Mach mal Pause!

Wenn der Alltag wieder einmal überhand nimmt …

Jede Erzieherin hat es schon einmal erlebt. Sicher ist es dir auch bereits so ergangen. Du hast den Eindruck, das Pensum nicht mehr zu schaffen. Immer und immer wieder tritt irgendwer mit neuen Forderungen an dich heran. Es sind zwei neue Kinder auf einmal einzugewöhnen, weil sich bei einem Elternpaar der Termin verschoben hat und jetzt plötzlich die Zeit drängt. Du sollst ein Elterngespräch vorbereiten, das dringend ist. Dann sind da noch vier Wickelkinder zu bewältigen, deine Kollegin ist krank und eigentlich würdest du jetzt bei einer Fortbildung sitzen, für die du dich bereits vor Monaten angemeldet hast. Du hast natürlich verzichtet, weil der Alltag in der Kita oberste Priorität hat, stimmts?

Ein anderes Szenario, ein ähnliches Ergebnis: Du sollst Bildungsdokumentationen schreiben und in den Portfolios der Kinder abheften. Seit Monaten funktioniert der Drucker in Eurer Einrichtung nicht. Kein Problem, denn du nimmst, die Sachen einfach auf einem USB-Stick mit nach Hause, um es dort auszudrucken. Dabei liest du noch einmal, was du geschrieben hast und stellst fest, dass die eine oder andere Formulierung dir nicht gefällt. Was tust du? Du änderst die Formulierungen, druckst alles aus (nicht selten auf deinem privaten Papier) und nimmst am nächsten Tag alles mit in die Einrichtung. Es war ja „nur“ eine halbe Stunde deiner Freizeit, die du aufgebracht hast. Gut, mag sein, dass du das so siehst. Aber hast du mal aufgerechnet, wie viele „nur“ halbe Stunden im Monat, im Jahr du auf diese Weise deinem Arbeitgeber schenkst?

Beutest du dich damit nicht auf irgendeine Weise auch selbst aus? Sorgst du nicht damit auch dafür, dass du dich schlapp und ausgepowert fühlst?

Es wird Zeit, dass auch Mitarbeiter sozialer Berufe, nicht zu Selbstausbeutern mutieren, sondern lernen „NEIN“ zu sagen.

 

Was hast du heute eigentlich alles getan?

Hast du auch immer wieder den Eindruck nach Hause zu gehen und nichts gearbeitet zu haben? Geht es dir so, dass du nach einem besonders stressigen Tag eine große Leere empfindest? Vermutlich bist du am Morgen daheim gestartet und hast dir vorgenommen, irgendeine Arbeit zu erledigen. Vielleicht wolltest du ein Angebot vorbereiten, die Reflexion eines Elterngespräches abtippen oder aber dem Kind, das du in den letzten Tagen mehrmals beobachtet hast, heute besonders viel Zeit widmen. Dann kommt alles anders, weil du in der anderen Gruppe einspringen musst, das Mittagessen für die Kinder betreut werden soll und nebenbei noch jemand die Hose vollmacht. Du hastest von einer zu anderen „Baustelle“ und gehst am Ende des Tages nach Hause. Dabei nimmst du das schlechte Gewissen mit, denn du hast dich nicht mit ebendiesem Kind befasst, dein Angebot nicht vorbereitet und auch die Reflexion nicht geschrieben.

Doch du hast absolut keinen Grund für ein schlechtes Gewissen. Drehe den Spieß doch einfach mal um: Denke nicht darüber nach, was du NICHT geschafft hast, sondern überlege dir ganz genau WAS du alles erledigen konntest … Fünf Kids gewickelt, der Kollegin aus der Patsche geholfen, beim Mittagessen die Ruhe bewahrt, auch als der Getränkebehälter zum dritten Mal umfiel. Und: Du warst auch heute wieder Bezugsperson für Kinder, Eltern und Kollegen. Du hast Gespräche geführt, Hilfe geleistet, getröstet, gespielt und zum dritten Mal diese Woche deinen Kaffee kalt getrunken. Na, fühlst du dich jetzt immer noch mies?

 

Jeder hat ein Recht auf „Nein“

Es ist eine Krux, wenn man sieht, unter welchen Bedingungen zum Teil pädagogisch wertvolle Arbeit geleistet wird. Sicher gibt es auch andere Einrichtungen, in denen die Erzieherinnen Wertschätzung erfahren von Träger, Leitung, Eltern und Umfeld. Doch in vielen, oftmals vor allem ländlichen Gegenden, hält sich das Vorurteil der „Kaffeetanten“ hartnäckig. So schlimm es sich auch anhört: Menschen in sozialen Berufen sind oft selbst schuld.

Kannst du dir vorstellen, jeden Morgen für 15 Minuten den Raum zu verlassen, um deine Kaffeepause zu machen? Die wenigsten Erzieherinnen können das. Meistens sitzt man entweder mit einer Herde von Kindern am Tisch, frühstückt gemeinsam und kommt dabei ins Gespräch mit den Kleinen. Gerade die Essenssituation ist eine sehr wertvolle Zeit, die intensives pädagogisches Handlungsfeld ist. Mit Pause hat das allerdings nichts zu tun. Und das ist absolut nicht negativ gemeint.

Überlege einmal, wie oft du in den letzten Monaten auf deine Mittagspause ganz oder teilweise verzichtet hast? Weil Kollegen fehlten, jemand dringend Hilfe brauchte, es noch schnell einen Einkauf zu erledigen galt, …

Nimm dir für die nächsten vier Wochen vor, einmal ganz bewusst „NEIN“ zu sagen, wenn jemand dich um einen Gefallen bittet, der deine Pause oder deine Freizeit verkürzen würde. Es wird dir sicherlich unheimlich schwerfallen und deinem Gegenüber einen erstaunten Gesichtsausdruck abverlangen. Aber nur dadurch, dass auch Erzieherinnen endlich einsehen, dass Pause haben auch Pause machen bedeutet, können sie für sich selbst ein Stück weit sorgen.

Vorbereitungszeit ist dafür da, genutzt zu werden

In den Bildungsempfehlungen von Bund und Ländern, sind sogenannte Vor- und Nachbereitungszeiten für pädagogische Fachkräfte klar geregelt. Einziges Problem: In vielen Einrichtungen wird diese Vorgabe nicht eingehalten. Zum einen liegt es daran, dass die Erzieherinnen denken, ein Bastelangebot könnte auch „mal eben schnell zwischendurch“ im Raum mit 25 Kindern vorbereitet werden. Doch genau das ist das falsche Signal. Dienst am Kind findet im Gruppenraum, im Projektraum oder wo auch immer, aber auf jeden Fall immer mit den Kindern statt. Diese Zeiten dienen einzig und allein den Kindern. Hierbei MUSS die Aufmerksamkeit der Erzieherinnen bei den Kindern sein und nicht bei irgendwelchen Basteleien, Schreibarbeiten, etc.

Dafür gilt es, die Vorbereitungszeit zu nutzen und diese gegebenenfalls auch mithilfe einer Mitarbeitervertretung vehement einzufordern. Vorbereitungszeiten stehen dir zu! Also nutze sie! Ziehe dich zurück und erledige alle Arbeiten, die nicht direkt am Kind erfolgen, in dieser Zeit. Selbst wenn man „nur“ eine Stunde in der Woche zur Verfügung hat, denn Teamzeiten sind ebenfalls Vor- und Nachbereitungszeiten, kann man einiges abarbeiten. Hier gilt es dann auch, sich selbst zu disziplinieren und sich auf die Arbeit zu konzentrieren, anstatt irgendwelche Seitengespräche zu führen, die leider oft auch in den privaten Bereich abdriften. Letztlich liegt es an jeder Erzieherin selbst, ihre Lobby zu verbessern und sich selbst etwas Gutes zu tun.

Ein paar einfache Übungen helfen dir dabei:

-          Notiere dir, was du am gestrigen Tag geleistet hast. Zähle dabei bewusst auch die Arbeiten hinzu, die du privat erledigst. Markiere sie allerdings in unterschiedlichen Farben.

-          Schreibe dir selbst einen Brief, in dem du dir zwei Ziele vornimmst: Eine Arbeit, die du in den nächsten drei Monaten erledigen willst und eine Arbeit, die du zukünftig nicht mehr in der Freizeit erledigen wirst. Lege dir diesen Brief gut sichtbar hin und vermerke ihn mit dem Datum, an dem du ihn öffnen wirst. So erinnert er dich auch in geschlossenem Zustand an deine Ziele und du kannst nach drei Monaten prüfen, ob du sie erreicht hast. Selbstverständlich kann der gesetzte Termin ebenso variieren, wie die Anzahl der Ziele, die du dir vornimmst.

-          Gönne dir jeden Tag fünf Minuten zum Nichts-Tun (wer arbeiten geht, hat immer was zu tun. Darüber braucht man absolut nicht diskutieren. Doch fünf Minuten am Tag sind sogar für alleinerziehende Mamas drin). Weder Wäsche noch Haushalt laufen dir davon, wenn du dir die Zeit nimmst, um einfach mal nur an dich zu denken. Ganz im Gegenteil: Hinterher wird vieles leichter. Probiere es aus!

-          Nutze eines Eurer kommenden Teamgespräche doch mal, um mit den Kollegen eine andere Art der Kommunikation zu betreiben: Wie wäre es, wenn Ihr Euch gegenseitig Lob schenkt? Oft redet man mit Kolleginnen darüber, wer welche Dienste übernimmt oder auch wer irgendwas nicht besonders gut gemacht hat. Dreht den Spieß herum und lobt Euch bewusst für das, was die andere besonders gut macht, wofür ihr Euch gegenseitig bewundert oder was Ihr an der Art der anderen gut findet. Es ist eine gute Form, dem Gegenüber respektvoll zu begegnen und wenn man weiß, dass da jemand ist, der irgendetwas gut findet, was man tut, kann man auch dessen Kritik viel besser annehmen.

 

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