Fachartikel: Das Kleinkind und die Autonmomie- bzw. Trotzphase

Sie schmeißen sich auf den Boden, treten um sich, schreien, schlagen und sind kaum noch ansprechbar: Kinder in der Trotzphase bringen mit ihrem Verhalten ihre Bezugspersonen an den Rande der Verzweiflung.

Und trotzdem ist es es wichtig, dass sie diese Phase durchmachen, denn sie ist notwendig für die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen. Kinder in der Trotzphase entwickeln ein „Ich-Bewusstsein“ und beginnen sich von ihren Eltern zu lösen. Sie möchten die Welt um sich herum entdecken und verfolgen erstmals eigene Ziele. Die lassen sich jedoch nicht immer umsetzen. Die Kinder stoßen an ihre körperlichen Grenzen und werden mit Regeln, Verboten und Misserfolgen konfrontiert. Diese Erfahrungen lösen Frustration und Wut aus und da die Kinder in diesem Alter noch nicht gelernt haben, ihre Emotionen angemessen zu regulieren, schreien, treten und schlagen sie um sich.

Was ist die Trotzphase und wie lange dauert sie an?

Die Trotzphase beginnt bei den meisten Kindern im dritten Lebensjahr, bei einigen, abhängig von der Persönlichkeit des Kindes und dessen Sprachentwicklung, auch schon früher. In der Entwicklungspsychologie wird anstatt „Trotzphase“ der Begriff „Autonomiephase“ verwendet, da dieser nicht so negativ besetzt ist. Die Autonomiephase kann bis weit in das vierte Lebensjahr hinein andauern.

Diese Entwicklungsphase macht jeder Mensch in unterschiedlicher Ausprägung durch. Sie dient dazu, Selbstbewusstsein zu entwickeln und die individuelle Persönlichkeitsentwicklung voranzubringen. Gleichzeitig lernt ein Kind Strategien, um mit Frust und negativen Gefühlen umzugehen.

Anzeige

 

Wie kommt es zur Entstehung der Trotzphase?

Voraussetzung für die Entstehung der Trotzphase ist der Wunsch des Kindes unabhängig von seinen Eltern seine Umwelt zu entdecken und eigene Ziele zu verfolgen. Damit dies gelingen kann, muss die motorische Entwicklung so weit fortgeschritten sein, dass diese dem Kind erlaubt seinen Explorationsradius zu erweitern. Dies ist meist der Fall, wenn es gelernt hat zu laufen. Auch die Sprachentwicklung hat Einfluss auf das wachsende Autonomiebestreben des Kindes. Gegen Ende des zweiten Lebensjahres verfügt es bereits über einen beträchtlichen Wortschatz und kann seinen Bezugspersonen seine Bedürfnisse und Wünsche immer klarer mitteilen. Trotzdem kommt es noch zu Missverständnissen, die Erwachsenen verstehen nicht immer sofort, was das Kind will.

Andererseits sind sie nicht immer bereit dem Kind sofort die gewünschte Aufmerksamkeit zu widmen. Es wird aufgefordert zu warten oder ihm werden seine Wünsche nicht gewährt (aus pädagogischen, organisatorischen, sicherheitstechnische oder anderen Gründen). Mit diesem „Nein“ kann das Kind in diesem Alter nur schwer umgehen, weil es die Entscheidungen seiner Eltern noch nicht verstehen und nachvollziehen kann. Das führt zu Frust. Ähnlich reagiert ein Kind, wenn es an seine körperlichen und kognitiven Grenzen stößt, es beispielweise noch nicht alleine auf ein Klettergerüst klettern kann oder es ihm nicht gelingt bei einem Geschicklichkeitsspiel die richtige Lösung zu finden. All diese Faktoren können dazu führen, dass das Kind Grenzerfahrungen macht. Diese Erfahrungen empfindet es als negativ und reagiert wie bereits beschrieben. Es wird von seiner Wut regelrecht übermannt und muss diese deutlich zeigen. Manche Kinder steigern sich so in ihre Gefühle hinein, dass ihr ganzer Körper verkrampft. Doch keine Sorge: Derartige Reaktionen sind nicht gefährlich und das Kind trägt keine bleibenden Schäden davon.


Was können pädagogische Fachkräfte tun, wenn Kinder trotzen?

  • Viele Kinder sind nicht mehr ansprechbar, wenn sie sich in Rage geschrien haben. Sie sollten dann die Möglichkeit haben sich zu beruhigen- vorher hat es in der Regel wenig Sinn das Problem lösen zu wollen.

  • Es ist wichtig Kindern zu entwickeln, dass es keine „schlechten“ Gefühle gibt. Emotionen dürfen und sollen gezeigt werden, allerdings kommt es auf die Art und Weise an, wie dies geschieht.

  • Kinder müssen erst lernen, im Affekt nicht zu treten, zu schlagen oder zu beißen. Erst wenn sie sich besser ausdrücken können und verstehen, dass sie mit ihrem Verhalten anderen Schmerzen zufügen, sind sie in der Lage Konflikte verbal zu lösen.

  • Ganz gleich wie heftig ein Kind tobt, schimpft und schreit: Pädagogische Fachkräfte dürfen diese Reaktion nicht persönlich nehmen oder auf sich beziehen. Das Kind ist wütend auf die Situation oder auf sich selbst und hat hinterher häufig ein schlechtes Gewissen. Daher ist es wichtig ihm zu zeigen, dass es nach wie vor geliebt und angenommen wird, wenn es sich beruhigt hat. Erzieher sollten sich niemals nachtragend zeigen.

  • Viele Kinder brauchen Hilfestellungen wenn es darum geht, Ihnen Möglichkeiten der Emotionsregulation aufzuzeigen. Vor allem Jungen hilft es oft, wenn sie ihre Wut an Kissen abreagieren dürfen oder ihren Frust in Bewegung umsetzen können. Mädchen suchen eher Trost und liebevolle Zuwendung, vor allem dann, wenn die Wut von Traurigkeit abgelöst wird.

  • Klare Regeln sind wichtig für Kinder, weil sie Sicherheit und Orientierung bieten. Gerade wenn es gefährlich wird, können Kinder ihr Handeln noch nicht richtig einschätzen. Daher sollten Pädagogen sich kein schlechtes Gewissen machen lassen, wenn sie sich nicht auf Diskussionen einlassen. Lautes Geschrei und Wutreaktionen werden von Kindern gerne als Druckmittel eingesetzt, wenn sie Aussicht auf Erfolg wittern.

  • Kinder zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr möchten zeigen, wie selbstständig sie schon sind. Wenn man ihnen die Schuhe anzieht, obwohl sie dies doch schon selbst können, kommt es häufig zu lautstarken Protestaktionen. Daher ist es sinnvoll, im (Krippen-)Alltag viel Zeit für Aktionen einzuplanen, in denen die Kinder selbst aktiv werden dürfen. So wird zudem ganz nebenbei ihr Selbstbewusstsein gestärkt.

  • Wenn ein sehr emotionales Kind es geschafft hat, sich selbst schnell wieder zu beruhigen oder seine Wut an Kissen und nicht an anderen Kindern auszulassen, so sollte es unbedingt gelobt werden. Es hat dann einen wichtigen Entwicklungsfortschritt gemacht und ist auf einem sehr guten Weg, seine sozialen und emotionalen Kompetenzen zu verbessern. Das wiederum wirkt sich auch positiv auf sein Selbstbewusstsein sein aus.

  • Gesprächskreise zu Gefühlen und den Möglichkeiten, Gefühle zu äußern ohne anderen weh zu tun, sind einsichtiger Beitrag um Kinder in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung zu unterstützen. Dabei hilft es auch, aktiv Wortschatzarbeit zu leisten. Bilderbücher, in denen es um Emotionen und den Umgang damit geht, können diesbezüglich sehr hilfreich sein. Je besser sich ein Kind verbal ausdrücken kann, desto eher wird es verstanden. Emotional kompetente Kinder tun sich beim Lernen leichter, können Freundschaften schließen und pflegen und sind deutlich seltener in Konflikte verwickelt als andere Kinder.

.

Produktempfehlungen aus unserem Shop


Ihre Anmeldung konnte nicht validiert werden.
Ihre Anmeldung war erfolgreich.

Kita-Newsletter + Praxismaterial

Melde dich jetzt für unseren kostenlosen Kita-Newsletter an und du bekommst 1x im Monat: Aktuelle Fachtexte Leitfäden, Praxismaterial und News. Unbeschränkten Zugriff auf unseren Praxismaterial Downloadbereich und Informationen zu unserem Kita-Quiz und Gewinnspielen.

Wir geben deine E-Mail-Adresse nicht weiter. Du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Mehr dazu in unseren Versand-, Analyse-, Datenschutz- und Widerrufshinweisen.