Der Situationsansatz im Kindergarten und in der Kita - Die 16 Punkte der 5 Dimensionen

Vermutlich kursieren über keinen pädagogischen Ansatz mehr falsche Vorstellungen, als über den Situationsansatz. Um mit einem besonderen Vorurteil von Vornherein aufzuräumen:

Der Situationsorientierte Ansatz hat nichts mit Laissez-faire zu tun und noch weniger damit, dass man im Situationsansatz nichts planen oder organisieren muss.

 

Der Situationsansatz bietet jedoch eine ungeheuer große Chance, jedem einzelnen Kind, in all seinen Besonderheiten und Bedürfnissen gerecht zu werden. Dafür verlangt diese Arbeit von den pädagogischen Fachkräften besondere Disziplin und Freude an Partizipation.

 

Die fünf theoretischen Dimensionen des Situationsansatzes: Der Ursprung aller Arbeit

 

1.)    Lebensweltorientierung

Die Lebenswelt eines Kindes, sprich, die Familienstruktur, der Alltag und die damit verbundenen Bezugspersonen, beeinflussen die Entwicklung eines Kindes. Doch es ist vor allem die Art und Weise, wie ein Kind seine Lebenswelt wahrnimmt, wie es sie „fühlt“, was die Entwicklung beeinflusst. Demnach können wir, als pädagogische Fachkräfte sehr wohl die äußeren Lebensumstände eines Kindes wahrnehmen, nicht jedoch erfassen, wie das Kind sich dabei fühlt.

Es ist beispielsweise durchaus möglich, dass ein Kind, das in sozial schwachen Verhältnissen aufwächst, viel mehr Geborgenheit und Zuwendung erfährt, als ein Kind, dessen Umfeld ihm gute wirtschaftliche Bedingungen bietet. Was nützt eine gute Finanzsituation, wenn das Kind dafür wochenlang seinen Vater (oder die Mutter) nicht sieht, weil sie im Ausland arbeiten? Wie geht ein Kind mit einer Trennungssituation um? Nicht alle Kinder „leiden gleich“.

Damit man sich an der Lebenswelt eines Kindes orientieren kann, muss man mit den Kindern ins Gespräch kommen, sich für ihre Gedanken und Gefühle interessieren und das ganz ernsthaft. Kinder spüren schnell, wenn wir Erwachsenen etwas tun, weil es eben getan werden muss. Ein Gespräch, das ernsthaftes Interesse deutlich macht, wird dem Kind helfen, sich weiterzuentwickeln und Vertrauen in uns, als seine außerfamiliären Bezugspersonen zu fassen.

 

2. Bildung

Die zweite theoretische Dimension im Situationsansatz meint nicht in erster Linie das, was wir im Allgemeinen unter Bildung – nämlich der Allgemeinbildung – verstehen, sondern vielmehr Bildung in unterschiedlichen Bereichen. In der Kindertagesstätte bilden sich junge Menschen zu einer Gruppe, sie erfahren hier, wie eine Gesellschaft funktioniert. Somit bildet sich das Kind weit mehr, als nur mit Wissen. Es bildet auch jede Menge Sozialkompetenz, mit der es später einmal unsere Gesellschaft mitgestaltet.

Nutzen wir als, Sita-Erzieher also die Chance, Kindern Bildung in allen Bereichen zu ermöglichen, indem wir mit ihnen den Alltag gestalten, Projektarbeiten angehen und Spielmaterialen und Räume so zusammenstellen, dass sie den Kindern bestmögliche Lernchancen ermöglichen.

 

3. Partizipation

Wer sich an der Lebenswelt eines Kindes orientiert und so arbeiten möchte, kommt nicht umhin, dem Kind auf Augenhöhe zu begegnen. Nur, wer diese Einstellung vertritt, kann Kinder ernsthaft beteiligen und ihnen die Möglichkeit geben, sich ernst genommen zu fühlen. Partizipation soll eben nicht als schöner Schlüsselbegriff im pädagogischen Jargon benutzt werden, sondern Kindern ermöglichen, Ihr Lernen aktiv mitzugestalten. Dabei gilt es einzuplanen, dass Partizipation nur gelingen kann, wenn Demokratie herrscht und Gleichberechtigung an erster Stelle steht.

Für die alltägliche Arbeit bedeutet das, dass beispielsweise bei Abstimmungen während einer Kinderkonferenz die Stimme der Erzieherin so viel zählt, wie die eines Kindes. Demnach gilt es vorab genau abzuwägen, auf welche Ergebnisse man sich als pädagogische Fachkraft einlassen kann und darf. Daher müssen wir uns vorher immer genau überlegen, wie wir eine Abstimmung mit den Kindern gestalten, welche Vorgaben, zur Sicherheit der Kinder, es geben muss und wo durch Bestimmungen und Vorlagen, Grenzen gegeben sind. Ebendiese Grenzen müssen auch den Kindern erklärt und verdeutlicht werden, sodass sie Entscheidungen verstehen und nachvollziehen können.

Einrichtungen, die Partizipation aus Überzeugung leben, sind Einrichtungen, die Kinder zu sozial starken Persönlichkeiten entwickeln.

 

4. Gleichheit und Differenzierung

Bei aller Demokratie gilt es immer auch die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse von Kindern im Auge zu behalten.

Ein Kind, das im Rollstuhl sitzt wird sich an dem neuen Fußballtor der Einrichtung kaum erfreuen. Das ist der erste Gedanke, doch dann gilt die Überlegung, ob man Voraussetzungen schaffen kann, die auch dem behinderten Kind ermöglichen, das neue Spielgerät zu nutzen. Dabei muss man auf die besonderen Voraussetzungen des Kindes achten.

Alltäglich gibt es Aushandlungsprozesse in der Kita und immer treffen Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen aufeinander: ältere und jüngere Kinder, aufbrausende und zurückhaltende Kinder, Kinder und ErzieherInnen, Eltern und ErzieherInnen, Mitarbeiter der Kita untereinander, …

Nicht immer schafft man es in der konkreten Situation die persönlichen Voraussetzungen des Gegenübers zu berücksichtigen. Umso wichtiger wird dann die Reflexion eines Gespräches oder einer Aushandlung, um die gemeinsamen Ziele sinnvoll zu gestalten.

Letztlich ist es wichtig, allen Kindern, egal welche Voraussetzungen sie mitbringen, die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen.

 

5. Einheit von Inhalt und Form

Kitas, die den Situationsorientierten Ansatz leben, sind Einrichtungen, die sich immer wieder hinterfragen, in vielen Rechercheaufgaben und Interviews das Interesse ihrer Umgebung wahrnehmen und sich in den verschiedenen Situationen immer weiterentwickeln. Dabei geht es darum, sich nicht allein auf die pädagogische Arbeit einzustellen, sondern vielmehr eine Symbiose aus Einrichtungsstruktur, Raumnutzung, Finanzsituation, Kooperationen im Team, mit außenstehenden Personen, den Eltern, dem Träger und dem Umfeld sowie der wichtigen pädagogischen Arbeit zu finden und diese in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Mit der Ankunft neuer Kinder und Familien in der Kita verändern sich oft auch die Ansprüche und daher kann eine Kita nie eingefahren und festgelegt einem schriftlich fixierten Konzept nachhetzen, sondern es muss vielmehr eine permanente Weiterentwicklung stattfinden. Dies wird auch erkennbar durch Fort- und Weiterbildungen einzelner Mitarbeiter und des Teams, veränderbare Raumstrukturen und viele weitere Faktoren, die in der täglichen Arbeit eine Rolle spielen.

 

Neben den fünf theoretischen Dimensionen des Situationsansatzes, sind es vor allem die 16 Grundsätze, die pädagogische Fachkräfte in ihrer täglichen Arbeit einsetzen und verinnerlichen müssen.

 

1.)    Die pädagogische Arbeit geht von den sozialen und kulturellen Lebenssituationen der Kinder aus.

Alle Erfahrungen, die die Kinder in ihrem räumlichen und familiären Umfeld machen werden von den Erzieherinnen in Kooperation mit Eltern und anderen Bezugspersonen analysiert. Dabei stehen immer die Erfahrungen der Kinder, ihre Einschätzungen, Fragen und Antworten im Mittelpunkt. Es werden sowohl die Situationen wahrgenommen, mit denen die Kinder sich aktuell beschäftigen (zum Beispiel: Geburt eines Geschwisterkindes, …) als auch die, die für die Entwicklung von Kindern in der Gesellschaft eine Rolle spielen. (z.B. Vom Arzt festgestellte Fehlhaltung, etc.)

 

2.)    Erzieherinnen finden im kontinuierlichen Diskurs mit Kindern, Eltern und anderen Erwachsenen heraus, was Schlüsselsituationen im Leben der Kinder sind

Schlüsselsituationen im Leben von Kindern sind vielfältig. Erzieherinnen arbeiten mit Eltern und anderen Bezugspersonen eng zusammen, um die Lebenssituationen von Kindern zu verstehen. Dabei setzen sie sich auch immer wieder direkt mit dem Kind auseinander, um zu erfahren, wie das Kind seine Situation wahrnimmt. Anhand dieser Schlüsselsituationen ermöglichen Erzieherinnen dem Kind exemplarisch Situationen zu verstehen, indem sie mit den Kindern Handlungsweisen ausprobieren, um so Kenntnisse und Fähigkeiten zur Bewältigung zu erwerben.

 

3.)    Erzieherinnen analysieren, was Kinder können und wissen und was sie erfahren wollen. Sie eröffnen ihnen Zugänge zu Wissen und Erfahrungen in realen Lebenssituationen.

Durch konkrete Beobachtungssituationen finden die Erzieherinnen heraus, was Kinder gerade bewegt und welche Interessen sie zeigen. Anhand dieser Beobachtungen schaffen sie eine Lernkultur, die Anregungen bietet und Neugier weckt und so die Lust der Kinder am Entdecken und Erforschen wachhält. Dabei achten die Erzieherinnen darauf, den Kindern Lernorte sowohl in der Kita als auch außerhalb zu ermöglichen. (z.B. Kinder werden dabei beobachtet, wie sie „Einkaufen“ spielen. Die Erzieherin kommt mit den Kindern ins Gespräch, stellt Spielgeld für den Kita-Alltag zur Verfügung, indem sie mit den Kindern zur Bank geht und dort nachfragt oder selbst mit den Kindern ihr „Kita-Geld“ bastelt. Im nächsten Schritt plant und unternimmt sie mit den Kindern einen Einkaufsbummel.)

 

4.)    Erzieherinnen unterstützen Mädchen und Jungen in ihrer geschlechtsspezifischen Identitätsentwicklung und wenden sich gegen stereotype Rollenzuweisungen und -übernahmen.

Erzieherinnen beobachten und reflektieren ihr eigenes Rollenbild immer wieder und achten darauf, keine stereotypen Rollenzuweisungen zu geben. (z.B. Jungen und Mädchen sind gleichermaßen für die Spülmaschine zuständig. Der Spieltrieb mit den Rennautos bei Mädchen wird ebenso gefördert, wie bei Jungen). Gleichzeitig ermöglichen die Erzieherinnen Kindern, sich in ihren geschlechtsspezifischen Rollen zu entwickeln und sich zu identifizieren. Dabei dürfen die Jungen auch einmal „wilde Kämpfe“ unternehmen und die Mädchen „Glitzerkronen“ basteln.

 

5.)    Erzieherinnen unterstützen Kinder, ihre Fantasie und ihre schöpferischen Kräfte im Spiel zu entfalten und sich die Welt in der ihrer Entwicklung gemäßen Weise anzueignen.

Oft bewegt Kinder ein bestimmtes Thema aus ihrer Lebenswirklichkeit. Darauf achten Erzieherinnen und ermöglichen den Kindern, die Auseinandersetzung damit. Dafür ist es wichtig, unterschiedlichste Materialien (keine teuren, vorgefertigten Spielmaterialien, sondern vielmehr anregungsreiches Alltagsmaterial) zur Verfügung zu stellen, das die Kinder nutzen können. Dabei nutzt die Erzieherin die Spielsituation für ihre Beobachtungen, um immer wieder aufs Neue zu erfahren, was die Kinder bewegt und wie ihre Sicht auf bestimmte Dinge sich verändert. (Bestens geeignet hierfür sind sog. „Spontanbeobachtungen“, die in wenigen Worten notiert werden.)

 

6.)    Erzieherinnen ermöglichen, dass jüngere und ältere Kinder im gemeinsamen Tun ihre vielseitigen Erfahrungen und Kompetenzen aufeinander beziehen und sich dadurch in ihrer Entwicklung gegenseitig stützen können.

Unterschiedliche Altersstufen haben unterschiedliche Erfahrungen vorzuweisen. Umso wichtiger ist es, die Kinder in der Kita in einem möglichst vielfältigen Erfahrungsaustausch miteinander zu kommen. Gemeinsame Essenszeiten von jüngeren und älteren Kindern, gezielte altersübergeifende Gruppenangebote, Ausflüge, etc. sind gute Möglichkeiten, Kinder unterschiedlichen Alters gemeinsam handeln zu lassen. So lernen die Kleinen von den Großen, wie man die Fahrbahn überquert, wie man einen Joghurtbecher öffnet, wie man ein Getränk einschenkt, usw.

 

7.)    Erzieherinnen unterstützen Kinder in ihrer Selbständigkeitsentwicklung, indem sie ihnen ermöglichen, das Leben in der Kindertageseinrichtung aktiv mit zu gestalten.

Demokratie ist das Zauberwort und in einer funktionierenden Demokratie sind alle Mitglieder gleich viel wert. Ebenso soll das auch in der Kita laufen. Eine Entscheidung für die Gruppe wird von allen gemeinsam getroffen. Da die Jüngsten in einer Gruppe oft noch nicht so gut argumentieren können, wie die älteren, muss die Erzieherin hier ein Augenmerk draufhalten und so die Interessen aller in Betracht ziehen. Selbstständigkeit wird automatisch gefördert, die in gemeinsamen Entscheidungen auch die Interessen des Einzelnen erörtert werden müssen. Die Kinder lernen somit spielerisch, ihre Meinung zu vertreten und wenn sie dann auch erfahren, dass ihre Ideen und Anregungen von den Erzieherinnen ernst genommen werden, seid ihr einen großen Schritt in Richtung Partizipation gegangen.

 

8.)    Im täglichen Zusammenleben findet eine bewusste Auseinandersetzung mit Werten und Normen statt. Regeln werden gemeinsam mit den Kindern vereinbart.

Jede Gruppe funktioniert nur so gut, wie die Regeln, nach denen sie lebt. Oft sind Kitas voll von Regeln, Einschränkungen und Verboten. Hier gilt es zu überdenken und zunächst einmal radikal zu streichen. Die Beschränkung auf eine bestimmte Kinderzahl in einer Spielecke, am Maltisch oder wo auch immer, liegt meist in den Bedenken der Pädagogen begründet. Doch, wo steht denn geschrieben, dass nicht auch sechs oder acht Kinder, die ein gemeinsames Ziel haben, dieses auch gemeinsam angehen und ausführen können? Vielmehr sollte es „benimm-Regeln“ geben, die das Miteinander fördern. Absichtliches Verletzen eines anderen ist ein No-Go und muss unterbunden werden. Dies ist also eine Regel, die eingesetzt werden kann und die gilt, egal ob nun zwei oder zehn Kinder irgendwo miteinander spielen. Probiert es doch einfach mal aus: Ist es nicht so, dass die Beschränkungen auf eine bestimmte Kinderzahl bei den Kindern Neid und Missgunst fördern und ein demokratisches Spiel fast unmöglich machen? Und ist es nicht so, dass die Auseinandersetzung mit mehreren, die Kinder in ihrem sozialen Denken fördert? Ich habe schon herrliche Spielsituationen erlebt, bei denen z.B. viele Kinder im Sandkasten eine riesige Sandburg gebaut und dabei die Ideen jedes Einzelnen eingebracht haben. Hätte ich diese Situation auch bei einer Begrenzung der Kinderzahl erlebt? Ich fürchte nicht, denn viele Köpfe haben viele Ideen!

 

9.)    Die Arbeit in der Kindertageseinrichtung orientiert sich an den Anforderungen und Chancen einer Gesellschaft, die durch viele Kulturen geprägt ist.

Fast jede Kita kennt es heutzutage. Unser gesellschaftlicher Wandel macht auch vor der Kita-Tür nicht halt und so haben wir einen unschätzbaren Wert hinzugewonnen. Kinder mit unterschiedlichsten kulturellen Voraussetzungen besuchen die Einrichtungen und bringen verschiedenste Erfahrungen mit. Davon kann jede Kita profitieren, indem man mit den Kindern ins Gespräch kommt, jeder Kultur ihren Platz lässt und somit eine Gesellschaft in der Kita-Gruppe schafft, die von einem offenen Miteinander geprägt ist. Vorurteile werden beseitigt und gegenseitiger Respekt gefördert. So machen wir aus den uns anvertrauten Kindern, sozial starke Persönlichkeiten von morgen, die unsere Gesellschaft, Politik und das Land prägen können. Dafür gilt es allerdings, auch unsere persönlichen Vorurteile kritischst zu hinterfragen und uns mit der Vielfalt der Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

 

10.)   Die Kindertageseinrichtung integriert Kinder mit Behinderungen, unterschiedlichen Entwicklungsvoraussetzungen und Förderbedarf und wendet sich gegen Ausgrenzung

Viele Kitas leben Inklusion in bestimmten Formen. In Situationsansatz-Einrichtungen sind Erzieherinnen gefordert, Kinder unterschiedlichen Lernstandes und unterschiedlichen Förderbedarfs zusammenzuführen und auch hier eine Kultur des Miteinander zu schaffen. So werden Vorurteile und Berührungsängste aus der Welt geschafft. Kinder mit Einschränkungen erfahren Hilfe – ohne Mitleid und gesunde Kinder erfahren, wie vielfältig wir Menschen sind und wie wichtig gegenseitige Hilfestellung und Rücksichtnahme sind, ohne sich jedoch selbst zu vergessen.

 

11.)    Räume und ihre Gestaltung stimulieren das eigenaktive und kreative Tun der Kinder in einem anregungsreichen Milieu

Die Räume sind so vielfältig wie die Kinder, die sich besuchen. Dabei gilt es, darauf zu achten, Räume zum Rückzug und zum eigenen Schaffen zu bilden, sowie Plätze zum Toben und gemeinsamen Tun bereitzuhalten. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und ihren Platz im Raum immer wieder neu zu finden. Sie hinterlassen ihre Spuren und haben die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Forscherdrang und Erkundungstouren werden gefördert durch anregungsreiches Material und passende Räume. Dabei werden die Kinder in die Gestaltung mit einbezogen und ihre Wünsche werden berücksichtigt. Es muss immer ein Gleichgewicht der wirtschaftlichen, pädagogischen und ökologischen Standpunkte bestehen.

 

12.)    Erzieherinnen sind Lehrende und Lernende zugleich

Keine Erzieherin muss als Allwissende jederzeit alle Fragen von Kindern oder Eltern beantworten. Viel sympathischer – und vor allem ehrlicher – ist es, wenn man sich seiner Grenzen bewusst ist und diese auch benennen kann. Kein Kind ist enttäuscht, wenn wir auf eine Frage keine Antwort wissen, sofern wir dies ehrlich zugeben und uns gemeinsam mit dem Kind auf die Suche nach einer Antwort machen. Viel schlimmer ist es, wenn wir mit unsicherem Halbwissen aufwarten, denn Kinder spüren das und werden schon beim nächsten Mal ihre Frage lieber für sich behalten.

Erzieherinnen reflektieren daher immer wieder ihr Wissen, ihre Alltagserfahrungen und ihre Entwicklung im sozialen Kontext. Sie lassen sich ein auf Experten und beziehen diese in ihre pädagogische Arbeit mit ein.

Zudem können pädagogische Fachkräfte besonders viel von den ihnen anvertrauten Kindern lernen, deren ganz eigenen Sichtweisen auf die Welt sie immer wieder neu inspirieren und vorantreiben kann.

 

13.)   Eltern und Erzieherinnen sind Partner in der Betreuung, Bildung und Erziehung der Kinder

Niemand kennt ein Kind so gut, wie seine Eltern. Wer mit dieser Einstellung die Elternarbeit beginnt, hat eine gute Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis und Achtung geschaffen. Die Erfahrungen der Eltern mit ihrem Kind das Fachwissen von Pädagogen verschmelzen dabei zu einer Einheit, um das bestmögliche für jedes Kind zu machen. Mit dem Elternausschuss haben die Erzieherinnen immer ein Bindeglied zwischen Einrichtung und Elternschaft. Der offene und ehrliche Austausch findet somit immer zum Wohl des einzelnen Kindes, der Gruppe und der gesamten Einrichtung statt. Dabei kann sich von Beginn an, ein Vertrauensverhältnis entwickeln, das in aktiver Mitarbeit von Eltern mündet und somit die Kita auch in diesem Bereich öffnet.

 

14.)     Die Kindertageseinrichtung entwickelt enge Beziehungen zum sozial-räumlichen Umfeld.

Kitas, ganz gleich wo sie angesiedelt sind, sind immer eng mit ihrem sozialräumlichen Umfeld verbunden. Dabei soll es nie so sein, dass die Kita „verinselt“. Vielmehr ist es wichtig, sich im Umfeld einzubringen und sich zu öffnen für die Umgebung. Viele Kitas praktizieren das bei besonderen Veranstaltungen. Doch auch der Alltag sollte die Umgebung mit einbeziehen. So können wöchentliche Spaziergänge im Ort, die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, wie Nachbarkitas, Schulen, Behörden oder Geschäften, ein anregungsreiches Lernfeld bieten. Davon profitiert die Einrichtung, jedes Kind und auch das Umfeld. So werden Verständnis füreinander und der positive Umgang miteinander gefördert.

 

15.)     Die pädagogische Arbeit beruht auf Situationsanalysen und folgt einer prozesshaften Planung. Sie wird fortlaufend dokumentiert

Um die pädagogische Arbeit an den Bedürfnissen der Kinder zu orientieren, sind Dokumentation und Beobachtung unerlässlich. Dabei gelten folgende Prinzipien:

Erkunden – Situationen werden analysiert, Gespräche von Kindern, Beobachtungen festgehalten und Schlüsselsituationen herausgefiltert

Entscheiden – anhand der herausgefilterten Schlüsselsituationen werden Entscheidungen über das weitere Vorgehen getroffen. Dabei muss immer auch das Leitbild der Einrichtung beachtet werden.

Handeln – die ausgewählten Schlüsselsituationen werden entsprechend bearbeitet und gestaltet.

Reflektieren – Nach einer Bearbeitungsphase steht die Reflexion an, die stets kritisch dokumentiert werden soll. Anhand dieser Reflexion wird das weitere Vorgehen geplant und organisiert.

 

16.)     Die Kindertageseinrichtung ist eine lernende Organisation.

Erzieherinnen sind Teil eines Teams, in dem jede spezielle Aufgaben übernimmt. Jede Mitarbeiterin fühlt sich mitverantwortlich für das Gesamtkonstrukt Kita und bringt sich entsprechend mit ein. Vom Träger wird Raum und Zeit zur Verfügung gestellt, damit Erzieherinnen sich austauschen können über organisatorische und inhaltliche Gegebenheiten. Dabei werden auch Teamgespräche immer wieder zur Reflexion genutzt.

In Kooperation mit den Eltern und dem Träger entwickeln die Erzieherinnen immer wieder Möglichkeiten, um die Kita im Umfeld positiv zu präsentieren und sich als Teil der Gemeinde zu sehen. Regelmäßige Interviews bei den Eltern helfen, die Bedarfsermittlung durchzuführen und auf veränderten Bedarf mit überarbeitetem Angebot zu reagieren. Dabei sehen die Erzieherinnen jede Veränderung als Chance und treten ihr positiv gegenüber.

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