Männer in Kitas – Ein Gewinn für Kinder, Eltern und Team?!

Hast du dir schon einmal die Frage gestellt, warum es immer noch so schwierig ist, Männer für die Arbeit in Kitas zu gewinnen? Der Verdienst kann nicht der Grund sein, denn es gibt viele Jobs, die schlechter bezahlt werden. Doch was ist es sonst, was den verschwinden geringen Männeranteil in Kitas ausmacht?

 Wir sind ein paar Fragen auf den Grund gegangen …

„Ach herrje, wir haben die Bewerbung eines Mannes.“ So oder ähnlich hört man es immer noch oft, wenn sich Männer für den Erzieherberuf in Krippe und Kindergarten interessieren. Doch was bedeutet dieses „Ach herrje“ eigentlich? Freuen sich die Kolleginnen darauf, mit einem Mann auch einen anderen Blickwinkel auf verschiedene Bereiche zu bekommen? Erwarten Sie vom männlichen Erzieher, dass er Hausmeisterarbeiten übernimmt? Haben sie Sorge, ihm Kinder zum Wickeln anzuvertrauen? Und was ist die elterliche Sicht auf Männer in Kitas? Was sagen die Männer selbst? Wir haben uns mit diesem Thema beschäftigt und einen männlichen Erzieher zu Wort kommen lassen.

 

Welche Vor- und Nachteile hat es, einen Mann in der Kita zu haben?

Wie in vielen anderen Bereichen auch, hat jede Medaille zwei Seiten. Für einen Mann bedeutet die Arbeit in der Kita zuallererst einmal, dass er sich in einer Minderheit befindet. Das wird ihm oft ziemlich schnell bewusst, wenn es um Entscheidungsfindungen und die Organisation des Alltags geht. Männer denken oft pragmatisch, diskutieren nicht jeden Punkt bis ins kleinste Detail – sie werden lieber aktiv. Bei einem Team, in dem viele Frauen (unter Umständen bereits seit vielen Jahren) zusammenarbeiten, gehen Diskussionen oft ins Unermessliche. Und das wird für den Mann im Team dann oft schwierig. Vor allem wird er die Situation nicht verstehen, geschweige denn nachvollziehen können. Wenn sich die Kolleginnen also auf die Meinung des männlichen Teammitgliedes verlassen, kann dies besonders für die Arbeit im Team sehr fruchtbar sein. Was nicht geschehen sollte, leider aber immer wieder vorkommt ist, dass es Kolleginnen gibt (meist sind es etwas ältere Damen), die den Mann nicht als professionellen Kollegen wahrnehmen, sondern seine Dienste eher als „Hausmeister“ nutzen. Da muss eine Glühbirne ausgetauscht werden, der Wasserhahn leckt, die Tür schließt nicht richtig: Wie gut, wenn ein Mann im Haus ist. Hier gilt es jedoch auch von Seiten der Kita-Leitung klare Regeln festzulegen. Der Mann im Team trägt natürlich ebenso Verantwortung für die Einrichtung, wie die Frauen. Aber speziell als Kollegin solltest du dich immer zuerst fragen: Würde ich mir diese Aufgabe zutrauen, wenn mein Kollege nicht hier wäre? Kannst du diese Frage verneinen, dann ist der erste Weg der zum Telefon, um einen Handwerker zu konsultieren. Letztlich wird euer Team in erster Linie von einem männlichen Kollegen profitieren. Männer gehen oft mit einem anderen Blickwinkel an die Arbeit. Sie interessieren sich in der Regel für andere Themen, als Frauen und erweitern dadurch auch das Spektrum der Möglichkeiten für alle Kinder. Zugleich bieten sie besonders den Kindern, die bei alleinerziehenden Müttern aufwachsen, die Chance, mit einer männlichen Bezugsperson aufzuwachsen und sich mit ihr auseinanderzusetzen.

 

Hier kommen einige männliche Erzieher zu Wort die ihre Berufswahl nicht bereuen und erläutern, warum sie gerne mit Kindern arbeiten und welche Vorteile männliche Bezugspersonen für Kinder haben

 

 

 

 

Was sagt eigentlich die Statistik?

Bei den letzten Erhebungen zum Männeranteil in Kitas aus dem Jahr 2015 waren in Kinderkrippen und Kindergärten gerade einmal 2,4 Prozent der pädagogischen Fachkräfte männlich. Somit kann man von Stagnation sprechen, denn bei den Erhebungen in den Jahren 2008/2009 waren die Zahlen praktisch identisch.

Da ist es kaum verwunderlich, dass sich Kita-Leitungen viel mehr männliche Erzieher wünschen. Das geht aus der Erhebung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hervor. Bei der Befragung nannten immerhin 77% der Leitungskräfte und 75% der Trägerverantwortlichen die Erhöhung des Männeranteils in der Elementarpädagogik als bedeutsam. Demgegenüber standen 56% der Elternschaft, die sich dafür aussprachen, ihre Kinder von Männern und Frauen betreuen zu lassen. Die Kampagne „Männer in die Kita“ soll dabei helfen, Vorurteile abzubauen, Gemeinsamkeit zu schaffen und letztendlich diejenigen profitieren zu lassen, auf die es ankommt: Die Kinder.

 

Was ist denn die Koordinationsstelle „Männer in Kitas“?

 Seit 2010 sorgt die Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ für einen regen Austausch zwischen interessierten Männern und der (Fach)Öffentlichkeit. Dabei stellen sie nicht nur neue Forschungsergebnisse zur Verfügung, sondern erklären auch zentrale Themen der sozialpädagogischen Arbeit im Elementarbereich. Immerhin werden Erzieher in Horten für fast selbstverständlich erachtet, in der Kita hingegen sind sie immer noch eine verschwindend geringe Minderheit. Hier greift die Koordinationsstelle ein und kümmert sich um bessere Vernetzung einzelner Gesprächspartner und bietet für alle Interessierten vielfältiges Informationsmaterial an. Außerdem findet ihr hier Ansprechpartner für die Chance zum Quereinstieg und zum Modellprojekt „Mehr Männer in Kitas“.

 

Was hat es mit dem Modellprojekt „Mehr Männer in Kitas auf sich?“

In den Jahren 2011 bis 2013 haben sich insgesamt 1.300 Kitas in 13 Bundesländern dafür eingesetzt, mehr Erzieher für die Arbeit in der Kita zu gewinnen. Die Koordinierungsstelle „Männer in Kitas“ hat dieses Modellprojekt begleitet und wichtige Eckpunkte für die Öffentlichkeit zusammengetragen: Dabei wird deutlich, dass Männer sich eher selten schon während der Schulzeit für den Erzieherberuf entscheiden. Vielmehr ist der „Umweg“ über eine komplett fachfremde Ausbildung keine Seltenheit. Auch die Zivildienstleistenden bilden einen größeren Anteil an den Männern, die sich hinterher für die Arbeit in der Kita entscheiden. Demnach gilt, dass Einrichtungen sich für neue Felder öffnen sollten und Träger den Weg zur Berufsberatung gehen müssten, um auf sich aufmerksam zu machen. Nur wer gesehen wird, wird auch erkannt. Und nur wer erkannt wird, wird genutzt.

 

Wie kann man sich gegen den Generalverdacht zur Wehr setzen?

Im Prinzip haben Männer nur eine Chance: Sie müssen sich das Vertrauen von Eltern und Kindern erarbeiten. Dies geschieht in erster Linie dadurch, dass sie sich von Anfang an offen geben. Sobald du, als Mann, bemerkst, dass Eltern zurückhaltend reagieren, sprich sie an. Dazu solltest du auch mit deiner Leitung sprechen und sie um Unterstützung bitten. Immerhin sollte eines nicht außer Acht gelassen werden: Die meisten Übergriffe auf Kinder passieren im familiären Umfeld. Sofern Eltern dich also unter Generalverdacht stellen, musst du und dein Team entsprechend reagieren. Nichts ist schlimmer als unausgesprochene Unterstellungen. Trotzdem muss jede Leiterin/ jeder Leiter und auch die Trägervertreter für den Schutz von Kindern sorgen. Das und letztlich nur das ist Aufgabe einer jeden Kita: Den Kindern einen Raum zu bieten, an dem sie sich gewaltfrei und ohne Angst bewegen können. Damit die Kinder sich entsprechend wohlfühlen können, braucht es das Vertrauen der Eltern. Deren Gedanken übertragen sich nämlich automatisch auf die Kinder. Schafft ihr Vertrauen durch Offenheit, profitieren alle vom Mann in der Kita.

´

Produktempfehlungen aus unserem Shop


Ihre Anmeldung konnte nicht validiert werden.
Ihre Anmeldung war erfolgreich.

Kita-Newsletter + Praxismaterial

Melde dich jetzt für unseren kostenlosen Kita-Newsletter an und du bekommst 1x im Monat: Aktuelle Fachtexte Leitfäden, Praxismaterial und News. Unbeschränkten Zugriff auf unseren Praxismaterial Downloadbereich und Informationen zu unserem Kita-Quiz und Gewinnspielen.

Wir geben deine E-Mail-Adresse nicht weiter. Du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Mehr dazu in unseren Versand-, Analyse-, Datenschutz- und Widerrufshinweisen.