Lernen) können Erzieherinnen und Erzieher ihr Fachwissen vertiefen und zu neuen Kenntnissen gelangen. Diese Angebote regen im Kontext der interkulturellen Bildung zur Reflexion an, da ein Austausch mit anderen Teilnehmern neue Lebensrealitäten aufbringen kann. Dies können also Anlässe sein, in denen die eigene „Bubble“ verlassen wird.

 

Angebote im Kita-Alltag für eine interkulturelle Pädagogik

Interkultureller Kalender mit Infos zu Festen und Feiertagen der Weltreligionen

Die klassisch christlichen Feiertage sind bekannt, aber warum feiern wir sie? Und wann findet Ramadan und das Zuckerfest statt, was ist Pessach und Jom Kippur? In der interkulturellen Bildung und Erziehung finden auch solche Inhalte Platz. Während wir zu Weihnachten selbstverständlich frei haben, finden andere Feste nebenbei statt – mit einer guten Jahresplanung und der Berücksichtigung der vorhandenen Kulturen in der Kita werden diese Feste nicht vergessen und können als besonderes Highlight im Kita-Alltag integriert werden.

In unserem Online-Shop findest du dazu geeignetes Material, um dir das benötigte Wissen über Religionen anzueignen.

Begrüßungsrituale

Jede Kultur bringt auch andere Begrüßungsrituale mit. Welche Rituale gibt es in den Familien konkret? Wird die Hand gereicht oder doch eher Küsschen gegeben? Falls es stadtteilbedingt keine großen Unterschiede gibt, kann auch weltweit geschaut werden: Wie begrüßen sich die Menschen dieser Welt? Dies kann auch mit einem Länder/Kontinenten-Projekt in Verbindung gebracht werden.  Besonders geeignet ist hierfür ein Poster, welches zeigt, woher die Kita-Kinder kommen. 

Gleiche Merkmale finden

Mit einem spielerischen Vorgehen lassen sich auch bei den Kindern Gemeinsamkeiten finden. Ein Beispiel wäre eine abgewandelte Version vom Stopptanz – wenn die Musik stoppt, wird eine Eigenschaft angesagt (z.B. „Wer hat die gleiche Haarfarbe?“) und die Kinder müssen sich einen Partner suchen, der die gleiche Eigenschaft hat wie man selbst. Auf diese Gemeinsamkeit lassen sich auch wieder Unterschiede feststellen. (Gleiche Haarfarbe, aber nicht die gleiche Struktur, Länge etc.)

Interkulturelles Kochen und Backen

Kultur bedeutet auch Essen und Trinken. Lieblingsrezepte können in der Kita nachgekocht werden, unterschiedliche Speisen zu Festen mitgebracht werden. Vielleicht hat auch ein Elternteil Lust, für einen Vormittag in die Kita zu kommen und dieses besondere Ereignis mit einem Rezept aus der Kultur anzuleiten. Diese wertschätzende Haltung öffnet Türen, um in einen Austausch mit den Eltern zu gelangen. Erweitert lässt sich auch daraus ein großes Projekt gestalten – ein interkulturelles Kochbuch, welches auf die Kita abgestimmt ist.

Der Raum und die Ausstattung

Interkulturalität ist sichtbar und muss sichtbar gemacht werden. Der Raum als dritter Erzieher stellt viele Besonderheiten bereit, muss aber auch dementsprechend von den Pädagogen vorbereitet werden.

Dies beginnt bereits am Eingang der Kita, indem mit einem Plakat oder digital auf mehreren Sprachen gegrüßt wird.

Garderoben der Kinder sind mit ihren eigenen Fotos ausgestattet, damit die Kinder wissen, wo ihre Sachen hingehören – aber auch, damit sie sichtbar sind und wertgeschätzt werden.

Die Verkleidungsecke ist interkulturell sensibel gestaltet. Das bedeutet, dass einerseits keine Klischees bedient werden, aber dennoch Vielfalt erfahrbar ist. Wichtig ist, dass die Kinder diese Ecke aufgrund der anregende Gestaltung nutzen, denn in der Verkleidungsecke gibt es für die Fantasie keine Grenzen – hier kann jeder das sein, was er will.

Die Puppenecke stellt nicht nur die klassische Babypuppe bereit. Puppen gibt es in jeder erdenklichen Version – von Hautfarbe, Geschlecht bis Handicap ist alles erdenkliche erwerbbar und bestenfalls fühlt sich jedes Kind repräsentiert.

Die Leseecke ist mit Büchern bestückt, die Vielfalt darstellen und keine Vorurteile bedienen. Das bedeutet auch, dass ältere Bücher auf ihre Aktualität geprüft werden und gegebenenfalls unter ihren historischen Kontext beachtet werden und als Gesprächsanlass zur Aufklärung genutzt werden könnten.

Ein Angebot zum Thema Herkunft

in vielen Kindergärten herrscht eine große Vielfalt, was Sprachen und Kulturen angeht. In Städten und Ballungszentren gibt es heute zahlreiche Einrichtungen, die mehr Kinder mit Migrationshintergrund besuchen als solche, die keinen haben. Die Themen Toleranz und interkulturelle Kompetenz sollten daher ein wichtiger Bestandteil des täglichen Miteinanders sein und immer wieder aufgegriffen werden. In diesem Zusammenhang macht es zunächst Sinn den Kindern ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie groß unsere Welt ist und woher sie bzw. ihre Eltern stammen.

  • Alter: ab ca. 3 Jahren Gruppengröße
  • Kleingruppe, Großgruppe und/oder Einzelarbeit Material
  • Malvorlagen Nationalflaggen Europakarte/Weltkarte (preiswert und ohne Versandkosten zu bestellen über die Bundeszentrale für politische Bildung)
  • Bunt- oder Filzstifte
  • Reißzwecken 
  • Wolle

Die Kinder malen zunächst die Flaggen ihrer Herkunftsländer aus. Um herauszufinden, wie diese aussehen, kannst du Kinderlexika oder einen Atlas für Kinder zur Verfügung stellen. Auf einer großen Fläche an einer Wand in der Gruppe oder im Flur wird eine Welt- oder Europakarte aufgehängt und daneben bzw. darunter die Flaggen der Herkunftsländer der Kinder mit Migrationshintergrund. Die Flaggen kannst du mit Wollfäden mit den Hauptstädten der einzelnen Ländern verbinden. So bekommen Kinder und Eltern einen guten Überblick darüber, wie groß die kulturelle und sprachliche Vielfalt in ihrer Gruppe bzw. in der Einrichtung ist.

 

Wie du siehst: Interkulturelle Bildung und Erziehung ist ein riesiges Arbeitsfeld in der Frühpädagogik.  Damit sie in der Kita gelingen kann, ist viel Reflexionsarbeit notwendig und mit einem Bewusstsein über Gemeinsamkeiten und Unterschieden auf die Arbeit zu blicken. Sie ist aber auch eine Möglichkeit, um mehr voneinander zu erfahren und zu lernen sowie in den Dialog zu treten.


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